Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und J. Fraune

Autoantikörper gegen DFS70

Autoantikörper gegen DFS70
Synonym(e)
Anti-DFS70-Antikörper; Anti-LEDGF/p75-Antikörper; DFS70-Antikörper; LEDGF/p75-Antikörper
Englischer Begriff
DFS70 antibodies; Anti-DFS70 antibodies; LEDGF/p75 antibodies; anti-LEDGF/p75 antibodies
Definition
Autoantikörper gegen das nukleäre Dense-Fine-Speckled-70-Antigen (DFS70), auch bekannt als „Lens Epithelium-Derived Growth Factor“ (LEDGF/p75). Das Protein fungiert als transkriptionaler Koaktivitor.
Pathophysiologie
DFS70 wird in vielen verschiedenen humanen Geweben exprimiert. Es spielt vermutlich bei der zellulären Stressreaktion eine Rolle. Darüber hinaus wurde das Protein als ein wichtiger Kofaktor für die Integration des HIV-1 in das Wirtsgenom identifiziert. Antikörper gegen DFS70 treten sowohl bei gesunden Personen als auch im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen (atopische Dermatitis, Asthma, Vogt-Koynagi-Harada-Syndrom, interstitielle Zystitis sowie Prostatakrebs, selten Kollagenosen) auf. Die Antikörper sind nicht krankheitsspezifisch. Erstmals beschrieben wurden sie in den 1990er-Jahren im Rahmen einer Studie zu antinukleären Antikörpern (ANA) bei interstitieller Zystitis.
Untersuchungsmaterial
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Autoantikörper gegen DFS70 werden in erster Linie mithilfe des indirekten Immunfluoreszenztests (Immunfluoreszenz, indirekte) auf HEp-2-Zellen nachgewiesen (Goldstandard), wie dies in nachfolgender Abbildung dargestellt ist:
Daneben können monospezifische Verfahren wie Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA) oder Immunblot mit rekombinant hergestelltem Antigen als Bestätigungstests verwendet werden.
Diagnostische Wertigkeit
Das dichte feingranuläre Fluoreszenzmuster der Anti-DFS70-Antikörper auf HEp-2-Zellen im indirekten Immunfluoreszenztest findet sich sowohl im Nukleoplasma der Interphasezellen als auch in mitotischen Zellen. Es muss vom homogenen und granulären Muster anderer ANA unterschieden werden.
Die Antikörper werden häufig auch bei gesunden Blutspendern gefunden. In Patienten mit systemisch-rheumatischen Autoimmunerkrankungen treten Anti-DFS70-Antikörper oftmals parallel mit anderen krankheitsrelevanten ANA auf, nur selten finden sie sich als einzige ANA-Spezifität. Daher werden Anti-DFS70-Antikörper auch als Ausschlussmarker für systemisch-rheumatische Autoimmunerkrankungen in ANA-positiven Personen in Betracht gezogen. Eine sorgfältige Differenzierung der Autoantikörper ist in jedem Fall erforderlich, ein positiver Anti-DFS70-Befund kann zumindest einen Teil der ANA-Befunde im indirekten Immunfluoreszenztest erklären, die keinem krankheitsspezifischen Antikörper zugeordnet werden können.
Literatur
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