Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Magdolna Hornyak und Kai Spiegelhalder

Chloralhydrat

Chloralhydrat ist das älteste synthetische Schlafmittel, das bereits 1832 von Liebig entdeckt wurde. Die hypnotische Potenz von Chloralhydrat ist gering und nimmt durch Enzyminduktion bereits nach einigen Tagen Anwendung weiter ab. Die Anwendung von Chloralhydrat gilt heutzutage als obsolet und sollte nur in Ausnahmefällen und bei kurzer Anwendungsdauer in die therapeutischen Überlegungen einbezogen werden.

Substanzklasse

Alkoholderivate

Englischer Begriff

chloral hydrate

Indikation

Schlafstörungen, Unruhezustände; im Kleinkindalter zur Sedierung, beispielsweise für Diagnostik und Transport, und bei kindlichen Krampfanfällen (Treluyer et al. 2004).

Wirkungsweise

Chloralhydrat ruft vermutlich über eine Inhibierung der Aldehyddehydrogenase eine Verminderung der Bindung von freiem Acetylcholin hervor, wodurch eine Funktionseinschränkung des Zentralnervensystems eintritt. Es verkürzt die Einschlafzeit und verlängert die Schlafdauer, allerdings nur für eine kurze Zeitspanne. REM- und Tiefschlaf werden nicht supprimiert.

Dosierung

500 mg bis maximal 2000 mg.

Darreichungsform

Oral.

Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen;
  • Überempfindlichkeitsreaktion auf einen Inhaltsstoff;
  • zentralnervöse Störungen, wie Müdigkeit oder Verwirrtheitszustände;
  • kardiale Arrhythmien.

Wechselwirkungen

Die Wirkung von zentralnervös dämpfenden Mitteln wird verstärkt, ebenso die Wirkung von Präparaten zur Hemmung der Blutgerinnung (Cumarine). Vorsicht daher bei gleichzeitiger Therapie mit Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung (Coumadin, Marcumar).

Kontraindikationen

  • Schwere Herzinsuffizienz (NYHA III und IV);
  • Niereninsuffizienz (Kumulationsgefahr);
  • schwere Leberfunktionsstörung;
  • Kinder unter sechs Jahren;
  • bestehende Atmungsstörungen, Obstruktive Schlafapnoe.

Resorption, Distribution, Elimination

Chloralhydrat wird schnell resorbiert und in Leber und Niere rasch zum eigentlich aktiven Metaboliten Trichlorethanol mit einer Halbwertszeit von sieben bis neun Stunden umgewandelt. Der aktive Metabolit kann allerdings bei Organvorschädigung zu weiteren Parenchymschäden der Leber führen. Die Wirkdauer von Chloralhydrat beträgt zirka fünf Stunden. Bei regelmäßiger Einnahme tritt nach einigen Tagen eine Enzyminduktion mit deutlichem Wirkverlust ein. Toleranzentwicklung und Abhängigkeit können auftreten. Die therapeutische Breite ist gering, Tagesdosen ab 4 g können zu toxischen Erscheinungen führen, die letale Dosis beträgt 6–10 g.

Verträglichkeit

Bedingt durch die Enzyminduktion können Toleranz, Gewöhnung und Sucht ausgelöst werden. Bei plötzlichem Entzug kommen delirante Zustände und Krämpfe vor.

Bewertung

Chloralhydrat ist das älteste synthetische Schlafmittel, das bereits 1832 von Liebig entdeckt wurde. Die hypnotische Potenz von Chloralhydrat ist gering und nimmt durch Enzyminduktion bereits nach einigen Tagen Anwendung weiter ab. Die Anwendung von Chloralhydrat gilt heutzutage als obsolet und sollte nur in Ausnahmefällen und bei kurzer Anwendungsdauer in die therapeutischen Überlegungen einbezogen werden.
Literatur
Treluyer JM, Andre C, Carp PF et al (2004) Sedation in children undergoing CT scan or MRI: effect of time-course and tolerance of rectal chloral hydrate. Fundam Clin Pharmacol 18(3):347–350CrossRef