Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Antipyrinclearance-Test

Antipyrinclearance-Test
Synonym(e)
Antipyrin-Eliminationstest
Englischer Begriff
antipyrine clearance test
Definition
Quantitativer Leberfunktionstest, der die funktionelle Leberzellmasse anhand der Clearance des oral verabreichten Antipyrins erfasst.
Durchführung
Nach oraler Verabreichung von 15 mg Antipyrin/kg KG erfolgen innerhalb von 10 Stunden serielle Blutentnahmen zur Bestimmung der Plasmahalbwertszeit (t½) und Berechnung der Clearance unter Berücksichtigung des Verteilungsvolumens.
Funktion – Pathophysiologie
Antipyrin (Phenazon) ist ein Substrat der Cytochrom P450-Oxigenasen und damit der P450-abhängigen Xenobiotika-Metabolisierung. Die Substanz wird hydroxyliert in Position 4 und an der 3-Methylgruppe und Stickstoff wird demethyliert. Strukturformel Antipyrin:
Die Elimination erfolgt ausschließlich in der Leber nach schneller und vollständiger intestinaler Resorption. Eine Plasmaproteinbindung liegt nicht vor. Die Halbwertszeit in der Zirkulation beträgt etwa 10 Stunden, bei Leberkranken kann sie bis auf 30 Stunden verlängert sein.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, Plasma.
Präanalytik
Patient sollte 12 Stunden nüchtern sein.
Analytik
Spektralphotometrisch (Spektralphotometrie).
Referenzbereich – Erwachsene
Abhängig von Testdurchführung, altersabhängig.
Referenzbereich – Kinder
s. Erwachsene.
Indikation
Verlaufskontrolle chronischer Lebererkrankungen.
Interpretation
Clearance ist vermindert mit zunehmendem Alter und nach chronischem Gebrauch von Alkohol, Koffein und Nikotin. Da der Antipyrinstoffwechsel multiple, substratüberlappende Cytochrom-P450-abhängige Oxigenasen einschließt, kann es zu erheblichen interindividuellen Schwankungen der Sensitivität dieses Funktionstestes kommen.
Diagnostische Wertigkeit
Generell besteht eine enge Korrelation zwischen der Verminderung der Antipyrinclearance und dem histologischen Schweregrad der Lebererkrankung. Verminderungen sind nur relativ gering ausgeprägt bei akuten (viralen) Hepatitiden und bei obstruktiver Cholestase.
Literatur
Everson GT, Shiffman ML, Hoefs JC et al (2012) Quantitative liver function tests improve the prediction of clinical outcomes in chronic hepatitis C: results from the hepatitis C antiviral long-term treatment against cirrhosis trial. Hepatology 55:1019–1029CrossRefPubMedPubMedCentral
Grieco A, Castellano R, Matera A (1998) Antipyrine clearance in chronic und neoplastic liver diseases: a study of 518 patients. J Gastroenterol Hepatol 13:460–466CrossRef