Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Autoantikörper gegen glomeruläre Basalmembran

Autoantikörper gegen glomeruläre Basalmembran
Synonym(e)
Autoantikörper gegen Nierenglomeruli; GBM-Antikörper; Goodpasture-Antikörper
Englischer Begriff
autoantibodies against the basement membrane of renal glomeruli; GBM (auto)antibodies
Definition
Zielantigen der Goodpasture-Antikörper sind α-3-Ketten des Typ-IV-Kollagens in der Basalmembran der Nierenglomeruli. Diese enthalten die relevanten Epitope des GBM-Antigens (NC-1-Domäne).
Funktion – Pathophysiologie
Das Goodpasture-Syndrom ist eine seltene Nierenerkrankung. Klinisch besteht eine Kombination aus rapid-progressiver Glomerulonephritis und Hämoptyse mit rezidivierenden Parenchymblutungen (Lungenhämosiderose). Lungenblutungen treten häufig als erstes Zeichen auf. Es sind sowohl fulminante als auch abortive Verlaufsformen zu beobachten. Etwa 70 % der Betroffenen sind Männer. Eine frühzeitige Therapie (Immunsuppression und Plasmapherese bis zur Remission) kann bei 60 % der Patienten die Nierenfunktion erhalten. Rückfälle sind möglich.
Untersuchungsmaterial
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Zum Nachweis der Autoantikörper gegen glomeruläre Basalmembran durch indirekte Immunfluoreszenz (IIFT, Immunfluoreszenz, indirekte) werden Gewebeschnitte der Primatenniere als Standardsubstrat eingesetzt, wie die nachfolgende Abbildung zeigt:
Parallel dazu kann man auch Lungengewebe als Substrat verwenden und Antikörper gegen die Basalmembran der Lungenalveolen mit untersuchen. Eine Kombination der Gewebesubstrate mit hochreinem, rekombinant hergestelltem GBM-Antigen als Substrat im IIFT ermöglicht es, positive Reaktionen auf den Geweben im gleichen Testansatz monospezifisch zu bestätigen. Einstiegsverdünnung ist 1:10. Bei der Titration ist bei diesem Antikörper darauf zu achten, dass nicht mit reinem PBS verdünnt wird, da auf diese Weise zwangsläufig unspezifisch positive Reaktionen entstehen. Man verdünnt mit einem 1:10 in PBS/Tween vorverdünnten normalen Humanserum.
Der monospezifische Enzymimmunoassay (Enzyme-linked Immunosorbentassay [ELISA], Chemilumineszenz-Immunoassay) und Linienblots (Immunblot) verwenden häufig das hochgereinigte Autoantigen aus Kollagen IV.
Referenzbereich – Erwachsene
Negativ.
Referenzbereich – Kinder
Negativ.
Indikation
Autoantikörper gegen glomeruläre Basalmembran der Niere sind mit dem Goodpasture-Syndrom (pulmorenales Syndrom) assoziiert.
Diagnostische Wertigkeit
Eine Sonderform der Autoimmun-Glomerulonephritis ist das Goodpasture-Syndrom, benannt nach dem US-amerikanischen Pathologen Ernest William Goodpasture (1886–1960), der im Jahr 1919 die Kombination einer Glomerulonephritis mit Lungenblutungen beschrieb. Dieses seltene Syndrom betrifft Männer sechsmal so häufig wie Frauen, und zwar vorwiegend im jungen Erwachsenenalter. Klinisch ist die Kombination aus rapid-progressiver Anti-Basalmembran-Glomerulonephritis und Lungenhämosiderose kennzeichnend, wobei als erstes Zeichen häufig Lungenblutungen auftreten.
Wegen der gravierenden Bedeutung dieser Diagnostik empfiehlt es sich, IIFT und ELISA parallel einzusetzen und das Ergebnis am Tage des Probeneingangs fertig zu stellen.
Antikörper gegen GBM-Antigene sind bei entsprechender Klinik pathognomonisch für das Goodpasture-Syndrom, das 0,5–2 % aller Glomerulonephritiden ausmacht. In Fällen ohne Lungenbeteiligung lassen sich Anti-GBM-Antikörper bei Goodpasture-Syndrom (verifiziert durch eine positive IgG-Reaktion an der Basalmembran im direkten Immunfluoreszenztest an der Nierenbiopsie des Patienten) in 60 %, bei zusätzlicher Lungenbeteiligung in 80–90 % der Fälle im Serum nachweisen. Eine Reaktion der Goodpasture-Seren mit der Basalmembran der Lungenalveolen sieht man nur in Ausnahmefällen.
In vielen Fällen eines aktiven Goodpasture-Syndroms mit positivem Nachweis der Antikörper gegen die Basalmembran in der Biopsie findet man keine Antikörper im Serum; der negative serologische Befund darf daher nicht als Ausschluss eines Goodpasture-Syndroms gewertet werden. Es wird angenommen, dass in diesen Fällen die gebildeten Autoantikörper vom betroffenen Gewebe absorbiert wurden.
Ein grenzwertiges Testergebnis ist zurückhaltend zu interpretieren, damit infolge einer diagnostischen Unsicherheit keine unnötigen Folgeuntersuchungen veranlasst werden. Der klinische Verlauf des Goodpasture-Syndroms korreliert mit der Konzentration der Autoantikörper gegen glomeruläre Basalmembran. Hohe Antikörpertiter weisen auf eine ungünstige Entwicklung hin. Bei negativem Befund und weiter bestehendem Verdacht auf eine Anti-GBM-Glomerulonephritis ist eine Nierenbiopsie angezeigt.
Literatur
Bolton WK, Chen L, Hellmark T, Fox J, Wieslander J (2005) Molecular mapping of the Goodpasture’s epitope for glomerulonephritis. Trans Am Clin Climatol Assoc 116:229–236, discussion 237–238PubMedPubMedCentral
Hellmark T, Johannson C, Wieslander J (1994) Characterization of anti-GBM antibodies involved in Goodpasture’s syndrome. Kidney Int 46:823–829CrossRefPubMed
Mastroianni-Kirsztajn G, Hornig N, Schlumberger W (2015) Autoantibodies in renal diseases – clinical significance and recent developments in serological detection. Front Immunol 6:221CrossRefPubMedPubMedCentral