Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Albumin, glykiertes

Albumin, glykiertes
Synonym(e)
Glyko-Albumin
Englischer Begriff
glycated albumin
Definition
Die Höhe der nicht enzymatischen Glykierung (Glykosylierung) des Albumins in Serum, Plasma und Urin ist eine Kenngröße der integralen Glukosekonzentration in den vorangegangenen 2–3 Wochen und somit zur mittelfristigen, retrospektiven Verlaufskontrolle der Höhe und Dauer der Hyperglykämie im Rahmen eines Diabetes mellitus angezeigt.
Beschreibung
Als das mit einem Anteil von ca. 60 % quantitativ im Vordergrund stehende Protein im Serum und Plasma ist Albumin bei mittel- und längerfristiger Hyperglykämie einer nicht enzymatischen Glykierung unterworfen, deren Ausmaß von Höhe und Dauer der Blutglukosekonzentration abhängig ist. Außer Albumin und Immunglobulin G werden weitere Serum-, Plasma- und Gewebsproteine wie Matrix-, Membran-, Myelin-, Linsen- und Enzymproteine nicht enzymatisch glykiert und kollektiv als Fruktosamine bezeichnet. Durch diese postsynthetischen Modifikationen können funktionelle Veränderungen der entsprechenden Substrate hervorgerufen werden.
Die chemische (kovalente) Modifikation des physiologischerweise unglykierten Albuminmoleküls bei persistierender Erhöhung der Glukosekonzentration erfolgt durch Verbindung der freien Aldehydgruppe der Glukose mit den primären Aminogruppen des Albumins unter Bildung eines instabilen (reversiblen) Aldimins (Schiff-Base), das sich intramolekular längerfristig zu einem stabilen (irreversiblen) Ketoamin umlagert (Amadori-Umlagerung). Nur das Ketoamin geht in die Angabe der glykierten Albumfraktion ein.
Die quantitative Bestimmung des glykierten Proteins erfolgte früher kolorimetrisch durch Reduktion von Nitrotetrazoliumblau zu einem Formazanfarbstoff in alkalischer Lösung (pH 10,3). Eine neuere kombinierte enzymatische Farbmethode erfasst selektiv den glykierten Albuminanteil als Fraktion des Gesamtalbumins (glykierte Albuminkonzentration/gesamte Albuminkonzentration × 100). Weiterhin stehen kapillarchromatographische und immunologische Messverfahren (Immunoassays) zur Verfügung.
Referenzbereich für die glykierte Albuminfraktion
11–15,5 %.
Einflussgrößen
Erhöhter (z. B. Albuminverlust bei renaler Proteinurie) oder verminderter Proteinturnover (z. B. Hypothyreose) führen zu falsch niedrigen bzw. falsch positiven Ergebnissen.
Interpretation
Die Höhe der Glyko-Albuminfraktion reflektiert die integrale Glukosekonzentration im Serum/Plasma während der vorangegangenen 2–3 Wochen. Glykiertes Albumin ist somit ein wesentlich empfindlicherer, frühzeitiger reagierender Parameter als das Glykohämoglobin (Hämoglobin A1c, Hämoglobin, glykiertes), das eine retrospektive Zeitspanne von ca. 3 Monaten erfasst. Die Messung des glykierten Albumins kann ein wichtiger Alternativparameter zum HbA1c bei den Zuständen/Erkrankungen sein, bei denen dessen Aussagekraft fehlerhaft ist, wie Hämolyse, Hämoglobinopathien, Eisenmangelanämie, Schwangerschaft und Nephropathien. Bei diesen Zuständen ist Glyko-Albumin die Kenngröße der Wahl zur mittelfristigen Kontrolle der therapeutischen Einstellung eines Diabetes mellitus.
Literatur
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Little R (2011) Usefullness of glycated albumin assay for diabetes monitoring. J Diabetes Sci Technol 5(6):1463–1465CrossRefPubMedPubMedCentral
Wu W-J, Ma W-Y, Wei J-N et al (2016) Serum glycated albumin in guide the diagnosis of diabetes mellitus. PLO one. https://​doi.​org/​10.​1371/​journalpone.​0146780. Zugegriffen am 14.01.2016