Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Jomaa

Antivitamine

Antivitamine
Synonym(e)
Vitaminantagonisten
Englischer Begriff
antivitamin; vitamin antagonist
Definition
Antivitamine können die Vitaminwirkung eines Stoffes abschwächen oder aufheben. Zu den Antivitaminen zählen verschiedene Stoffklassen, deren Größe von nieder- (<500 Da) bis hochmolekular (>60 kDa) reicht.
Beschreibung
Das breite Spektrum der Wirkmechanismen der Antivitamine umfasst:
  • Hemmung der Synthese des Vitamins (Beispiel: Sulfamethoxazol hemmt als kompetitiver Inhibitor der Dihydropteroat-Synthetase die Folsäure-Synthese in Bakterien)
  • Irreversible Degradation des Vitamins (Beispiel: Das Enzym Thiaminase kommt in bestimmten Bakterien, Fischen und Pflanzen vor und kann das Vitamin Thiamin (Vitamin B1) aus Nahrungsmitteln irreversibel zerstören)
  • Hemmung der enteralen Resorption (Beispiel: Avidin aus dem Eiklar bindet das Vitamin Biotin und verhindert dessen enterale Absorption; Avidin wird durch Erhitzen inaktiviert, sodass die Antivitaminwirkung nur bei einer starken einseitigen Ernährung mit Rohei eine Rolle spielt)
  • Unterbrechung der Aufnahme in die Zielzelle
  • Direkte Hemmung der biochemischen Prozesse, an denen das Vitamin beteiligt ist (Beispiel: Inhibition der Vitamin-K-Epoxid-Reduktase durch Cumarine und die Inhibition der Dihydrofolatreduktase durch Methotrexat)
Antivitamine führen erst bei stark einseitiger Ernährung zu einem Vitaminmangel. Viele Antivitamine wie Sulfamethoxazol (Antibiotikum), Methotrexat (Immunsuppressivum) und Cumarine (orale Antikoagulanzien) finden in der Arzneimitteltherapie Anwendung. In der Biotechnologie wird außerdem das Antivitamin Streptavidin in diversen Aufreinigungs- oder Analyseprotokollen eingesetzt, in denen die Streptavidin-Biotin-Komplexbindung (Biotin-Streptavidin-Technik) genutzt wird.
Literatur
Zelder F, Sonnay M, Prieto L (2015) Antivitamins for medicinal applications. Chembiochem 16:1264–78CrossRefPubMed