Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Matthias Boentert

Katathrenie

Als Katathrenie wird ein im Schlaf auftretendes Geräusch bezeichnet, das im Anschluss an eine tiefe Inspiration auftritt und einem mehr oder weniger lauten Stöhnen während einer prolongierten Exspiration entspricht. Dieses ist in der Regel monoton, sistiert mit dem Ende der Ausatmungsphase und kann episodenhaft mehrfach in der Nacht auftreten.

Synonyme

Stöhnen im Schlaf

Englischer Begriff

catathrenia; nocturnal groaning

Definition

Als Katathrenie wird ein im Schlaf auftretendes Geräusch bezeichnet, das im Anschluss an eine tiefe Inspiration auftritt und einem mehr oder weniger lauten Stöhnen während einer prolongierten Exspiration entspricht. Dieses ist in der Regel monoton, sistiert mit dem Ende der Ausatmungsphase und kann episodenhaft mehrfach in der Nacht auftreten.
Die Katathrenie wurde nach ICSD-2 (2005) zu den Parasomnien gezählt. Die „ICSD-3“ (2014) klassifiziert sie unter den Isolierten Symptomen und Normvarianten bei den Schlafbezogenen Atmungsstörungen (siehe „Schlafbezogene Atmungsstörungen“).

Genetik, Geschlechterwendigkeit

Eine familiäre Häufung der Katathrenie ist nicht bekannt, sodass für eine genetische Verursachung kein Anhalt besteht. Männer scheinen häufiger betroffen zu sein als Frauen.

Epidemiologie

Zur Prävalenz der Katathrenie liegen keine verlässlichen Angaben vor.

Ursachen und Pathophysiologie

Die Ursachen der Katathrenie sind bislang nicht bekannt. Das Phänomen ist nicht gehäuft mit schlafbezogenen Atmungsstörungen im engeren Sinne oder mit psychiatrischen Erkrankungen assoziiert. Aktuellere Studien zeigen, dass möglicherweise anatomische Aspekte eine Rolle spielen. Die Katathrenie ist in der Regel REM-Schlaf-assoziiert. Die durch das verlängerte Exspirium bedingte Bradypnoe ist begleitet von einem Anstieg des intrathorakalen Drucks und einer mäßigen Absenkung der Herzfrequenz.

Symptomatik

Die Vokalisation in Form von Summen, Stöhnen oder sogar Brüllen kann intra- und interindividuell unterschiedlich ausgeprägt sein. Charakteristisch ist die ausschließlich während der Exspiration einsetzende Vokalisation, die 2–50 Sekunden lang andauern kann. Meist sistiert sie bei Wechsel der Körperlage, um potenziell wenig später wieder aufzutreten. Für den Patienten selbst hat die Katathrenie häufig keinen Krankheitswert. Das schlafbezogene Stöhnen wird in der Regel subjektiv nicht bemerkt und ist nicht mit manifesten Durchschlafstörungen verbunden, allerdings berichtet ein Teil der Patienten über einen unerholsamen Nachtschlaf. Zudem kann das Geräusch für den Bettpartner sehr störend sein. Die Katathrenie ist nicht mit anderen Schlafstörungen beziehungsweise Phänomenen wie „Somniloquie“ oder „Parasomnien“ assoziiert (insbesondere nicht mit der „REM-Schlaf-Verhaltensstörung“).

Diagnostik

Die (fremd-)anamnestische Angabe nächtlichen Stöhnens allein stellt keine Indikation zur kardiorespiratorischen Polysomnographie (siehe „Kardiorespiratorischen Polysomnographie“) dar. Besteht aber darüber hinaus der Verdacht auf eine schlafbezogene Atmungsstörung, eine schlafbezogene Verhaltensstörung oder nächtliche Anfälle, resultiert hieraus zwingend die Notwendigkeit der weiterführenden Diagnostik. Die Katathrenie tritt in der Regel aus dem „REM-Schlaf“ heraus auf, seltener beginnt sie im NREM-Schlaf. Während der Vokalisation kommt es nicht zu Bewegungen oder Verhaltensauffälligkeiten. In der Polygraphie oder Polysomnographie geht das verlängerte Exspirium mit einer Amplitudenabflachung der nasalen Fluss- und der thorako-abdominellen Exkursionskurven einher und kann mit einer zentralen Apnoe verwechselt werden. Zur Unterscheidung dienen das begleitende akustische Signal und eine am Ende der Katathrenie typischerweise auftretende Exhalation unmittelbar vor der nächsten Einatmung. Die periphere Sauerstoffsättigung zeigt keine Veränderungen. Während der Katathrenie kann die Herzfrequenz absinken. Puls und Blutdruck können als Ausdruck eines vegetativen Arousals nach Ende der Katathrenie geringfügig und kurzfristig ansteigen. Schlafprofil und Schlafarchitektur sind in der Regel nicht beeinträchtigt.

Differentialdiagnostik

Differentialdiagnostisch sind andere schlafbezogene Atmungsstörungen wie die obstruktive oder zentrale Schlafapnoe, Schnarchen, nächtlicher Stridor und nächtliche Laryngospasmen abzugrenzen. Ferner kommen als Ursache für Vokalisationen im Schlaf nächtliche epileptische Anfälle und schlafbezogene Verhaltensstörungen infrage. Siehe auch „Schnarchen“; „Epilepsie“; „REM-Schlaf-Verhaltensstörung“.

Therapie

Für die isolierte Katathrenie ist bisher keine Therapie bekannt. Liegt als Begleiterkrankung eine behandlungsbedürftige „Schlafapnoe“ vor, kann die nächtliche Applikation eines kontinuierlichen positiven Atemwegsdrucks mittels „CPAP“ oder „Bi-Level-PAP“ zur Besserung der Katathrenie führen.

Prognose

Es scheint sich um eine lebenslang bestehende chronische Problematik zu handeln.
Literatur
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