Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Autoantikörper gegen epidermale Basalmembran

Autoantikörper gegen epidermale Basalmembran
Synonym(e)
Autoantikörper gegen Hemidesmosomen; Epidermale Basalmembran-Antikörper
Englischer Begriff
antibodies against epidermal basement membrane
Definition
Die epidermale Basalmembran („dermoepidermale Junktionszone“; DEJ; s. a. Autoantikörper gegen Desmosomen und Autoantikörper bei bullösen Autoimmundermatosen) enthält mehrere potenzielle Ziele für Autoimmunreaktionen, die sich in Form unterschiedlicher bullöser Autoimmundermatosen manifestieren können. Die wichtigsten bisher identifizierten Zielantigene sind:
  • Transmembranprotein BP180 (Kollagen Typ XVII)
  • Intrazelluläres Protein BP230
Beide sind Bestandteile der hemidesmosomalen Plaques. Weitere Zielantigene sind Laminin 5 (Laminin 332), Laminin-γ1 (p200), β4-Integrin und Kollagen Typ VII.
BP180 ist ein transmembranes Glykoprotein mit einem intrazellulär lokalisierten C-Terminus und einem extrazellulären N-Terminus. Die Ektodomäne besteht aus 15 kollagenen und 16 nichtkollagenen (NC) Domänen, von denen NC16A (extrazellulär) unmittelbar an die Keratinozytenmembran grenzt und das wichtigste immunogene Epitop der Autoantikörper beim bullösen Pemphigoid darstellt. Allerdings wurde BP230 als erstes Zielantigen beim bullösen Pemphigoid identifiziert („BP-AG-1“). Es trägt mittels seiner C-terminalen Domäne zur Verankerung des Keratinfilamentsystems bei. Das N-terminale Ende von BP230 ist wichtig für seine Einbindung in die Hemidesmosomen, es interagiert mit BP180 und der β4-Untereinheit des α6β4-Integrins.
Funktion – Pathophysiologie
Die Autoantikörper werden von den Plasmazellen in der Subkutis der betroffenen Hautareale gebildet und diffundieren in Richtung der epidermalen Basalmembran. Dort führt die Bindung der Autoantikörper zur Aktivierung von Komplement und daraufhin zu Entzündungsreaktionen mit subepidermaler Blasenbildung; im Gegensatz dazu bilden sich beim Pemphigus vulgaris (Zielrichtung: Desmosomen) intraepitheliale Blasen.
Untersuchungsmaterial
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
In der Immunfluoreszenz zeigen Gefrierschnitte von Ösophagus und Zunge eine lineare Färbung zwischen Stratum basale und Bindegewebe (s. Abbildungen).
Autoantikörper gegen epidermale Basalmembran, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Primatenösophagus:
Autoantikörper gegen epidermale Basalmembran, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Primatenzunge:
Einstiegsverdünnung ist 1:10. Ein monospezifischer Enzyme-linked Immunosorbent Assay ist eine Alternative zur indirekten Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte). Die Serumkonzentration der Autoantikörper gegen BP180 korreliert mit der Krankheitsaktivität des bullösen Pemphigoids.
Zur Bestimmung der Autoantikörper gegen BP180 wurden auch rekombinante Designer-Antigene entwickelt, die vom BP180 nur die diagnostisch relevante Zielstruktur aufweisen, die NC16A-Domäne, und zwar gleich mehrmals hintereinander. Diese Antigene werden im ELISA oder im indirekten Immunfluoreszenztest eingesetzt, man erhält eine Sensitivität von 90 %, bei einer bisher unerreichten Spezifität von 98 % (Sitaru et al. 2007). Ähnliche Diagnostika auf der Basis rekombinant hergestellter, nur die relevanten Zielantigene repräsentierender Epitope gibt es bereits auch für die Bestimmung der Antikörper gegen BP230.
Referenzbereich – Erwachsene
Negativ.
Referenzbereich – Kinder
Negativ.
Indikation
Pemphigoid-Erkrankungen sind mit verschiedenen Autoantikörpern gegen epidermale Basalmembran assoziiert (Blasenbildung subepidermal; s. Tabelle):
Erkrankung
Zielantigen
Bullöses Pemphigoid
BP180, BP230
Pemphigoidgestationis
BP180 (nur ausnahmsweise BP230)
Anti-p200-Pemphigoid
p200
Schleimhautpemphigoid
BP180, Laminin 5, Beta-4-Integrin und BP230
Vernarbendes Pemphigoid
Laminin 5 (Laminin 332) und C-terminales Ende des BP180
Lineare IgA-Dermatose
Vorwiegend proteolytische Fragmente der gesamten Ektodomäne von BP180
Lichen planuspemphigoides
BP180, BP230
Kollagen VII (Verankerungsfibrillen)
Autoantikörper gegen Zellkerne
Differenzialdiagnostisch sind die Pemphigoid-Erkrankungen vor allem zu unterscheiden vom Pemphigus vulgaris, der durch Autoantikörper gegen Desmosomen hervorgerufen wird. Auszuschließen ist auch eine Dermatitis herpetiformis Duhring (Autoantikörper gegen epidermale Transglutaminase, Autoantikörper gegen Gewebstransglutaminase sowie Z-AGFA: Antikörper gegen Gliadin; s. a. Autoantikörper bei bullösen Autoimmundermatosen).
Literatur
Schmidt E, Zillikens D (2013) Pemphigoid diseases. Lancet 381(9863):320–332CrossRefPubMed
Sitaru C, Dähnrich C, Probst C, Komorowski L, Blöcker I, Schmidt E, Schlumberger W, Rose C, Stöcker W, Zillikens D (2007) Enzyme-linked immunosorbent assay using multimers of the 16th non-collagenous domain of the BP180 antigen for sensitive and specific detection of pemphigoid autoantibodies. Exp Dermatol 16:770–777CrossRefPubMed
Zhi L (2003) Immunopathology of bullous pemphigoid, an autoimmune and inflammatory skin blistering disease. Keio J Med 52:128–133CrossRef