Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
B. Gierten

Allergenkomponente

Allergenkomponente
Englischer Begriff
allergen components
Definition
Allergenkomponenten sind molekulare Einzelbestandteile von Allergenen, die spezifisches Immunglobulin E binden und so eine allergische Immunreaktion vom Soforttyp hervorrufen können. Die Bezeichnungen setzen sich aus der Abkürzung des lateinischen Namens der Allergenquelle und einer der Reihenfolge der Entdeckung entsprechenden Nummerierung zusammen. Beispiel: Bet v1 (erstes entdecktes Allergen aus der Birke Betula verrucosa). Die Vergabe dieser Bezeichnungen wird vom Allergen Nomenclature Subcommittee unter der Schirmherrschaft der International Union of Immunological Societies (IUIS) und der World Health Organisation (WHO) überprüft.
Beschreibung
Allergenkomponenten werden entweder aus natürlichen Allergenen (nativ) oder synthetisch (z. B. in Bakterien, rekombinante Allergenkomponente) hergestellt. Den synthetischen Komponenten können je nach Produktionsmethode Kohlenhydratseitenketten der nativen Allergenkomponente fehlen. Dies kann die Tertiär- bzw. Quartärstruktur und damit die spezifische Antikörperbindung beeinflussen.
Anhand der Proteinsequenz werden sie in Proteinfamilien eingeteilt, womit sich Kreuzallergien (Kreuzreaktivität) und ähnliche chemische Eigenschaften wie Temperaturstabilität erklären lassen. Beispielhaft seien hier Proteinfamilien und einige ihrer diagnostisch wichtigsten Mitglieder genannt:
PR-10-Proteine (Bet-v1-Familie)
Diese Proteine gehören zu den stressinduzierten Zellproteinen. Sie werden in hohen Konzentrationen im Reproduktionsgewebe (Pollen, Samen und Früchte) exprimiert und sind hitzelabil. Die biologische Funktion ist derzeit unklar. PR-10-Proteine rufen in der Regel eher leicht verlaufende allergische Reaktionen und lokale Symptome hervor. Zu dieser Familie gehören Allergenkomponenten wie z. B.:
  • Ara h8 aus Erdnuss
  • Cor a1 aus Haselnuss
  • Gly m4 aus Soja
  • Mal d1 aus Apfel
Profiline
Profiline höherer Pflanzen stellen eine hoch konservierte Familie mit mindestens 75 %iger Sequenzhomologie auch in entfernt verwandten Pflanzen dar. In Pollen, Pflanzenteilen und Latex vorkommende Profiline rufen in der Regel keine schwer verlaufenden allergischen Reaktionen hervor, bedingen jedoch wegen der hohen Sequenzhomologie zahlreiche Kreuzallergien bei Pollenallergikern. Sie können somit als Risikofaktor für eine Sensibilisierung gegen mehrere (Pollen-)Allergene und der pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie gelten. Beispiele:
  • Bet v2 aus Birke
  • Phl p12 aus Lieschgras
  • Gly m3 aus Soja
  • Hev b8 aus Latex
  • Lipidtransferproteine (LTP)
LTP sind im Gegensatz zu PR-10-Proteinen relativ hitzebeständig und können schwere Sofortreaktionen beim Verzehr von gekochten und rohen Nahrungsmitteln hervorrufen:
  • Par j2 aus Mauerglaskraut
  • Art v3 aus Beifuß
  • Ara h9 aus Erdnuss
  • Pru p3 aus Pfirsich
  • Cor a8 aus Haselnuss
Prolamin-Superfamilie
Zur Prolaminfamilie gehören pflanzliche, in Alkohol lösliche prolin- und glutaminreiche Speicherproteine. Klinisch relevante allergische Reaktionen wie „wheat dependent exercise induced anaphylaxis“ (WDEIA) werden z. B. von Tria a19, einem Omega-5-Gliadin, aus Weizen ausgelöst.
Abhängig von dem Anteil getesteter Individuen einer Bevölkerungspopulation, die spezifische IgE gegen ein bestimmte Allergenkomponente bilden, werden diese in Major- (bei ≥50 % der betreffenden Allergiker) und Minorallergene <50 % (der betreffenden Allergiker) eingeteilt.
Allergenkomponenten werden wie herkömmliche Allergene in diagnostischen Systemen zum Nachweis spezifischer IgE-Antikörper eingesetzt. Zusätzlich ist denkbar, sie zukünftig nach Standardisierung des Herstellungsprozesses („good manufacturing practice“) im Rahmen der spezifischen Immuntherapie (SIT) einzusetzen.
Literatur
Kleine-Tebbe J, Ollert M, Jakob T (2010) Nomenklatur, Proteinfamilien, Datenbanken und potenzieller Nutzen. Allergo J 19:390–394CrossRef