Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
G. F. Hoffmann, C. -D. Langhans und A. Schulze

4-Hydroxycyclohexylessigsäure

4-Hydroxycyclohexylessigsäure
Synonym(e)
4-Hydroxycyclohexylacetat
Englischer Begriff
4-hydroxycyclohexylacetic acid
Definition
Das Cyclohexanderivat ist ein pathologischer Metabolit bei Störungen im Stoffwechsel der Aminosäure Tyrosin.
Struktur
C8H14O3; Strukturformel:
Molmasse
158,19 g.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Im Abbauweg der aromatischen Aminosäuren (Phenylalanin und Tyrosin) wird das Transaminierungsprodukt des Tyrosin, die 4-Hydroxyphenylbrenztraubensäure, durch die 4-Hydroxyphenylpyruvat-Dioxigenase zu Homogentisinsäure umgesetzt. Es wird vermutet, dass bei einer speziellen Störung der Dioxigenase 4-Hydroxycyclohexylessigsäure und andere anormale Metabolite durch eine unvollständige Umwandlung von 4-Hydroxyphenylbrenztraubensäure zu Homogentisinsäure entstehen.
Funktion – Pathophysiologie
4-Hydroxycyclohexylessigsäure hat keine bekannte Funktion im Intermediärstoffwechsel. Toxische Wirkungen sind nicht bekannt.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Urin.
Präanalytik
  • Durch Flüssig-Flüssig-Extraktion im sauren Medium mittels Ethylacetat oder Diethylether
  • Mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) als Di-Trimethylsilylester
Retentionsindex RI: 1589
M+(m/z): 302
Quant Ion (m/z): 197
Conf. Ion (m/z): 212
Internationale Einheit
mmol/mol Kreatinin (Urin).
Referenzbereich – Kinder
Normalbereich: <2 mmol/mol Kreatinin.
Pathologischer Bereich: 10–70 mmol/mol Kreatinin.
Indikation
Erhöhte Ausscheidungen der 4-Hydroxycyclohexylessigsäure sind von zweifelhafter klinischer Relevanz, sodass keine spezifischen Indikationen für einen Untersuchungsauftrag bestehen.
Interpretation
Erhöhte Ausscheidung von 4-Hydroxycyclohexylessigsäure im Urin wird bei der Hawkinsinurie beobachtet, einer seltenen Störung im Stoffwechsel der Aminosäure Tyrosin, deren enzymatische und molekulare Ursachen noch nicht eindeutig geklärt sind. Sie wird auf einen Defekt der 4-Hydroxyphenylpyruvat Dioxigenase zurückgeführt. Zugleich finden sich Hawkinsin (2-Cystenyl-1,4-Dihydroxycyclohexenylessigsäure) und die phenolischen Säuren 4-Hydroxyphenylessigsäure, -milchsäure und -brenztraubensäure erhöht. Im Säuglingsalter ist auch 5-Oxoprolin erhöht.
Die Tyrosinämie Typ III, eine Erkrankung, die auf einem rezessiven Defekt desselben Enzyms beruht, unterscheidet sich von der Hawkinsinurie durch das Fehlen von Hawkinsin und der 4-Hydroxycyclohexylessigsäure.
Diagnostische Wertigkeit
Erhöhte Urinausscheidungen von 4-Hydroxycyclohexylessigsäure sind lediglich bei der Stoffwechselanomalie Hawkinsinurie beschrieben.
Literatur
Blau N, Duran M, Gibson KM, Dionisi-Vici C (Hrsg) (2014) Physician’s guide to the diagnosis, treatment, and follow-up of inherited metabolic diseases. Springer, Berlin/Heidelberg