Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Autoantikörper gegen Flotillin

Autoantikörper gegen Flotillin
Synonym(e)
Flotillin-Autoantikörper; Anti-Flotillin-Antikörper
Englischer Begriff
flotillin autoantibodies; anti-flotillin antibodies
Definition
Autoantikörper gegen Flotillin-1/2-Komplexe. Flotillin-1 und -2 sind periphere Membranproteine, die verstärkt in Muskel-, Fett- und Lungengewebe sowie im Gehirn exprimiert werden.
Pathophysiologie
Flotillin-1 und -2 spielen eine Rolle beim Wachstum und der Regeneration beschädigter Axone in retinalen Ganglienzellen. Darüber hinaus wurden Funktionen in der Endozytose, der Signaltransduktion und der Prozessierung des Amyloidvorläuferproteins in Neuronen beschrieben. Über die Funktion der Flotillin-1/2-Homo- oder Heterokomplexe liegen wenig Informationen vor.
Antikörper gegen Flotillin-1/2-Komplexe wurden bei Patienten mit multipler Sklerose und optischer Neuritis berichtet. Eine mögliche pathogenetische Rolle wird diskutiert.
Untersuchungsmaterial
Serum, Plasma, Liquor.
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Anti-Flotillin-Antikörper werden mithilfe der indirekten Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) nachgewiesen. Auf Gefierschnitten des Hippocampus oder Kleinhirns (Ratte, Primat) ist bei Vorliegen spezifischer IgG eine feingranuläre Färbung der Molekularschicht erkennbar (s. die beiden folgenden Abbildungen).
Autoantikörper gegen Flotillin, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Kleinhirn (Ratte):
Autoantikörper gegen Flotillin, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Hippocampus (Ratte):
Zum monospezifischen Nachweis der Autoantikörper eigenen sich transfizierte HEK-Zellen, die Flotillin-1 und -2 rekombinant koexprimieren (s. nachfolgende Abbildung).
Autoantikörper gegen Flotillin, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat transfizierte Zellen:
Diagnostische Wertigkeit
Anti-Flotillin-Antikörper wurden erstmals bei 14 Patienten mit multipler Sklerose (MS), häufig in Zusammenhang mit Enzephalomyelitis oder Entzündung des optischen Nervs, gefunden. Die Patienten wiesen keine Autoantikörper gegen Aquaporin-4 oder Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (Autoantikörper gegen Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein) auf. Über 500 getestete Kontrollproben waren negativ für Anti-Flotillin. Die Prävalenz der Autoantikörper in MS-Patienten wird auf 1–2 % geschätzt.
Literatur
Hahn S, Trendelburg G, Scharf M, Denno Y, Brakopp S, Teegen B, Probst C, Wandinger KP, Buttmann M, Haarmann A, Szabados F, vom Dahl M, Kümpfel T, Eichhorn P, Gold H, Paul F, Jarius S, Melzer N, Stöcker W, Komorowski L (2017) Identifiaction of the flotiilin-1/2 heterocomplex as a target of autoantibodies in bona fide multiple sclerosis. J Neuroinflammation 14:123CrossRefPubMedPubMedCentral