Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Martin Glos und Ludger Grote

Diskontinuierliche nichtinvasive Blutdruckmessung

Es existieren unterschiedliche Methoden zur Blutdruckmessung. Die gewählte Methode hat bezüglich der späteren Aussagekraft einer Untersuchung entscheidende Bedeutung. Die indirekte, diskontinuierliche Blutdruckmessmethode mittels Armmanschette und Auskultation der Korotkoff-Töne ist die Standardmethode der Blutdruckmessung.

Englischer Begriff

non-continuous non-invasive blood pressure measurement

Definition

Es existieren unterschiedliche Methoden zur Blutdruckmessung (siehe „Herz-Kreislauf-System, spezielle Messverfahren im Schlaf“). Die gewählte Methode hat bezüglich der späteren Aussagekraft einer Untersuchung entscheidende Bedeutung. Die indirekte, diskontinuierliche Blutdruckmessmethode mittels Armmanschette und Auskultation der Korotkoff-Töne ist die Standardmethode der Blutdruckmessung. Nur bei Bedienung durch ständig anwesendes Personal, wie auf der Intensivstation, können Daten im Schlaf erhoben werden, die aber eher als die automatisch messenden Systeme den Schlaf des Patienten stören. Mit Einführung der automatisch messenden diskontinuierlichen, nichtinvasiven Langzeitblutdruckmesssysteme („ambulatory blood pressure measurement“, ABPM), und zwar sowohl der oszillometrischen als auch der auskultatorischen Messung, konnte das zirkadiane Blutdruckverhalten an größeren Patientenkollektiven erhoben werden. Als Messintervalle sind 15 Minuten am Tage (6:00–22:00 Uhr) und 20–30 Minuten in der Schlafperiode (22:00–6:00 Uhr) empfohlen (O’Brien 2005). Siehe dazu auch „Bluthochdruck“.

Auswerteverfahren, Bewertung

Die obere Normwertgrenze des systolischen und diastolischen Blutdrucks während der Nachtphase, die normalerweise zwischen 22:00 Uhr und 7:00 Uhr liegt, beträgt 110/65 mmHg, bei Werten darüber hinaus handelt es sich um eine nächtliche Hypertonie. Ein klinisch bedeutsamer Begriff in diesem Zusammenhang ist das Nondipping des nächtlichen Blutdrucks im Vergleich zum Tagesblutdruck. Beim sogenannten Nondipper ist die physiologische Nachtabsenkung des systolischen/diastolischen Blutdrucks von mindestens 10 % respektive 15 % gegenüber dem Tagesmittelwert aufgehoben. Das Patientenprotokoll oder die Anamnese bezüglich des Schlafs können Hinweise auf eine bestehende schlafmedizinische Erkrankung liefern.

Apparative Umsetzung, Geräte

Es existiert eine Vielzahl von Geräten und Herstellern; ausführliche Informationen finden sich im Internet, zum Beispiel auf www.dableducational.org. Messtechnisch unterscheidet man zwischen der auskultatorischen und der oszillometrischen Methode. Letztere hat den Vorteil einer geringeren Fehlerquote der Messungen und den Vorteil eines geringeren Gewichts des Messgeräts.
Wichtig für die Validität der Messungen ist, dass die eingesetzten Geräte nach internationalen standardisierten Protokollen validiert sind. Darüber hinaus müssen sie regelmäßig gewartet und sollten in sechsmonatigen Intervallen rekalibriert werden (O’Brien 2005).

Indikationen

Komplizierte Hypertonie mit Endorganschäden, junge Hypertoniker, Verdacht auf das Fehlen der nächtlichen Blutdruckabsenkung, das Nondipping des Blutdrucks schwer zu behandelnder Bluthochdruck (O’Brien 2005; ESH/ESC Task Force 2013).

Grenzen der Methode

Die Systeme haben ein Problem bei der Erfassung des nächtlichen Blutdrucks bei Patienten mit Obstruktiver Schlafapnoe (OSA; siehe „Obstruktive Schlafapnoe“) (Heitmann et al. 1997; Grote 2003). Während der Atmungsstörungen treten starke Blutdruckschwankungen um 30–40 mmHg systolisch und um 20–30 mmHg diastolisch oft schon innerhalb von 15–20 Sekunden auf. Mit der diskontinuierlichen Messung, die für sich genommen schon 20–40 Sekunden dauert, können diese raschen Blutdruckveränderungen methodisch bedingt nicht widergespiegelt werden. Weiterhin können diese Systeme durch das Aufpumpen der Manschette den Schlaf stören (Penzel 1995).
Literatur
ESH/ESC Task Force for the Management of Arterial Hypertension (2013) 2013 Practice guidelines for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension (ESH) and the European Society of Cardiology (ESC): ESH/ESC Task Force for the Management of Arterial Hypertension. J Hypertens 31(10):1925–1938CrossRef
Grote L (2003) Invasive and noninvasive techniques for analysis of cardiovascular effects of sleep apnea. Biomed Tech 48(7–8):190–196CrossRef
Heitmann J, Grote L, Netzer M (1997) Der Einsatz der diskontinuierlichen Langzeitblutdruckmessung (Spacelabs 90207) bei Patienten mit Schlafapnoe – ein Vergleich der Methode mit intraarteriellen Daten. Pneumologie 51:747–749PubMed
O’Brien E, Asmar R, Beilin L, on behalf of the European Society of Hypertension Working Group on Blood Pressure Monitoring et al (2005) Practice guidelines of the European Society of Hypertension for clinic, ambulatory and self blood pressure measurement. J Hypertens 23:697–701CrossRef
Penzel T (1995) Blood pressure analysis. J Sleep Res 4(S1):15–20CrossRef