Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H.-D. Haubeck

Antikörper gegen Streptolysin

Antikörper gegen Streptolysin
Synonym(e)
Antikörper gegen Streptokokken-Enzyme; ASLO; ASO; ASL; AST; ASR
Englischer Begriff
antistreptolysin O (ASO)
Definition
Antikörper gegen das Streptokokken-Exoenzym Streptolysin O (ASLO, ASO) werden für die Diagnose und Verlaufskontrolle von Infektionen mit Gruppe-A-Streptokokken eingesetzt. Besondere Bedeutung besitzt der Nachweis bei Verdacht auf rheumatisches Fieber, akute Polyarthritis, akute Glomerulonephritis und Chorea, da bei diesen Erkrankungen beim Auftreten der klinischen Symptome die Streptokokken selbst oft nicht mehr nachweisbar sind.
Funktion – Pathophysiologie
Streptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken, GAS) ist einer der häufigsten Krankheitserreger des Menschen. Neben einer Tonsillitis und Pharyngitis kann er zahlreiche weitere Erkrankungen auslösen. Etwa 3 Wochen nach einer Tonsillitis kann ein akutes rheumatisches Fieber, u. a. mit einer Karditis, einer akuten Polyarthritis oder einer Chorea, auftreten. Darüber hinaus kann Streptococcus pyogenes auch eine akute Glomerulonephritis auslösen.
GAS setzen eine Reihe von Exoenzymen frei, gegen die der Körper spezifische Antikörper bildet. Von diagnostischer Bedeutung sind Streptolysin O, Desoxyribonuklease B (DNase B) und Hyaluronidase.
Untersuchungsmaterial
Serum, Synovialflüssigkeit.
Probenstabilität
Patientenproben für Antikörperbestimmungen sind bei +4 °C bis zu 4 Wochen, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg beständig. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Analytik
Der Nachweis kann entweder als Schnelltest (Latex-Test), als Hämolyse-Hemmtest (Mikro-ASO) oder nephelometrisch (Latex-verstärkt) erfolgen.
Beim Latex-Schnelltest wird Patientenserum mit Streptolysin-O-beladenen Latexpartikeln auf einem Testträger rotierend bewegt. Bei einem Titer >200 IU/mL kommt es innerhalb von 2 Minuten zur Agglutination der Latexpartikel.
Beim Hämolyse-Hemmtest (Mikro-ASO) wird geprüft, bis zu welcher Verdünnung des Patientenserums die Erythrozyten-lysierende Wirkung einer zugesetzten Menge von Streptolysin O durch Antikörper im Serum gehemmt wird. Nach Kalibration mithilfe internationaler Standardseren (WHO) entspricht die höchste Serumverdünnung, die keine Hämolyse zeigt, dem Antikörpertiter in IU.
Referenzbereich – Erwachsene
<200 IU/mL.
Referenzbereich – Kinder
<200 IU/mL.
Indikation
ASLO werden für die Diagnose und Verlaufskontrolle von Infektionen mit Gruppe-A-Streptokokken eingesetzt. Besondere Bedeutung besitzt der Nachweis bei Verdacht auf rheumatisches Fieber, akute Polyarthritis, akute Glomerulonephritis und Chorea, da bei diesen Erkrankungen beim Auftreten der klinischen Symptome die Streptokokken selbst oft nicht mehr nachweisbar sind.
Interpretation
Die Bestimmung von Streptokokken-Antikörpern spielt bei der Diagnostik von akuten Streptokokken-Infektionen (Tonsillitis/Pharyngitis, Hautinfektionen etc.) keine Rolle. Hier erfolgt der Erregernachweis kulturell. Darüber hinaus erfolgt ein Antikörperanstieg erst nach 1–3 Wochen. Wie bei anderen serologischen Reaktionen ist erst ein Titeranstieg um mindestens 2 Stufen signifikant. Liegt nur ein Wert vor, kann unter Vorbehalt das Überschreiten der sogenannten „oberen Normalgrenze“ (Wert, der im Serum von 80 % der Gesunden der Bevölkerung nicht überschritten wird) als pathologisch angesehen werden. In Deutschland liegt dieser Wert bei 200 IU/mL. Bei rheumatischem Fieber werden in 80–85 % pathologische Werte gefunden. Die ASLO-Reaktion ist nicht absolut spezifisch für eine Infektion mit Gruppe-A-Streptokokken, da auch Streptokokken der Gruppe C und G Streptolysin O bilden und andere grampositive Bakterien kreuzreagierende Hämolysine bilden können. Von der WHO wird deshalb die Verwendung eines zweiten Verfahrens, z. B. der Nachweis von Antikörpern gegen Desoxyribonuklease B (DNase B), empfohlen. DNase B wird fast ausschließlich von Streptokokken der Gruppe A gebildet. Durch die gleichzeitige Bestimmung von ASLO und ADNase B werden ca. 90 % der Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A erfasst.
Literatur
Lütticken R (1992) Streptococcae. In: Burkhardt F (Hrsg) Mikrobiologische Diagnostik. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, S 51–62