Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Helga Peter

Pickwick-Syndrom

Definition von Pickwick-Syndrom.

Definition

Charles Dickens hatte 1836 in seinem Roman The Posthumous Papers of the Pickwick Club einen extrem übergewichtigen und tagesschläfrigen jungen Mann beschrieben. Die Romanfigur bildete in den folgenden Jahrzehnten für die Autoren medizinischer Werke die Grundlage für die Bezeichnung „Pickwick-Syndrom“ zur Charakterisierung einer Gesundheitsstörung bei jungen Patienten mit extremer Adipositas und Tagesschläfrigkeit. Als Ursache wurden durch die Adipositas bedingte Stoffwechselveränderungen vermutet, die pathophysiologischen und psychophysiologischen Zusammenhänge der zugrunde liegenden Schlafbezogenen Atmungsstörungen blieben zunächst unbekannt.
Grundlagen
In den 1950er-Jahren wies Burwell in einer Publikation auf die im Schlaf behinderte Atmung und auf das häufige Vorhandensein eines Cor pulmonale bei der Patientengruppe hin. 1965 haben Jung, Kuhlo und Doll in Freiburg den Nachweis erbracht, dass bei den stark übergewichtigen Patienten mit Obstruktiver Schlafapnoe nach Anlegen eines Tracheostomas die Atmungsstörungen beseitigt werden und dass sich unter der Behandlung auch die anderen Befunde wie Tagesschläfrigkeit, Hyperkapnie und Hypoxämie sowie Rechtsherzinsuffizienz bessern, ohne dass eine Gewichtsreduktion stattgefunden hat. Die Anlage eines Tracheostomas setzte sich danach in vielen Ländern der Welt als Therapie der Wahl bei übergewichtigen Patienten mit Obstruktiver Schlafapnoe und Hyperkapnie durch. In Deutschland blieb es bis zum Durchbruch der über Nasen- oder Gesichtsmaske nichtinvasiv während des Schlafs applizierbaren „Mechanische Ventilation“ Lehrmeinung, dass die sog. Pickwickier am besten mittels Gewichtsabnahme zu behandeln seien, ein zumeist frustranes Konzept, das alljährlich zahlreichen Menschen das Leben kostete, weil sie das Gewichtsabnahmeziel nicht erreichen konnten. Die bei den übergewichtigen Patienten zugrunde liegende Pathophysiologie nimmt ihren Ursprung entweder in der schlafinduzierten pharyngealen Obstruktion oder in der alveolären Hypoventilation oder einer Kombination der beiden. In diesem Kontext hat sich auch der Begriff Obesitas-Hypoventilationssyndrom etabliert. Siehe auch „Schlafbezogene Atmungsstörungen“
  • „Schlafbezogene Hypoventilationssyndrome“
  • „Schlafbezogene Hypoxämie“
  • „Obstruktive Schlafapnoe“