Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
R. Tauber und F. H. Perschel

13C-Harnstoff-Atemtest

13C-Harnstoff-Atemtest
Englischer Begriff
13C-urea breath test
Definition
Der 13C-Harnstoff-Atemtest ist ein nicht invasives Verfahren zum Nachweis von Helicobacter pylori im oberen Gastrointestinaltrakt, bei dem in einer Tracerdosis oral zugeführter 13C-Harnstoff durch die Urease von Helicobacter pylori abgebaut und das entstehende 13CO2 als 13CO2/12CO2-Verhältnis in der Atemluft bestimmt wird.
Durchführung
Nach Gewinnung einer ersten Atemluftprobe (t0-Probe) trinkt der nüchterne Patient 75 mg 13C-Harnstoff in 200 mL einer 0,1 mmol Zitronensäurelösung. Nach 30 Minuten wird eine zweite Atemluftprobe (t30-Probe) gewonnen In den Atemluftproben wird das 13CO2/12CO2-Verhältnis mittels Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie (IR-MS; s. Massenspektrometrie) oder nicht dispersiver isotopenselektiver Infrarot-Spektrometrie (NDIRS) gemessen.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Urease von Helicobacter pylori baut den oral zugeführten 13C-Harnstoff zu NH3 und 13CO2 ab. Entstehendes 13CO2 wird abgeatmet. Hierdurch steigt der Anteil von 13CO2 in Relation zu 12CO2 in der ausgeatmeten alveolären Luft an.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Ausgeatmete alveoläre Atemluft.
Analytik
Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie (IR-MS) oder nicht dispersive isotopenselektive Infrarotspektroskopie (NDIRS)
Referenzbereich – Erwachsene
Bei Besiedelung des oberen Gastrointestinaltrakts durch Helicobacter pylori steigt beim Patienten das 13CO2/12CO2-Verhältnis in der alveolären Atemluft in der t30-Probe gegenüber der t0-Probe um mehr als 0,5 δ % an.
Indikation
Verdacht auf Helicobacter-pylori-Infektion des oberen Gastrointestinaltrakts (bei Gastritis, Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, MALT-Lymphom, Magenkarzinom). Therapiekontrolle der Eradikation einer Helicobacter-pylori-Infektion.
Interpretation
Ein Anstieg des 13CO2/12CO2-Verhältnisses in der alveolären Atemluft zeigt eine Helicobacter-pylori-Infektion zuverlässig an, wobei der Anstieg mit dem Ausmaß der Infektion korreliert. Falsch negative Ergebnisse können trotz Erregerpersistenz nach Abschluss einer Antibiotika- oder Wismuttherapie infolge einer vorübergehenden Schädigung des Erregers beobachtet werden.
Diagnostische Wertigkeit
Nicht invasives Nachweisverfahren einer Helicobacter-pylori-Infektion im oberen Gastrointestinaltrakt.
Literatur
Braden B, Lembcke B (2012) Heliobacter pylori-Infektion. In: Thomas L (Hrsg) Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, 8. Aufl. TH-Books, Frankfurt/Main, S 750–752
Fischbach W et al (2016) S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. Z Gastroenterol 54:327–363CrossRef