Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Wolfgang Galetke und Heinrich F. Becker

IPPV

IPPV ist eine aus der Intensivmedizin stammende Form der Beatmung, die heute nur noch selten auch bei Patienten mit Hypoventilationssyndromen eingesetzt wird. IPPV wird oft im kontrollierten Modus bei Patienten mit Hypoventilationssyndromen bei Kyphoskoliose oder neuromuskulären Krankheiten verwendet. Die Entscheidung, ob BiPAP oder IPPV eingesetzt wird, hängt wesentlich von der Erfahrung des Therapiezentrums sowie der Akzeptanz des Patienten ab. Zentren, die Patienten mit Zentralen Schlafbezogenen Atmungsstörungen behandeln, sollten über große Erfahrungen mit beiden Therapieformen verfügen.

Synonyme

Intermittierende Positivdruckbeatmung

Englischer Begriff

intermittent positive pressure ventilation (IPPV)

Definition

IPPV ist eine aus der Intensivmedizin stammende Form der Beatmung, die heute nur noch selten auch bei Patienten mit Hypoventilationssyndromen (siehe „Schlafbezogene Hypoventilationssyndrome“) eingesetzt wird. Die Geräte verfügen über einen elektromagnetisch gesteuerten Balg, der während der Inspiration meist ein definiertes Volumen, seltener einen voreingestellten Druck verabreicht. Im Gegensatz zu BiPAP entweicht Luft nur während der Ausatmung über ein pneumatisch gesteuertes Ventil in der Nähe der Beatmungsmaske, früher gab es einen abführenden Schlauch im Beatmungsgerät. Luft wird nur während der Inspirationsphase gefördert, woher auch die Bezeichnung „intermittierende“ Positivdruckbeatmung stammt. Allerdings kann auch mit IPPV-Geräten ein positiver exspiratorischer Druck (PEEP) verabreicht werden, indem auf das Ausatemventil ein mechanisches PEEP-Ventil aufgesetzt wird. Unter Maskenbeatmung reduziert sich der PEEP allerdings in der Exspiration rasch, da kein Volumen nachgefördert wird, um den PEEP konstant zu halten. Waren die IPPV-Geräte noch bis vor zwei bis drei Jahren groß, schwer und laut, so konnten diese, den Patienten oft sehr störenden Geräteeigenschaften durch technische Weiterentwicklungen wesentlich verbessert werden.
Ein Problem stellt heute noch die fehlende Leckkompensation mit Alarmauslösung bei Leckage dar. Es stehen jedoch auch Geräte zur Verfügung, die technische Lösungen für diese Probleme anbieten.
IPPV wird eingesetzt, um eine meist volumengesteuerte Beatmung mit dem Ziel der Steigerung der Ventilation bei Hypoventilationssyndromen zu erzielen. Meist werden Patienten behandelt, die im Rahmen des Hypoventilationssyndroms auch eine chronische respiratorische Insuffizienz am Tage aufweisen. Auch IPPV kann assistiert im Spontanatmungsmodus, als kontrollierte Beatmung mit fester Vorgabe von Atemfrequenz und Inspirations-Exspirations-Verhältnis oder im assistiert-kontrollierten Modus mit Umschaltung von Spontanatmung auf kontrollierte Beatmung beim Unterschreiten einer Grenzatemfrequenz eingesetzt werden. Die Triggerung erfolgt üblicherweise durch einen Druckabfall im Beatmungsschlauch. IPPV wird oft im kontrollierten Modus bei Patienten mit Hypoventilationssyndromen bei Kyphoskoliose oder neuromuskulären Krankheiten verwendet. Die Entscheidung, ob BiPAP oder IPPV eingesetzt wird, hängt wesentlich von der Erfahrung des Therapiezentrums sowie der Akzeptanz des Patienten ab. Zentren, die Patienten mit Zentralen Schlafbezogenen Atmungsstörungen behandeln, sollten über große Erfahrungen mit beiden Therapieformen verfügen.
Siehe dazu auch „Nichtinvasive Beatmung bei zentralen Schlafbezogenen Atmungsstörungen und bei der chronischen respiratorischen Insuffizienz“.

Voraussetzung

IPPV wird bei Patienten mit Hypoventilationssyndromen eingesetzt, bei denen eine mechanische Beatmung indiziert und die Therapie mit Bi-Level-PAP nicht erfolgreich ist beziehungsweise als nicht erfolgversprechend eingestuft werden muss. Für IPPV gilt in besonderem Maße, dass die Therapie wegen der Komplexität in Zentren mit besonderer Erfahrung auf dem Gebiet eingeleitet werden sollte. Nur mittels Kardiorespiratorischer Polysomnographie kann die Effektivität zuverlässig kontrolliert werden, da eine suffiziente Therapie nur dann vorliegt, wenn die Atmungsstörungen auch im REM-Schlaf beseitigt sind.

Kontraindikationen

Die Ablehnung der Behandlung durch den Patienten stellt eine Kontraindikation dar.

Durchführung

Die Vorbereitungen zur IPPV-Therapie bei Hypoventilationssyndromen entsprechen dem unter „Bi-Level-PAP“ geschilderten Vorgehen. Es wird eine geeignete Maske ausgewählt. Die Behandlung wird mit einem für den Patienten angenehmen Atemzugvolumen mit einem angemessenen In-/Exspirationsverhältnis und mit einer individuell angepassten Atemfrequenz am Tag trainiert. Oft erfolgt diese Therapie im kontrollierten Modus, und die Beatmungsfrequenz liegt über der Eigenfrequenz des Patienten. Im Schlaflabor beginnt die Therapie mit der als geeignet ermittelten Einstellung. Treten im Schlaf Hypoventilationen auf, wird das Atemzugvolumen bis zu deren Beseitigung angehoben. Die Therapiequalität kann nur sicher beurteilt werden, wenn mittels Kardiorespiratorischer Polysomnographie dokumentiert wurde, dass der Patient unter der Beatmung den REM-Schlaf durchlief und die Behandlung in dieser Schlafphase ausreichend war.

Nachsorge

Die Patienten sollten mindestens in jährlichen Abständen nachuntersucht werden. Dabei wird der subjektive Behandlungserfolg geprüft und die Therapiequalität durch Blutgas- und Lungenfunktionsmessungen sowie einer Registrierung der Atmung im Schlaf unter Maskenbeatmung beurteilt. Beatmungsgerät, Maske und Zubehör werden kontrolliert. Nebenwirkungen werden erfasst und behandelt.