Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Stief

11-Dehydro-Thromboxan B2

11-Dehydro-Thromboxan B2
Synonym(e)
Englischer Begriff
11-dehydro-thromboxane B2
Definition
11-Dehydro-Thromboxan B2 ist ein stabiles Abbauprodukt von Thromboxan B2 und kann als ein Indikator der Thromboxan A2 (TxA2)-Synthese angesehen werden. TxA2 zeigt in der Zirkulation eine sehr kurze Halbwertszeit und wird umgehend zu Thromboxan B2 hydrolisiert.
Molmasse
368,5 Da
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Phospholipase A2 spaltet aus Membranphospholipiden die Arachidonsäure ab. Cyclooxygenasen (COX) zyklisieren die Arachidonsäure durch Oxidation zum instabilen Prostaglandin G2, das anschließend durch die Peroxidaseaktivität der COX zu Prostaglandin H2 (PGH2) oxidiert wird. TxA2 wird aus PGH2 durch die Thromboxan-A-Synthetase generiert. TxA2 ist in wässrigen Lösungen instabil und wird im Plasma sofort nicht enzymatisch zu Thromboxan B2 (TxB2) hydrolisiert. Der überwiegende Teil von TxB2 wird zu etwa gleichen Teilen in 11-Dehydro-Thromboxan B2 und 2,3-Dinor-11-Dehydro-Thromboxan B2 metabolisiert. Daher kann über die Konzentration von 11-Dehydro-Thromboxan B2 im Serum oder im Harn auf die TxB2-Produktion und damit auch auf die Bildung des instabilen TxA2 zurückgeschlossen werden.
Funktion – Pathophysiologie
TxA2 kann von vielen Zellen produziert werden, u. a. von aktivierten Blutplättchen. TxA2 ist ein potenter Induktor der Plättchenaggregation, effektiver Vasokonstriktor und induziert die Kontraktion von bronchialer glatter Muskulatur. Aspirin hemmt die Cyclooxygenase-1 (COX-1) durch irreversible selektive Acetylierung des Serins 529 und inhibiert damit die thrombozytäre TxA2-Produktion. Acetylsalicylat selbst kann auch inter-individuell verschieden als Kontaktphasen-Aktivator der intrinsischen Gerinnung (altered matrix coagulation) wirken. Dosisanpassung, Therapiemonitoring und die Identifikation von Non-Respondern (Aspirinresistenz) erfordern Methoden zur Erfassung des individuellen Ansprechens auf die tägliche Aspirintherapie. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit (ca. 5 min) und der niedrigen Konzentration im Blut (1–2 pg/mL) lässt sich über TxB2 im Blut die TxA2-Synthese nur schlecht quantifizieren. Zudem stammt ein Teil des gemessenen TxB2 aus Thrombozyten, die unter der Blutabnahme aktiviert wurden. Die Bestimmung der Konzentration von stabilen TxA2-Metaboliten im Urin ist daher von Vor teil.
Probenstabilität
Morgen- oder Sammelurin können benutzt werden. Ungekühlt sollten die Harnproben innerhalb von 4 h gemessen werden. Zur Sammlung sollte der Harn bei 2–8 °C gelagert werden. Bei Lagerungen für länger als 24 h sollte die Probe bei ≤ −20 °C eingefroren werden.
Präanalytik
Urin kann viele cross-reaktive Eicosanoide enthalten, weshalb eine Vorextraktion nötig sein kann.
Analytik
In der Routinediagnostik werden Enzymimmunoassays zur Bestimmung der 11-Dehydro-Thromboxan-B2-Konzentration im Harn eingesetzt. Der unter dem Namen AspirinWorks vertriebene Test ist ein kompetitiver ELISA, bei dem 11dhTxB2 konjugiert an eine alkalische Phosphatase mit dem in der Probe befindlichen 11dhTxB2 um die Bindung an einen Maus monoklonalen Anti-11dhTxB2-Antikörper konkurriert. Das Ergebnis wird als pg 11dhTxB2 pro mg Kreatinin angegeben.
Indikationen
  • Überwachung einer Aspirintherapie, wenn wegen der Gefährdung des Patienten eine pharmakologische Aspirinresistenz ausgeschlossen werden soll
  • Überprüfung der Patientencompliance
Interpretation
Auf Kreatinin normalisierte Harnkonzentrationen von 11-Dehydro-Thromboxan B2 > 1500 pg/mg sprechen für das Ausbleiben eines Effekts der Aspirintherapie. TxB2-Konzentrationen ≤1500 pg/mg sprechen für einen Aspirineffekt.
Diagnostische Wertigkeit
11-Dehydro-Thromboxan B2 im Urin lässt lediglich eine Aussage über die Patientencompliance und die pharmakologische Aspirinresistenz zu, d. h. über solche Resistenzen, die direkt die Bildung von Thromboxan A2 (z. B. COX-1-Polymorphismus) betreffen.
Literatur
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Stief T (2013) Acetaminophen (AAP = paracetamol) suppresses blood ROS generation at an IC50 of only 1–3 mg/l. Hemost Lab 6:233–243
Stief T, Brödje D (2013) Thrombin generation by naproxen. Hemost Lab 6:475–499