Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und J. Fraune

Autoantikörper gegen DPPX (Dipeptidyl-Peptidase-like Protein-6)

Autoantikörper gegen DPPX (Dipeptidyl-Peptidase-like Protein-6)
Synonym(e)
Anti-DPPX-Antikörper; DPPX-Autoantikörper
Englischer Begriff
DPPX autoantibodies; anti-DPPX antibodies
Definition
Autoantikörper gegen Dipeptidyl-Peptidase-like Protein-6 (DPPX), eine akzessorische Untereinheit des Kv4.2-Kaliumkanals.
Pathophysiologie
Die spannungsabhängigen Kv4-Kaliumkanäle werden insbesondere in den Somata und Dendriten der Neuronen des zentralen Nervensystems exprimiert. DPPX interagiert mit dem Kv4.2-Kaliumkanal und beeinflusst dessen funktionelle Oberflächenexpression und elektrophysiologische Eigenschaften.
Patienten mit Autoantikörpern gegen DPPX zeigen Symptome einer progressiven Enzephalomyelitis, zum Teil in Kombination mit schweren gastrointestinalen Beschwerden.
Untersuchungsmaterial
Serum, Plasma, Liquor.
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Autoantikörper gegen DPPX lassen sich mithilfe der indirekten Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) bestimmen: Bei einem positiven Befund reagiert die Körner- und Molekularschicht auf dem Substrat Kleinhirn sowie die Glanzschicht auf dem Substrat Hippocampus (s. folgende Abbildungen).
Autoantikörper gegen DPPX, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Kleinhirn (Ratte):
Autoantikörper gegen DPPX, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Hippocampus (Ratte):
Zum monospezifischen Nachweis der Autoantikörper eigenen sich transfizierte HEK-Zellen, die rekombinantes DPPX exprimieren (s. folgende Abbildung).
Autoantikörper gegen DPPX, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat transfizierte Zellen:
Diagnostische Wertigkeit
Anti-DPPX-Antikörper wurden erstmals 2013 bei 4 Patienten mit progressiver Enzephalomyelitis gefunden, deren klinische Symptomatik Agitation, Halluzinationen, Verwirrungszustände, Myoklonie, Tremor und Anfälle beinhalteten. Zusätzlich wiesen 3 der Patienten schwere Diarrhoe auf. Anschließend wurden 3 Patienten mit Anti-DPPX-Antikörpern und progressiver Enzephalomyelitis mit Rigidität und Myoklonus (PERM) beschrieben. In einer Studie mit 20 Anti-DPPX-positiven Patienten wurden diverse Manifestationen einer Enzephalitis (Amnesie, Delirium, Psychosen, Anfälle, Ataxie, Dysphagie, Dysarthrie), der Übererregbarkeit des zentralen Nervensystems (Myoklonie, überhöhte Schreckhaftigkeit, diffuse Rigidität, Hyperreflexie) und einer Dysautonomie, vor allem des gastrointestinalen Systems und der Blase, festgestellt. Bei 2 der Patienten wurden maligne B-Zell-Neoplasien diagnostiziert.
Anti-DPPX-Antikörper sind ein weiterer wichtiger Parameter in der Differenzialdiagnostik neurologischer Erkrankungen mit zentraler Hyperexzibilität und/oder Enzephalomyelitis. Es empfiehlt sich, parallel weitere Antikörper gegen neuronale Antigene zu untersuchen, um eine schnelle Diagnose zu erhalten. Eine Immuntherapie führt in den meisten Fällen zu einer baldigen Besserung der Symptome.
Literatur
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