Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Kai Spiegelhalder und Magdolna Hornyak

Kokain

Kokain ist ein Tropan-Alkaloid, das aus den Blättern des Coca-Strauchs gewonnen wird, als Nebenalkaloide sind Cinnamylcocain, Benzoyleconin, Truxilline sowie Tropacain in der Coca-Pflanze enthalten. Pharmakologisch gesehen ist Kokain ein Wiederaufnahmehemmer, der die Wiederaufnahme verschiedener Neurotransmitter wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin an den präsynaptischen Neuronen hemmt und dadurch zu einer ausgeprägten Stimulation des ZNS führt. Kokain hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial und führt durch seine stimulierende Wirkung zu einer Steigerung der Wachheit und Störung des Schlafs. Schlafstörungen können auch nach Absetzen des Kokains auftreten, diese gelten dann als Risikofaktor für einen Rückfall.

Synonyme

Cocain; Szenenamen; Schnee; Charly; Weißes Gold; Zaubermehl; Sternenstaub; Stardust; Koks

Englischer Begriff

cocaine

Definition

Kokain ist ein Tropanalkaloid, das aus den Blättern des Coca-Strauchs gewonnen wird, als Nebenalkaloide sind Cinnamylcocain, Benzoyleconin, Truxilline sowie Tropacain in der Coca-Pflanze enthalten. Pharmakologisch gesehen ist Kokain ein Wiederaufnahmehemmer, der die Wiederaufnahme verschiedener „Neurotransmitter“ wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin an den präsynaptischen Neuronen hemmt und dadurch zu einer ausgeprägten Stimulation des ZNS führt. Kokain hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial und führt durch seine stimulierende Wirkung zu einer Steigerung der Wachheit und Störung des Schlafs. Schlafstörungen können auch nach Absetzen des Kokains auftreten, diese gelten dann als Risikofaktor für einen Rückfall.

Grundlagen

Geschichtliches

Die Bezeichnung Kokain gibt es erst, seit die Wirksubstanz in den 1850er-Jahren chemisch isoliert werden konnte. Der Konsum von Kokain reicht aber bis zu den Inkas, sehr wahrscheinlich auch noch weiter zurück. Die ersten Coca-Sträucher kamen 1750 aus Südamerika nach Europa. Um 1859 gelang erstmals die Isolierung des Alkaloids durch Albert Niemann. 1898 erfolgte die Analyse der chemischen Struktur und 1902 die Synthese durch Richard Willstätter. Ab 1879 wurde Kokain verwendet, um Morphinabhängigkeit zu behandeln. Die erste Rezeptur des Getränks Coca-Cola enthielt bis 1903 einen Extrakt aus Coca-Blättern mit rund 250 mg Kokain pro Liter Coca-Cola, das später durch Koffein ersetzt wurde. Kokain ist das älteste bekannte Lokalanästhetikum und diente als Leitsubstanz für viele synthetische Lokalanästhetika. Wegen der hohen Suchtgefahr und der ausgeprägten Toxizität wird es heutzutage nicht mehr eingesetzt.

Kokainkonsum

Generell hängt das Ausmaß des aufputschenden Effekts sehr stark von der Form des Konsums ab. Beim intravenösen Spritzen setzt die Wirkung sehr schnell ein. Dieses wird umgangssprachlich auch als Rush, Flash oder Kick bezeichnet. Ebenso schnell wie die Wirkung einsetzt, klingt sie allerdings dann auch wieder ab, bereits nach ungefähr zehn Minuten verschwinden die euphorischen Effekte. Beim Rauchen der Kokainbase, auch als Crack bezeichnet, verläuft der Rausch ähnlich kurz. Das Spritzen und Rauchen von Kokain gilt dabei als besonders riskant, da die Gefahr erneuten Konsums und damit auch die Abhängigkeitsgefahr vergleichsweise hoch ist. Die häufigste Konsumform ist das sogenannte Sniffen des pulverförmigen Kokainhydrochlorids. Die Wirkung setzt dabei nach einigen Minuten ein und hält ca. 20–60 Minuten an. Die beim Kokainkonsum auftretende allgemeine Aktivierung steigert die Wachheit sowie die Stimmung. Auf der körperlichen Ebene kommt es zum Anstieg der Herzfrequenz, des Blutdrucks, der Körpertemperatur und der Atemfrequenz.
Als unerwünschte Effekte können auftreten:
Oft ist das Ende eines Rauschs durch Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Erschöpfung und verlängerten Schlafphasen gekennzeichnet. Möglich sind auch Angstzustände, Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und Suizidgedanken. Nach dem Kokainrausch tritt bei einigen Konsumenten eine ausgeprägte depressive Verstimmung auf. Dieser Zustand lässt diese Konsumenten nicht selten wieder zur Droge greifen, um der „Kokaindepression“ zu entkommen. Der Mechanismus ist insofern gefährlich, als er die Entwicklung einer Abhängigkeit begünstigt. Kokain gilt als eine der beliebtesten „Szenedrogen“ der Welt. Es ist wahrscheinlich nach Cannabis die illegale Droge, die am häufigsten ausprobiert oder regelmäßig konsumiert wird. Kokain erzeugt eine rein psychische Abhängigkeit, d. h., es gibt keine körperlichen Entzugssymptome (siehe auch „Stimulanzienabhängigkeit“).

Auswirkungen auf den Schlaf

Durch seine aktivierende Wirkung bedingt Kokain nach der Einnahme eine Steigerung der Wachheit und Unterdrückung der Einschlafneigung (für eine Übersicht siehe Schierenbeck et al. 2008). In der nachfolgenden Schlafphase bewirkt es vor allem eine Suppression des REM-Schlafs (Watson et al. 1992). Nach Abklingen der Wirkung tritt ein Rebound mit vermehrtem Schlafbedürfnis, verlängerten Schlafphasen und vermehrtem REM-Schlaf auf. Der erhöhte REM-Schlaf-Anteil und die verkürzte REM-Latenz können bis zu drei Wochen nach Absetzen des Kokains nachweisbar sein. Während anhaltender Abstinenz kommt es bei gleichbleibender subjektiver Schlafqualität zu einer Verschlechterung der polysomnographisch registrierten Schlafparameter mit verminderter Schlafeffizienz, verlängerter Schlaflatenz und erhöhter Wachzeit während der Schlafphase („Polysomnographie und Hypnogramm“). Die Schlafstörungen werden als möglicher Risikofaktor für einen Rückfall gesehen (Pace-Schott et al. 2005).
Literatur
Pace-Schott EF, Stickgold R, Muzur A et al (2005) Sleep quality deteriorates over a binge-abstinence cycle in chronic smoked cocaine users. Psychopharmacology (Berl) 179:873–883CrossRef
Schierenbeck T, Riemann D, Berger M, Hornyak M (2008) Effect of illicit recreational drugs upon sleep: cocaine, ecstasy and marijuana. Sleep Med Rev 12:381–389CrossRef
Watson R, Bakos L, Compton P, Gawin F (1992) Cocaine use and withdrawal: the effect on sleep and mood. Am J Drug Alcohol Abuse 18:21–28CrossRef
www.​drugcom.​de/​bot_​kokain.​html (drugcom.de ist ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; BZgA)