Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
O. Müller-Plathe

Alkalose, metabolische

Alkalose, metabolische
Englischer Begriff
metabolic alkalosis
Definition
Die metabolische Alkalose ist die durch Zunahme von Base oder Verlust von fixer (nicht flüchtiger) Säure entstehende Störung des Säure-Basen-Gleichgewichts.
Beschreibung
Allen metabolischen Alkalosen gemeinsam ist eine positiv tendierende Basenabweichung, eine Zunahme von cHCO3 sowie eine pH-Zunahme, deren Ausmaß vom Grad der Kompensation abhängt. Die Kompensation erfolgt durch Hypoventilation zur Steigerung von pCO2 (Kohlendioxidpartialdruck), jedoch nur soweit die Notwendigkeit der Sauerstoffversorgung es erlaubt. Die Entscheidung, ob die Störung in normaler Weise kompensiert ist oder nicht, kann mithilfe des Diagramms im Stichwort Säure-Basen-Stoffwechsel getroffen werden.
Es werden 2 Gruppen der metabolischen Acidose unterschieden:
1.
Additionsalkalosen durch erhöhte Basenzufuhr:
  • Gabe von Bicarbonat („Natron“), basischen Antacida, Citrat, Laktat, Acetat
  • Milchalkalisyndrom (Burnett-Syndrom)
  • Posthyperkapnie: vorübergehend weiter bestehende cHCO3-Erhöhung nach plötzlicher Normalisierung einer kompensierten chronischen Hyperkapnie durch Freimachung der Luftwege
 
2.
Subtraktionsalkalosen durch Verlust von Säure:
  • Gastrointestinaler Säureverlust: gastrische Alkalose durch Erbrechen oder Magensaftdrainage, kongenitale Chloriddiarrhö, villöses Adenom
  • Renaler Säureverlust: exzessive Mineralokortikoidwirkung bei primärem und sekundärem Aldosteronismus, Cushing-Syndrom, Kortikoidmedikation, Bartter-Syndrom, Pseudo-Conn-Syndrom (Glycyrrhizinsäure in Lakritzen), 11β-Hydroxylasemangel
  • Diuretika, z. B. Thiazide, Etacrynsäure, Furosemid, Bumetanid
  • Kaliummangel durch verminderte K-Zufuhr in der Nahrung, Laxantienabusus, Malabsorption
 
Auswirkungen
Leichte, symptomlose Formen von metabolischer Alkalose mit pH bis etwa 7,5 kommen wegen der Häufigkeit von Diuretika- und Kortikoidmedikation sowie Kaliummangelzuständen häufig vor. Schwere Fälle mit pH 7,55 oder darüber können gefährlich werden durch Herzrhythmusstörungen und tetanische Krämpfe (Auswirkung auf ionisiertes Calcium), Hypokaliämie und Zunahme der O2-Affinität des Hb mit nachteiligen Folgen für den Sauerstofftransport.
Literatur
Khanna A, Kurtzman NA (2001) Metabolic Alkalosis. Respir Care 46:354–365PubMed