Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Wolfgang Galetke und Heinrich F. Becker

Mechanische Ventilation

Bei der mechanischen Ventilation wird maschinell entweder ein positiver Druck erzeugt und als Positivdruckbeatmung („positive pressure ventilation“, PPV) auf die Atemwege appliziert, oder es wird in Gestalt der Negativdruckbeatmung („negative pressure ventilation“, NPV) maschinell von außen am Körper ein Unterdruck erzeugt. Beide Formen der mechanischen Beeinflussung dienen dem Ziel, durch periodische Anwendung eine inspiratorische Ausdehnung der Lunge zu erreichen. Die Positivdruckbeatmung kann invasiv mittels Trachealtubus oder Tracheostoma oder nichtinvasiv mittels einer Maske angewendet werden.

Synonyme

Mechanische Beatmung

Englischer Begriff

mechanical ventilation

Definition

Bei der mechanischen Ventilation wird maschinell entweder ein positiver Druck erzeugt und als Positivdruckbeatmung („positive pressure ventilation“, PPV) auf die Atemwege appliziert, oder es wird in Gestalt der Negativdruckbeatmung („negative pressure ventilation“, NPV) maschinell von außen am Körper ein Unterdruck erzeugt. Beide Formen der mechanischen Beeinflussung dienen dem Ziel, durch periodische Anwendung eine inspiratorische Ausdehnung der Lunge zu erreichen. Die Positivdruckbeatmung kann invasiv mittels Trachealtubus oder Tracheostoma oder nichtinvasiv mittels einer Maske angewendet werden.

Grundlagen

Formen der mechanischen Ventilation

Negativdruckbeatmung (NPV)

Die Negativdruckbeatmung kann mithilfe eines den ganzen Körper unterhalb des Kopfes umschließenden Tanks durchgeführt werden, der sogenannten Eisernen Lunge („iron lung“). Bei dem Verfahren wirkt der Negativdruck kurzfristig und mit wählbarer Atemfrequenz auf den Körper ein, und die Lunge dehnt sich im Thorax zum Atmen aus. Dank ihrer elastischen Rückstellkräfte verkleinert sich mit Nachlassen des Unterdrucks die Lunge in der Exspirationsphase wieder. So lässt sich bei offenen oberen Atemwegen rhythmisch der Gasaustausch der äußeren Atmung bewerkstelligen. Bei einem hohen Anteil der Patienten mit vermehrter Kollapsibilität der oberen Atemwege (siehe dazu unter „Schnarchen“) muss aber zur wirksamen Anwendung der Negativdruckbeatmung zusätzlich ein Tracheostoma angelegt werden.
Anstelle eines den Körper umschließenden Tanks können auch Halbschalen nach Art des Panzers einer Rüstung (frz. „cuirasse“) so auf das Abdomen und die Vorderseite des Thorax aufgebracht werden, dass sie an den Rändern zum Körper hin luftdicht abschließen. Der Negativdruck bewirkt dann eine Nachvornebewegung der unteren Thoraxapertur und eine Abwärtsbewegung der Zwerchfellkuppe, was eine Ausdehnung der Lunge zur Folge hat, analog zu den Verhältnissen bei der Eisernen Lunge. Die Verfahren der Negativdruckbeatmung kommen heute kaum noch zur Anwendung, in erster Linie wegen der Unsicherheit, die Offenhaltung der oberen Atemwege ohne die zusätzliche Anlage eines Tracheostomas jederzeit gewährleisten zu können.

Positivdruckbeatmung (PPV)

Invasive Positivdruckbeatmung
Im Rahmen der invasiv applizierten Beatmung bei Narkoseverfahren oder auf Intensivstationen wird die Positivdruckbeatmung kontrolliert im geschlossenen System durchgeführt. Je nach Anforderung wird sie mithilfe der Informationen aus Druck-, Volumen- und Flusssensoren geregelt. Die volumenkontrollierte Applikation ist auf ein geschlossenes System ohne Leckagen angewiesen, was im Rahmen der invasiven Beatmung sicher und zuverlässig gewährleistet werden kann. Falls doch einmal Undichtigkeiten zwischen Maschine und Patient auftreten, wird Alarm gegeben („disconnect“).
Nichtinvasive Positivdruckbeatmung (NPPV, NIV)
Grundsätzlich können alle Positivdruck-Beatmungsverfahren auch nichtinvasiv über Masken durchgeführt werden. Hierzu stehen verschiedene Maskentypen zur Verfügung, die von der Nasenmaske über Nasen-Mund-Masken bis hin zu Vollgesichtsmasken oder Beatmungshelmen reichen. Zur Behandlung der Schlafbezogenen Atmungsstörungen, die ausschließlich im Nachtschlaf erfolgt, hat sich die nichtinvasive Applikation der Positivdruckbeatmung mittels Nasen- oder Nasen-Mund-Maske in Form von CPAP und Bi-Level-PAP durchgesetzt. Die Druckapplikation über die Nasenmaske ist nur bei Patienten möglich, die noch über die Sperrfunktion verfügen, die den Mund nach dem Einblasen der Luft in die Nase sich reflektorisch schließen lässt und die somit das als sehr unangenehm erlebte Entweichen des nasal aufgebauten Überdrucks über den Mund verhindert. Dabei wächst die Wahrscheinlichkeit für das reflektorische Schließen des Mundes beim Schlafenden mit der Höhe des applizierten Drucks. Bei gut sitzender Nasen-Mund-Maske nimmt mit wachsendem Beatmungsdruck aber auch die Wahrscheinlichkeit des Verschluckens von eingeblasener Luft zu, mit der unangenehmen Folge einer Überdehnung von Magen und Darm. Patienten mit gestörter Lungenfunktion, beispielsweise mit Lungenemphysem bei Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD; siehe „Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung“), sind mit dem Problem der verringerten elastischen Rückstellkräfte der Lunge behaftet, wodurch die Ausatmung gegen einen kontinuierlich applizierten Druck erschwert ist.
Bei Patienten mit Schlafbezogenen Atmungsstörungen haben sich die Formen der druckgesteuerten nichtinvasiven Beatmung via Nasen- oder Nasen-Mund-Maske durchgesetzt. Die Druckerzeugung erfolgt über gut transportable, im Betriebsmodus leise und dennoch leistungsstarke Gebläse. Bei im Schlaf auftretenden Leckagen an der Maske infolge von Veränderungen der Körperlage, insbesondere des Kopfes, können sie den dadurch verursachten Druckverlust binnen kürzester Zeit durch die Möglichkeit einer deutlich erhöhten Pumpleistung des Gebläses kompensieren. Im Rahmen der sogenannten Zwei-Niveau-Positivdruckbeatmung (Bi-Level-PAP) werden auch Verfahren der Triggerung des „Blowers“ durch die Atmungsanstrengungen des Patienten eingesetzt („spontaneous mode“, „S mode“) sowie Techniken der maschinell induzierten Taktgebung („timed mode“, „T mode“). Entsprechend den Verhältnissen bei einem kardialen Schrittmacher können sie auch beim Ausbleiben der körpereigenen Taktgebung eine Pause sicher erkennen und dann in einem vorprogrammierten Rhythmus die Beatmungsmaschine aktivieren („spontaneous and timed mode“, „ST mode“). Im ST-Modus kann der Patient also spontan atmen, solange eine Backup-Frequenz nicht unterschritten wird. Mithilfe von Sensoren für die Atmungsanstrengungen, für den Atemfluss und für die Drücke in den Atemwegen werden Algorithmen zur „intelligenten“ Drucksteuerung entwickelt, auch die Analyse der Dynamik der Atembewegungen und des Luftflusses wird dazu verwandt. Die technische Entwicklung hat insgesamt zu Verfahren der nichtinvasiven Beatmung geführt, mit deren Hilfe die Schlafbezogenen Atmungsstörungen in all ihren Formen effektiv therapiert werden können, wobei aber die Kooperationswilligkeit und die -fähigkeit der Patienten vorausgesetzt werden müssen.
In Abgrenzung zu den reinen Schlafbezogenen Atmungsstörungen steht die chronisch-ventilatorische Insuffizienz (CVI). Hierfür hat sich die Heimbeatmung, die in der Praxis zumeist im Anschluss an den Aufenthalt auf einer Intensivstation durchgeführt wurde, in der Vergangenheit traditionell überwiegend an den Verfahren der kontrollierten Beatmung orientiert, wie sie unter invasiven Bedingungen angewendet werden. Bei nichtinvasiver Applikation der Verfahren mit kontrollierter Beatmung über Nasen-Mund-Maske tritt gegenüber der invasiven Vorgehensweise das Problem der viel häufiger auftretenden Alarmauslösung infolge von Druckverlust durch Maskenleckagen auf. Dadurch kann der Schlaf der Patienten beziehungsweise ihrer Angehörigen unter Umständen nachhaltig gestört werden.
Manche Patienten mit chronisch-ventilatorischer Insuffizienz bleiben aufgrund der mechanischen Beeinträchtigung ihrer Atempumpe dennoch auf Verfahren der kontrollierten Beatmung angewiesen, die sie zumindest zeitweise komplett von der Atemarbeit entlasten („intermittent positive pressure ventilation“, IPPV). In der Mehrzahl der Fälle der Patienten, die wegen chronisch-ventilatorischer Insuffizienz im Rahmen der Heimbeatmung im Schlaf beatmet werden müssen, haben sich nichtinvasive Behandlungsverfahren mit modifizierter Applikation von positivem Druck in der Anwendung zu Hause als überlegen erwiesen.
Im Folgenden werden die verschiedenen Verfahren der Positivdruckbeatmung benannt, wie sie in erster Linie bei der Behandlung der Obstruktiven Schlafapnoe zur Anwendung kommen. Der Schwerpunkt liegt auf den nichtinvasiven Formen. Anschließend werden modifizierte Anwendungen der Verfahren dargestellt, die bei bestimmten Indikationen zum Einsatz kommen. Zuletzt wird auf die Anwendung der genannten Verfahren einschließlich der druck- und volumengesteuerten Anwendung der kontrollierten Beatmung hingewiesen.

Verfahren der Positivdruckbeatmung

Nichtinvasive Formen

CPAP
Hauptanwendungsgebiet für „continuous positive airway pressure“ (CPAP) ist die Obstruktive Schlafapnoe (OSA). Das pathophysiologische Grundprinzip bei OSA ist eine die Inspiration behindernde Obstruktion der extrathorakalen Atemwege. Erst mehr als 15 Jahre nachdem gezeigt wurde, dass die Anlage eines Tracheostomas die OSA sicher beseitigt, weil dadurch der Atem das Inspirationshindernis umgeht, konnte C. Sullivan 1981 zeigen, dass die kontinuierliche Applikation von positivem Druck auf die oberen Atemwege über eine Nasenmaske denselben therapeutischen Effekt hat. Näheres zum Verfahren im Essay „CPAP“; zur Übersicht siehe auch „Mechanische Ventilation bei Obstruktiver Schlafapnoe“.
Bi-Level-PAP
Die Zwei-Niveau-Positivdruckbeatmung (Bi-Level-PAP) kommt bei Patienten mit Obstruktiver Schlafapnoe zur Anwendung, die subjektiv Schwierigkeiten haben, gegen den applizierten kontinuierlichen positiven Druck auszuatmen. Sie wurde primär in der Absicht entwickelt, auch diejenigen Patienten mit OSA erfolgreich behandeln zu können, die gegen den in konstanter Höhe applizierten Druck eines CPAP-Gerätes nicht hinreichend ausatmen können, beispielsweise bei gleichzeitigem Vorliegen eines Lungenemphysems. Die Geräte bieten in ihrer Grundversion einen kontinuierlich via Maske applizierten niedrigen Mindestdruck an, der erst bei Einsetzen der Atmung auf das erforderliche Inspirationsniveau erhöht wird. Das Einsetzen einer spontanen Einatmungsanstrengung des Patienten triggert das Gerät (Bi-Level-PAP S). Näheres zum Verfahren im Essay „Bi-Level-PAP“.
Zusätzlich existieren auch 2 Verfahren, die den zur Behandlung der OSA applizierten positiven Druck mittels entsprechender Sensortechnologie an die spontanen Atmungsphasen anpassen:
Automatisches CPAP
Das automatische CPAP (APAP) ist mit Sensoren und einer schnellen Regelungstechnik ausgestattet, die dazu dienen, dass das Gerät die Atemzüge möglichst nur mit dem zur Überwindung der pharyngealen Obstruktion erforderlichen Mindestdruck unterstützt. Näheres zum Verfahren im Essay „Automatisches CPAP“.
Druckabsenkung in der Exspirationsphase bei CPAP-Verfahren
Dieses Behandlungssystem verfolgt das Ziel, im Exspirium eine Druckabsenkung anzubieten. Druckabsenkung in der Exspirationsphase kann bei vielen Patienten als Alternative zur Zwei-Niveau-Positivdruckbeatmung mittels Bi-Level-PAP eingesetzt werden. Näheres zum Verfahren im Essay „Druckabsenkung in der Exspirationsphase“.

Modifizierte Anwendung der Verfahren

Bi-Level-PAP ST
Bei den Zentralen Schlafapnoesyndromen (ZSA; siehe „Zentrale Schlafapnoesyndrome“) wird initial CPAP angewendet. Darunter bildet sich bei etwa einem Drittel der behandelten Fälle die Atmungsstörung komplett zurück. Wahrscheinlich ist in den Fällen eine sehr kurzdauernde Phase mit pharyngealer Obstruktion verantwortlich gewesen für die Auslösung der zentralen Apnoe, die aber mit den Methoden der konventionellen Kardiorespiratorischen Polysomnographie (KRPSG) nicht hinreichend sicher erkannt wurde. Bei den übrigen Patienten mit ZSA wird die fehlende Atmungsanstrengung durch die Sensortechnologie eines Bi-Level-PAP-Gerätes erkannt, und es kann im Anschluss an die durch Ausbleiben der Atmungsanstrengung bedingte Pause ein Takt für die Auslösung des inspiratorischen Druckniveaus initiiert werden, der vorher durch Programmierung festgelegt wurde. Diese Form der Bi-Level-PAP-Beatmung kann entweder spontan („spontaneous“, S) oder taktgebunden („timed“, T) ausgelöst werden und wird daher als Bi-Level-PAP ST bezeichnet (Näheres zum Verfahren im Essay „Bi-Level-PAP“). Bi-Level-PAP ST kann auch bei Patienten mit Obstruktiver Schlafapnoe eingesetzt werden, die im spontan getriggerten Modus (Bi-Level-PAP S) noch ausgedehnte Desaturationen aufweisen, welche die Folge von unter PAP-Therapie aufgetretenen zentralen Apnoen sind („Zentrale Schlafapnoe unter Therapie“).
Bi-Level-PAP T
Bei den Schlafbezogenen Hypoventilationssyndromen (siehe „Schlafbezogene Hypoventilationssyndrome“) kommt es überwiegend im REM-Schlaf zu langanhaltenden Sauerstoffdesaturationen. Sie können ebenfalls durch Zwei-Niveau-Positivdruckbeatmung im Spontanmodus (Bi-Level-PAP S) behandelt werden, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die spontanen Atmungsanstrengungen noch eine für die Triggerung des Bi-Level-PAP-Gerätes ausreichende Stärke aufweisen. Sollte das nicht mehr der Fall sein, so stehen in Gestalt des Bi-Level-PAP T apparative Lösungen zur Verfügung, die auf einen programmierten getakteten Modus („timed“, T) zurückgreifen.
Die modifizierten Verfahren der Positivdruckbeatmung können via Nasen-Mund-Maske sicher angewendet werden, was offene Systeme ohne eingebaute Alarme zulässt und invasive Behandlungsverfahren überflüssig macht. Somit sind die Bi-Level-PAP-Systeme auch für die Behandlung von Patienten mit Hypoventilationssyndromen geeignet. Siehe dazu auch die Essays „Nichtinvasive Beatmung bei zentralen Schlafbezogenen Atmungsstörungen und bei der chronischen respiratorischen Insuffizienz“ und „Bi-Level-PAP-Therapie bei zentralen Schlafbezogenen Atmungsstörungen und bei der chronischen respiratorischen Insuffizienz“.

Nichtinvasive Beatmung bei chronisch-ventilatorischer Insuffizienz

Patienten mit chronisch-ventilatorischer Insuffizienz (CVI) sind bezüglich der Leistungsfähigkeit ihrer Atempumpe häufig derart eingeschränkt, dass sie im Schlafen wie im Wachen beatmet werden müssen. Sie empfinden es bewusst als angenehm, nicht druckunterstützt beatmet zu werden, sondern im kontrollierten Modus mit fester Frequenzvorgabe und mit kontrolliertem Verhältnis von Inspiration zu Exspiration beziehungsweise mit Kontrolle der applizierten Atemvolumina. Die kontrollierte Beatmung ist nur im geschlossenen Mensch-Maschine-System möglich, und sie verlangt daher zwingend ein funktionierendes Alarmsystem für den Fall von Undichtigkeiten bei der positiven Druckbeatmung, wie sie bei der nichtinvasiven Beatmung leicht mittels Nasenmaske oder Nasen-Mund-Maske auftreten können.
Bei der nichtinvasiven Ventilation (NIV) ist oftmals eine andere Nomenklatur als in der Schlafmedizin für teilweise identische oder sehr ähnliche Verfahren üblich. Im Folgenden werden die Verfahren erläutert und die Nomenklaturen gegenübergestellt, sofern sie in beiden Feldern vorhanden sind:
Im Unterschied zu einer invasiven Beatmung erfolgt bei einer NIV der Beatmungszugang über eine Maske, die in der Regel als Mund-Nasen-Maske, seltener als reine Nasen- oder Mundmaske, angewendet wird. Es stehen je nach Beatmungsgerät Ein- oder Zweischlauchsysteme zur Verfügung, wobei die Beatmung als Leckagebeatmung, das heißt mit einem ungesteuerten Ausatmungsventil in der Maske oder im Beatmungsschlauch, oder mit einem gesteuerten Ausatmungsventil im Schlauch durchgeführt werden kann. Ein weiterer Unterschied gegenüber der invasiven Beatmung besteht darin, dass bei der NIV der Widerstand der oberen Atemwege überwunden werden muss. Grundsätzlich kann – wie bei der invasiven Beatmung – zwischen einer volumenkontrollierten beziehungsweise volumengesteuerten und einer druckkontrollierten beziehungsweise druckgesteuerten Beatmung unterschieden werden. Bei der volumengesteuerten Beatmung wird ein definiertes Volumen über eine vorgegebene Zeit appliziert, das heißt, die Beatmungsmaschine erzeugt bei jedem Atemhub den erforderlichen Druck, um dem Patienten das voreingestellte Volumen in der Zeit zur Verfügung zu stellen. Der erforderliche Druck kann dabei also je nach Atemmechanik von Atemzug zu Atemzug variieren. Dagegen wird bei der druckkontrollierten Beatmung bei jedem maschinellen Atemhub vom Gerät ein definierter Druck über die eingestellte Zeit appliziert, wodurch ein entsprechendes Tidalvolumen für den Patienten erzeugt wird. In Deutschland kommt die druckkontrollierte Beatmung wesentlich häufiger zur Anwendung als der volumenkontrollierte Modus. Ein gravierender Nachteil bei der druckkontrollierten Form liegt in der mangelhaften Kompensation beim Auftreten einer relevanten Leckage und in der Tatsache, dass je nach den aktuell vorherrschenden atemmechanischen Bedingungen des Patienten mit jedem Atemhub unterschiedliche, unter Umständen zu niedrige Tidalvolumina appliziert werden. Diesen Nachteil sollen die Hybridventilatoren ausgleichen, die eine Kombination aus beiden Verfahren darstellen und im druckkontrollierten Modus ein vorher vom Behandler einzustellendes Atemzugvolumen pro Atemhub sicherstellen. Dem Gerät wird dabei erlaubt, den eingestellten Druck im Bedarfsfall bis zu einer bestimmten Grenze zu erhöhen, um das gewünschte Volumen zu applizieren.
Unabhängig von der Druck- oder Volumenkontrolle kann das Ausmaß der eigenen Atmungsaktivität des Patienten vorgegeben werden. Hier stehen dem behandelnden Arzt von der reinen Spontanatmung bis zur vollständig kontrollierten Beatmung verschiedene Optionen zur Verfügung. Im Folgenden werden die Beatmungsmodi ausführlicher erläutert.
„Pressure support ventilation“ (PSV) beziehungsweise spontaner (Bi-Level-PAP S) Modus
Die Beatmungsmodi „pressure support ventilation“ und Bi-Level-PAP S meinen inhaltlich eigentlich dasselbe Beatmungsverfahren. Der Patient kann den Zeitpunkt der In- und Exspiration und somit auch die Inspirationslänge selbst bestimmen. Die maschinelle Druckunterstützung mit dem eingestellten Inspirationsdruck wird also ausgelöst, wenn der Patient den Inspirationstrigger durch eine Inspirationsbemühung auslöst und dauert solange an, bis die Kriterien des Exspirationstriggers (bei Flowtriggern ein Unterschreiten der voreingestellten Flowschwelle) erfüllt sind und somit die Ausatmung eingeleitet wird. Dieses Verfahren ist für den Patienten sehr komfortabel, da er weitgehend autonom seine Atemfrequenz und die Inspirations- sowie Exspirationslänge bestimmen kann. Allerdings beansprucht dieser Modus auch mehr Atemarbeit als die mehr kontrollierten Verfahren.
Bi-Level-PAP-ST-Modus
Im Gegensatz zum spontanen Modus beziehungsweise PSV-Modus kann bei diesem Beatmungsverfahren eine Sicherheitsfrequenz (Backup-Frequenz) eingestellt werden. Unterschreitet die spontane Atemfrequenz des Patienten die Backup-Frequenz, löst die Maschine einen Beatmungshub aus, dessen Dauer dann in der Regel wieder vom Patienten selbst bestimmt werden kann.
Assistierter (A) Modus
Bei diesem Verfahren kann der Patient nur den Inspirationszeitpunkt bestimmen. Wird der Inspirationstrigger vom Patienten ausgelöst, bestimmt der Ventilator die Inspirationsdauer und somit den Zeitpunkt der Exspiration. Die gewünschte Inspirationslänge ist also neben den Beatmungsdrücken vom Behandler individuell festzulegen. Dieser Modus bedeutet für den Patienten eine geringere Atemarbeit als der PSV-Modus, wird häufig aber als weniger komfortabel empfunden, da die Länge der Einatmung nicht selbst bestimmt werden kann.
Assistierter/kontrollierter (A/C) Modus
Dieser Modus entspricht dem assistierten Modus, erlaubt aber – wie beim ST-Modus – das Einstellen einer Sicherheitsfrequenz. Unterschreitet der Patient mit seiner spontanen Atemfrequenz diese Frequenz, wird von der Beatmungsmaschine ein maschineller Hub mit der voreingestellten Inspirationslänge ausgelöst.
Kontrollierter (C) beziehungsweise „timed“ (T) Modus
Bei dieser Beatmungseinstellung wird der Patient kontrolliert beatmet, kann also weder den Zeitpunkt der Inspiration noch die Inspirationslänge beeinflussen. In- und Exspirationstrigger sind somit nicht vorhanden beziehungsweise ausgeschaltet. Lässt sich der Patient auf dieses Verfahren ein, wird die Atemarbeit auf ein Minimum reduziert und die so die erwünschte maximale Entlastung der Atmungsmuskulatur erzielt. Häufig tolerieren Patienten diesen kontrollierten Modus allerdings nicht und versuchen trotzdem „dazwischen zu atmen“, was die Atemarbeit erhöht und zu einer Patienten-Ventilator-Asynchronität führen kann.
In Abhängigkeit vom gewählten Beatmungsverfahren sind also neben dem Inspirationsdruck und dem Exspirationsdruck (bei der druckkontrollierten Beatmung) beziehungsweise dem Tidalvolumen (bei der volumenkontrollierten Beatmung) an der Beatmungsmaschine weitere Parameter einzustellen. Lässt der Beatmungsmodus eine selbstständige Ein- oder Ausatmung des Patienten zu, ist die Empfindlichkeit des Inspirations- beziehungsweise Exspirationstriggers festzulegen. Im assistierten Modus muss die Inspirationslänge gewählt und beim assistierten/kontrollierten Verfahren beziehungsweise ST-Modus zudem die Sicherheitsfrequenz bestimmt werden. Bei den meisten Beatmungsgeräten kann außerdem die Anstiegssteilheit der maschinellen Druckunterstützung verändert werden, das heißt die Geschwindigkeit, mit der der maschinelle Atemhub dem Patienten appliziert wird. Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen bevorzugen meist einen steilen Anstieg (rasche Abgabe des Hubvolumens), während Patienten mit einer restriktiven Lungenerkrankung häufig wegen der niedrigen Compliance der Lunge einen langsameren Einstrom des Atemgases (also einen flacheren Kurvenverlauf) favorisieren.
Dem behandelnden Arzt stehen also neben einer Vielzahl von unterschiedlichen Beatmungsmodi weitere Modifikationen der Parameter zur Verfügung, deren Einstellung individuell auf der Basis der zugrunde liegenden Erkrankung variiert werden können.
Literatur
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