Kompendium Internistische Onkologie
Autoren
Matthias W. Beckmann, Hannah Lubrich und Thomas Hildebrandt

Endoskopische Diagnostik bei gynäkologischen Tumoren

Die Grundlage der Behandlung von gynäkologischen Tumoren ist eine ausführliche Diagnostik. Ein wichtiger Bestandteil ist die Inspektion der Bauchhöhle, wofür offene oder minimalinvasive Methoden zur Verfügung stehen. Zur Diagnostik des Ovarialkarzinoms scheinen endoskopische Verfahren in ihrer Bedeutung untergeordnet, da es nur im Rahmen einer Laparotomie gelingen kann, alle Bereiche der Bauchhöhle genau zu inspizieren, zu palpieren und in gleicher Sitzung eine vollständige Resektion aller darstellbaren Tumorherde im Sinne einer R0-Situation zu erreichen. Daher spielt die Laparoskopie bei Ovarialkarzinomen nur in Einzelfällen – wie unklaren Situationen bezüglich der Dignität oder aber bei zu erwartender fortgeschrittener Erkrankung – eine Rolle. Beim Zervixkarzinom dagegen kann die Laparoskopie einen wichtigen Beitrag zur Festlegung des Tumorstadiums leisten sowie Grundlage der weiteren Therapieplanung sein. Während der Staging-Laparoskopie kann über eine Erweiterung der Operation mit radikaler Hysterektomie bei unauffälligem Lymphknotenstatus oder aber einen Operationsabbruch und daraus folgend die Einleitung einer Radiochemotherapie entschieden werden. So ist die diagnostische Laparoskopie beim Zervixkarzinom eine echte Alternative zum offenen Verfahren, da im gleichen Eingriff eine therapeutische Operation möglich ist. Beim Endometriumkarzinom stellen endoskopische Verfahren die Grundlage der Diagnostik dar. Im Rahmen einer diagnostischen Hysteroskopie wird das Tumorausmaß beschrieben, mittels fraktionierter Kürettage findet in gleicher Sitzung eine histologische Sicherung statt. Da die Mehrzahl der Endometriumkarzinome in frühen Stadien entdeckt wird, ist die Durchführung einer Laparoskopie als Methode zum weiteren Staging etabliert. Zudem sind mittlerweile, wie auch beim Zervixkarzinom, Sentinelverfahren zur Detektion von Lymphknoten fester Bestandteil der Diagnostik, die sowohl über das Ausmaß eines Lymphknotenbefalls Aufschluss geben, als auch für die weitere Therapieplanung wegweisend sind. Somit haben endoskopische Verfahren heutzutage einen wichtigen Stellenwert in der Diagnostik gynäkologischer Malignome und sind fester Bestandteil leitliniengerechter onkologischer Therapiekonzepte.

Einleitung

Für eine stadiengerechte Behandlung gynäkologischer Tumore ist eine präzise Diagnostik unerlässlich. Hierzu gehören laborchemische, bildgebende und klinische Untersuchungen sowie weiterhin die operative Exploration des Abdomens. Es gilt Uterus, Adnexe und das Peritoneum der Bauchhöhle zu inspizieren und auf Auffälligkeiten zu untersuchen (Karl et al. 1992). Hierfür stehen die Laparoskopie sowie die Laparotomie zur Verfügung (Aoki 2014). Insgesamt steigt der Einsatz von Laparoskopien im Rahmen des operativen Stagings in den letzten Jahren an (Mabrouk et al. 2009). Vorteile der Laparoskopie im Vergleich zur Laparotomie sind eine geringere Morbidität und Komplikationsrate sowie eine geringere Invasivität, weniger postoperative Begleitsymptome wie Schmerzen und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt (Aoki 2014; Falcetta et al. 2016). Abhängig von der zugrunde liegenden malignen Erkrankung hat die diagnostische Laparoskopie einen unterschiedlichen Stellenwert (Karl et al. 1992). Zervixkarzinom, Ovarialkarzinom und Endometriumkarzinom gelten als die drei großen gynäkologischen Tumore, bei denen die diagnostische Laparoskopie einen hohen Stellenwert einnimmt.
Aber auch die Hysteroskopie hat in der Diagnostik des Endometriumkarzinoms, mit Einschränkungen auch des Zervixkarzinoms, eine große Bedeutung. Im Folgenden werden diese Verfahren in Bezug auf die einzelnen Tumorentitäten genauer dargestellt.

Ovarialtumoren

Das Ovarialkarzinom verursacht nur wenig Frühsymptome (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)). Effektive Früherkennungsmaßnahmen gibt es bei dieser Tumorentität nicht. Abklärungen bezüglich eines Ovarialkarzinoms sollten vor allem bei Frauen über 50 Jahren mit rezidivierend abdominellen Beschwerden oder Schmerzen, Blähungen, Völlegefühl sowie steigender Miktionsfrequenz erfolgen (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)). Aszites mit zunehmendem Bauchumfang sowie Pleuraergüsse sind häufig erst Spätsymptome (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)).
Die Diagnostik des Ovarialkarzinoms umfasst eine ausführliche gynäkologische Untersuchung, eine transvaginale Sonographie sowie gegebenenfalls den Einsatz einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)). Unerlässlich ist auch der diagnostisch operative Eingriff mit dem Ziel, die Diagnose histologisch zu sichern, intraoperativ ein ausführliches Staging durchzuführen und die Operabilität zu beurteilen (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)). Das operative Staging beim Ovarialkarzinom sollte die Inspektion und Palpation der gesamten Abdominalhöhle inklusive Zwerchfellkuppeln, eine Peritonealzytologie, Biopsien unauffälliger Regionen, die Adnexektomie beidseits, die Hysterektomie, eine mindestens infrakolische Omentektomie sowie die pelvine und paraaortale Lymphonodektomie und gegebenenfalls die Appendektomie beinhalten (Lee et al. 2008; Park et al. 2008; Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)). Die exakte Diagnostik ist die Grundlage der weiterführenden Therapieplanung. Vorrangiges Ziel ist die Erfassung des Tumorausmaßes. Anschließend erfolgt bei Inoperabilität eine neoadjuvante Chemotherapie mit sekundärer sanierender Operation. Hier ist ebenso wie im Rahmen eines primär operativen Therapiekonzepts die komplette Tumorresektion ohne makroskopischen Tumorrest anzustreben (Angioli et al. 2006; Falcetta et al. 2016; Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)).
Besteht der primäre Verdacht auf eine bösartige Erkrankung des Ovars, ist der Einsatz der diagnostischen Laparoskopie dann angezeigt, wenn auf eine Längsschnittlaparotomie umgestiegen werden kann (Schmidt-Matthiesen et al. 2002; Heitz et al. 2013). Nur im Rahmen einer Längsschnittlaparotomie ist es möglich alle Bereiche der Abdominalhöhle genau zu inspizieren, diese zu palpieren und anschließend das vorhandene Tumorgewebe komplett zu resezieren (Park et al. 2008). Bei Durchführung einer Laparoskopie ist in frühen Tumorstadien keine makroskopische Differenzierung zwischen maligne und benigne möglich. Bei ausgedehntem Tumorbefall und Inoperabilität kann laparoskopisch eine histologische Sicherung und Befundbeschreibung erfolgen. Frühformen des Ovarialkarzinoms fallen häufig lediglich durch einen isolierten Adnexprozess auf, der zur Indikationsstellung einer ein- oder beidseitigen Adnexektomie führt (Abb. 1).
Die Bergung eines suspekten Ovarbefunds sollte im Bergebeutel erfolgen, um die Eröffnung eines möglichen Ovarialkarzinoms in der Bauchhöhle zu verhindern (Keckstein und Hucke 2000; Kaufmann et al. 2013). Zudem sollte bei sonographischem und/oder intraoperativem Malignitätsverdacht auf ein organerhaltendes Vorgehen mittels Zystenausschälung verzichtet werden. Ergibt sich in der Schnellschnittuntersuchung die Diagnose eines malignen Befunds, sollte eine Längsschnittlaparotomie durchgeführt werden, um die Operation wie oben beschrieben zu komplettieren. Häufig erfolgt die endgültige Diagnosestellung erst nach vollständiger histologischer Aufarbeitung, sodass ein zweizeitiges Vorgehen unerlässlich ist. Hierbei sollten die Einstichstellen der Trokare exzidiert werden, um Einstichmetastasen zu verhindern (Aoki 2014; Koo et al. 2014). Handelt es sich jedoch um ein Malignom, das auf das Ovar begrenzt ist und somit einem FIGO-Stadium I entspricht, kann das Staging per Laparoskopie vervollständigt werden (Keckstein und Hucke 2000; Park et al. 2008; Kaufmann et al. 2013).
Insgesamt ist ein Anstieg der Staging-Laparoskopien in frühen Stadien von epithelialen Ovarialkarzinomen zu verzeichnen, wobei die onkologische Sicherheit nicht sicher gewährleistet ist (Medeiros et al. 2008; Tinelli et al. 2009; Park et al. 2013; Shim et al. 2013). Dies gilt auch für die Sonderformen des Borderline-Tumors des Ovars, der eine Übergangsform hin zur Entwicklung eines invasiven Malignoms darstellt. Einige Studien ergeben eine vergleichbare onkologische und chirurgische Sicherheit der Laparoskopie im Vergleich zur Längsschnittlaparotomie in frühen Stadien (Park et al. 2008; Koo et al. 2014). Die Längsschnittlaparotomie ist weiterhin als Standardverfahren zum Staging maligner Ovarialtumoren etabliert (Medeiros et al. 2008; Park et al. 2008; Falcetta et al. 2016; Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)).
Bei fortgeschrittenen Stadien eines Ovarialkarzinoms kann die Laparoskopie eine Aussage bezüglich der Resektabilität per Längsschnittlaparotomie treffen (Angioli et al. 2006; Rutten et al. 2014). Durch die diagnostische Laparoskopie besteht eine deutlich weniger invasive Möglichkeit zur Beurteilung der Operabilität als durch die Längsschnittlaparotomie (Angioli et al. 2006; Rutten et al. 2014). Die Laparoskopie ermöglicht eine sichere Aussage bezüglich einer primär nicht operablen Tumorsituation, sodass auf den Eingriff einer Längsschnittlaparotomie zugunsten einer neoadjuvanten Chemotherapie verzichtet wird, wenn absehbar ist, dass lediglich eine R2-Situation mit residuellem Tumorrest größer 2 cm erreicht werden kann (Angioli et al. 2006; Rutten et al. 2014). Jedoch zeigt sich auch, dass sich eine in der Laparoskopie erfolgte Einstufung als primär operable Situation im Operationsverlauf als fälschlich erweisen kann und eine disseminierte Tumoraussaat insbesondere im Bereich des Mesenteriums des Dünn- und Dickdarms einer vollständigen Resektion nicht zugänglich ist (Rutten et al. 2014).
In der Leitlinie wird der Einsatz der Längsschnittlaparotomie unabhängig vom jeweiligen Stadium als optimales Vorgehen zum Staging des Ovarialkarzinoms beschrieben. Die therapeutische Laparoskopie sollte vorläufig nur in Studien angewendet werden (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2016)).
Die diagnostische Laparoskopie beim Ovarialkarzinom ist insgesamt vorrangig bei unklaren Situationen bezüglich der Dignität, zur Beurteilung des Ausmaßes der Tumorausbreitung und zur Sicherung einer histologischen Diagnose einzusetzen. Die Laparoskopie scheint in sehr frühen Stadien geeignet, um ein operatives Staging durchzuführen. In fortgeschrittenen Stadien ermöglicht die Laparoskopie die Selektion von Patientinnen, die primär per Längsschnittlaparotomie operiert werden können, von denen, die primär nicht operabel sind und somit vor Durchführung der Längsschnittlaparotomie einer neoadjuvanten Chemotherapie zugeführt werden sollten.

Zervixkarzinom

Die klinischen Frühsymptome des Zervixkarzinoms sind unspezifisch, gegebenenfalls lassen sich Blutungsanomalien, Kontaktblutungen und ein bräunlich-blutiger Fluor nachweisen. Zur Diagnostik gehören eine bimanuelle Untersuchung, die Durchführung einer Kolposkopie, eine Zytologie sowie gegebenenfalls eine Biopsieentnahme oder die Durchführung einer Konisation (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2014)) zur Gewinnung einer Histologie. Zudem sollte ein HPV-Test erfolgen. Zur Vervollständigung gehört die bildgebende Diagnostik mittels gynäkologischem Ultraschall sowie gegebenenfalls eine MRT des Beckens zur Beurteilung der lokoregionären sowie ein CT des Thorax und Abdomens zur Erfassung der extrapelvinen Tumorausbreitung (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2014)).
Anders als beim Ovarialkarzinom ist die Diagnose des Zervixkarzinoms vor Einsatz einer Laparoskopie bereits histologisch gesichert, Risikofaktoren und histologischer Typ liegen vor. Die Laparoskopie dient als Mittel des operativen Stagings zur Festlegung des Tumorstadiums und zur weiteren Therapieplanung (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2014)). Bildgebende Verfahren zeigen keine ausreichende diagnostische Sicherheit zur Beurteilung des Tumorausmaßes in Lymphknoten, sodass es nötig ist, mittels Laparoskopie einen pathologischen Lymphknotenbefall zu detektieren und dementsprechend die Therapieplanung zu gestalten (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2014)).
Primär erfolgt eine klinische Untersuchung zur Festlegung eines FIGO-Stadiums. In Zusammenschau des FIGO-Stadiums, der histologischen Risikofaktoren sowie des Ergebnisses des operativen Stagings mittels Laparoskopie wird die weitere Therapie festgelegt, sodass jedem dieser Pfeiler eine große Bedeutung zukommt. In der diagnostischen Laparoskopie werden die Tumoraussaat, die parametrane und vesikouterine Ausbreitung sowie der Lymphknotenstatus beurteilt (Köhler et al. 2012). Auch wenn die Sentinellymphknotenbiopsie entsprechend aktueller Leitlinien noch nicht als alleiniges Standardverfahren empfohlen wird, ist diese bei Primärtumoren kleiner 2 cm ohne Risikofaktoren als etabliert anzusehen (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2014)). Zur Markierung werden Patentblau und radioaktiver Tracer, in neueren Publikationen auch Indocyaningrün (ICG) verwendet (Beavis et al. 2016). Die hier erhobenen Ergebnisse haben Einfluss auf die klinische Einschätzung, auf eine eventuelle Modifizierung der primären Therapieentscheidung sowie auf die Festlegung eines gegebenenfalls notwendigen Bestrahlungsfeldes. Die diagnostische Laparoskopie bringt Ergebnisse, die Konsequenzen bezüglich der Therapie mittels radikaler Hysterektomie bei lokal operablen Tumoren oder benötigter Radiochemotherapie mit sich bringen (Köhler et al. 2012).
Liegt klinisch ein Tumorstadium ≤FIGO IIB ohne Nachweis mehrerer Risikofaktoren (L1, V1, tiefe Stromainvasion, Tumorgröße >4 cm) und intraoperativ kein Lymphknotenbefall vor, kann eine Operation mit kurativem Ansatz erfolgen. Zeigt sich jedoch intraoperativ ein Befall des Sentinellymphknotens oder der pelvinen Lymphknoten, erfolgt zum kompletten Staging die Entfernung der paraaortalen Lymphknoten (Schneider et al. 2001; Beckmann et al. 2003), um das Bestrahlungsfeld festlegen zu können und im Anschluss eine Radiochemotherapie durchzuführen. In klinisch höheren Stadien (Stadium III) erfolgt ebenfalls ein operatives Staging sowie die Entfernung makroskopisch befallener pelviner und paraaortaler Lymphknoten (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2014)). Im Stadium IVA, also bei lokal fortgeschrittenem Tumorbefund mit Befall von Blase oder Rektum und/oder Überschreitung des kleinen Beckens, kann eine diagnostische Laparoskopie zur Beurteilung der intraabdominalen Tumoraussaat, dem Nachweis oder Ausschluss von Lymphknotenmetastasen sowie zur Beurteilung der Ausbreitung des Tumors zu den Nachbarorganen herangezogen werden. Ist für die Patientin die Radiochemotherapie erste Präferenz, kann nach dem Einsatz einer Laparoskopie im Gegensatz zum offenen Verfahren direkt mit dieser begonnen werden (Kohler et al. 2002). In ausgewählten Fällen von Patientinnen im Stadium IVA kann die Laparoskopie zur Beurteilung einer Operabilität im Sinne einer Exenteration herangezogen und somit gegebenenfalls bei Inoperabilität der unnötige Einsatz einer Längsschnittlaparotomie vermieden werden (Kohler et al. 2002). Hier kommen zudem eine Zystoskopie und Rektoskopie zum Ausschluss einer Blasen- und Rektuminfiltration zum Einsatz, um die Operabilität weiter zu verifizieren.
Beim Zervixkarzinom ist die diagnostische Laparoskopie eine echte diagnostische sowie eine operativ-therapeutische Alternative zum offenen chirurgischen Vorgehen. Es kann bei reduzierter postoperativer Morbidität eine Beurteilbarkeit des betroffenen Bereichs mit vergleichbarer onkologischer Sicherheit erreicht werden. Bei fortgeschrittenen Stadien gelingt durch den Einsatz der Laparoskopie die Beurteilung der Tumorausbreitung und der Lymphknoten und somit die Festlegung des Strahlenfelds für eine sich im onkologischen Gesamtkonzept anschließende Radiochemotherapie.
Hingegen besitzt die Hysteroskopie ausschließlich im Rahmen einer erweiterten Diagnostik bei unklaren PAP-Befunden einen Stellenwert. Sie wird bei Veränderungen des Endometriums im Sinne eines PAP II/III-e sowie eines PAP III-x eingesetzt und mit einer Kürettage kombiniert, um eine histologische Unterscheidung zwischen zervikalem und endometrialem Ursprung eines Malignoms treffen zu können.

Endometriumkarzinom

Die Mehrzahl der Endometriumkarzinome werden in frühen Stadien der Erkrankung diagnostiziert (Burke et al. 2014; Janda et al. 2017). Man unterscheidet das östrogenabhängige Typ-I-Endometriumkarzinom vom östrogenunabhängigen Typ-II-Endometriumkarzinom, wobei das Typ-I-Karzinom 75–80 % der Endometriumkarzinome ausmacht (Schneider und Bamberg 2009; Denschlag et al. 2011; Emons 2015).
Das klassische Frühsymptom eines Endometriumkarzinoms ist die Postmenopausenblutung, die zu einer weiterführenden klinisch-sonographischen und schließlich auch endoskopischen Diagnostik führt (Huang et al. o. J.; Denschlag et al. 2011; Burke et al. 2014). Die Spätsymptome eines Endometriumkarzinoms ähneln denen eines Ovarialkarzinoms mit abdominellen Beschwerden, Völlegefühl sowie Funktionsstörungen von Blase und Darm (Burke et al. 2014).
Zur weiteren Diagnostik erfolgen eine gynäkologische Untersuchung und eine transvaginale Sonographie zur Beurteilung der Endometriumhöhe und Binnenstruktur sowie dem Nachweis einer Myometriuminfiltration. Im Anschluss erfolgt eine Hysteroskopie und fraktionierte Kürettage (Abb. 2), die neben der histologischen Sicherung auch dem Nachweis einer möglichen Zervixinfiltration dienen soll (Denschlag et al. 2011; Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2017)).
Das operative Staging ist beim Endometriumkarzinom zwingend durchzuführen, um das Tumorstadium genau zu evaluieren (Denschlag et al. 2011). Bildgebende Verfahren können diesen Eingriff nicht ersetzen (Emons 2015).
Das operative Staging umfasst die genaue Exploration der Bauchhöhle. Neuere Studien weisen zudem auf eine mögliche Bedeutung der Sentinellymphknotenbiopsie hin, wobei entsprechend aktueller Leitlinien eine Sensitivität von 79 % bei einer Spezifität von 96 % erreicht wird (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2017)). Auch hier kommt neben Patentblau mit radioaktiver Tracermarkierung zunehmend Indocyaningrün zur Markierung zum Einsatz (Papadia et al. 2017). Als Standardmethode gilt das laparoskopische Vorgehen, das sich durch eine geringere Morbidität bei gleichwertiger onkologischer Sicherheit verglichen mit offenen Verfahren auszeichnet (Lee et al. 2008). Es zeigen sich keine signifikanten Unterschiede in der krankheitsfreien beziehungsweise tumorbezogenen Überlebensrate, der Anzahl entnommener Lymphknoten sowie der Komplikationsrate. Ein signifikant geringerer Blutverlust sowie ein kürzerer Krankenhausaufenthalt sind zusätzliche Vorteile eines laparoskopischen Vorgehens (Palomba et al. 2009; Burke et al. 2014; Janda et al. 2017). Zudem kann in gleicher Sitzung die stadiengerechte operative Therapie vorgenommen werden. Sieht man von der längeren Operationszeit und der Abhängigkeit von der laparoskopischen Erfahrung des Operateurs ab, ist das laparoskopische dem offenen Verfahren gleichzusetzen (Palomba et al. 2009). Somit stellt sich der laparoskopische Zugang in frühen Tumorstadien als sichere und effektive Möglichkeit zur Diagnostik und nachfolgenden Therapiefestlegung dar (Palomba et al. 2009; Janda et al. 2017). Von diesem Vorgehen sollte nur in Ausnahmefällen abgewichen werden, insbesondere wenn Begleiterkrankungen einem laparoskopischen Vorgehen aus anästhesiologischen Gesichtspunkten entgegenstehen (Denschlag et al. 2011).
Beim (hormonabhängigen) Typ-I-Endometriumkarzinom erfolgt die diagnostische Laparoskopie zur Inspektion der Bauchhöhle (Liu et al. 2017) und anschließend direkter Weiterführung der Operation mit kurativem Ansatz (Hysterektomie mit Adnexektomie beidseits sowie pelvine und paraaortale Lymphonodektomie). In günstigen Konstellationen abhängig vom histologischen Typ, dem Grading und der beschriebenen Myometriuminfiltration kann gegebenenfalls auf eine Lymphonodektomie verzichtet werden, weil sich hierdurch kein Überlebensvorteil nachweisen lässt (Benedetti Panici et al. 2008).
Beim (hormonunabhängigen) Typ-II-Endometriumkarzinom wird nach histologischer Sicherung primär eine Längsschnittlaparotomie zur Exploration des Abdomens sowie anschließenden Operation gemäß eines Ovarialkarzinoms empfohlen (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2017)). Das mittels der fraktionierten Kürettage gewonnene Gewebe gibt Auskunft über den histologischen Subtyp. Eine Beteiligung von benachbarten Strukturen, der Befall der pelvinen und paraaortalen Lymphknoten, die genaue Beschreibung der Tiefe der Myometriuminfiltration sowie Tumorzellen in der Spülzytologie können erst nach erfolgtem abdominal-chirurgischen Staging beurteilt werden (Keckstein und Hucke 2000). Anhand des hier festgelegten Tumorstadiums wird die weitere adjuvante Therapie geplant (Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft 2017)).
Insgesamt ist der Stellenwert endoskopischer Verfahren beim Endometriumkarzinom als hoch einzustufen. Die Hysteroskopie mit anschließender fraktionierter Kürettage stellt das Standardverfahren zur diagnostischen Sicherung dar und dient gleichzeitig der Beschreibung einer Tumorausbreitung in den Bereich der Cervix uteri.
Die Mehrzahl der Karzinome wird in frühen Stadien entdeckt, in denen sich die Durchführung einer Laparoskopie als Standardmethode zum weiteren Staging sowie simultan als therapeutischer Eingriff etabliert hat. Anders stellt es sich beim prognostisch ungünstigen Typ II-Karzinom dar, dessen Ausbreitung analog eines Ovarialkarzinoms mittels Längsschnittlaparotomie weiter evaluiert und behandelt werden sollte.
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