Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Autoantikörper gegen Enterozyten

Autoantikörper gegen Enterozyten
Synonym(e)
Kolonepithel-Antikörper
Englischer Begriff
antibodies to colon epithelium
Definition
Autoantikörper gegen Antigene des Darmepithels. Im Gegensatz zu den diagnostisch viel wichtigeren Autoantikörper gegen intestinale Becherzellen haben diese Antikörper diagnostisch keine Relevanz.
Funktion – Pathophysiologie
Das Immunsystem des Darms scheint besonders bei Morbus Crohn infolge krankheitsspezifischer Autoimmunreaktionen Antikörper gegen alle möglichen in der Darmwand präsenten Antigene zu produzieren, bedingt durch die Adjuvanswirkung der spezifischen Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem relevanten Autoantigen. Ebenso wie Antikörper gegen das Kolonepithel finden sich bei Morbus Crohn auch Antikörper gegen Saccharomyces cerevisiae (ASCA) und Antikörper gegen verschiedene Infektionserreger im Serum der Patienten.
Untersuchungsmaterial
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Für die Untersuchung der Autoantikörper gegen Enterozyten wird die indirekte Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) eingesetzt, Ausgangsverdünnung ist 1:10. Es reagiert das Zytoplasma der Epithelzellen des Darms, einschließlich der Becherzellen. Zu den verschiedenen Darmabschnitten besteht die gleiche Affinität.
Interpretation
Unter identischen Inkubationsbedingungen findet man bei Morbus Crohn 39 % positive Ergebnisse (Autoantikörper gegen Pankreassekret treten mit der gleichen Prävalenz auf, zeigen aber keine Kreuzreaktion; Kreuzreaktivität), bei Colitis ulcerosa 33 %, bei Zöliakie 10 % und bei Gesunden 14 %.
Diagnostische Wertigkeit
Wegen der geringen Krankheitsspezifität lohnt es sich nicht, diese Autoantikörper weiter in Betracht zu ziehen.
Literatur
Stöcker W, Otte M, Ulrich S et al (1987) Autoimmunity to pancreatic juice in Crohn’s disease. Results of an autoantibody screening in patients with chronic inflammatory bowel disease. Scand J Gastroenterol Suppl 139:41–52CrossRefPubMed