Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und W. Schlumberger

Autoantikörper gegen Histone

Autoantikörper gegen Histone
Synonym(e)
Histon-Antikörper; Anti-Histon-Antikörper
Englischer Begriff
autoantibodies against histones; anti-histone antibodies
Definition
Histone sind basische, DNA-assoziierte Proteine mit einer Molmasse zwischen 11,2 und 21,5 kDa. Man unterscheidet 5 verschiedene Histonfraktionen: H1, H2A, H2B, H3 und H4. Autoantikörper können gegen jede der 5 Fraktionen gerichtet sein.
Funktion – Pathophysiologie
Histone sind basische Kernproteine mit einer hohen Affinität zur DNA.
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2  Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
In der indirekten Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) zeigen HEp-2-Zellen bei Anwesenheit von Antikörpern gegen Histone eine homogene Fluoreszenz der Zellkerne. Die kondensierten Chromosomen der mitotischen Zellen sind betont. Auf der Primatenleber ist eine homogene, zum Teil aber auch eine grob- bis feinschollige Fluoreszenz der Zellkerne zu beobachten. Die Kinetoplasten des Flagellaten Crithidia luciliae werden durch Antikörper gegen Histone nicht angefärbt.
Bei positivem Resultat in der indirekten Immunfluoreszenz können monospezifische Testsysteme (Enzyme-linked Immunosorbent Assay, Chemilumineszenz-Immunoassay, Immunblot), die hochgereinigte Histone als Testantigene enthalten, zur genaueren Identifizierung verwendet werden.
Referenzbereich – Erwachsene
Negativ.
Referenzbereich – Kinder
Negativ.
Indikation
Antikörper gegen eine oder mehrere Histonfraktionen oder gegen den H2A-H2B-Komplex weisen auf medikamentös (Procainamid, Hydralazin und andere) induzierten Lupus erythematodes hin.
Darüber hinaus kommen Antikörper gegen Histone bei ca. 50 % der Patienten mit nicht medikamentös induziertem Lupus erythematodes sowie bei 15–50 % der Patienten mit rheumatoider Arthritis vor.
Interpretation
Etwa 50–75 % der mit Procainamid und etwa 25–30 % der mit Hydralazin behandelten Patienten entwickeln bei Dauertherapie antinukleäre Antikörper, anfangs ohne Symptome eines Lupus erythematodes – bei einem Drittel dieser Patienten richten sich die Antikörper auch gegen Histone. Nach unterschiedlich langer Therapie zeigen die Patienten dann klinische Zeichen eines medikamentös induzierten Lupus erythematodes: Polyarthralgie, Pleuritis, Perikarditis. Die antinukleären Antikörper können nach Absetzen der Medikamente und dem Verschwinden der klinischen Symptome jahrelang persistieren.
Diagnostische Wertigkeit
Antikörper gegen eine oder mehrere Histonfraktionen oder gegen den H2A-H2B-Komplex sind ein konstanter Befund bei medikamentös (Procainamid, Hydralazin und andere) induziertem Lupus erythematodes.
Literatur
Bernstein RM, Hobbs RN, Lea DJ et al (1985) Patterns of antihistone antibody specificity in systemic rheumatic disease. I Systemic lupus erythematosus, mixed connective tissue disease, primary sicca syndrome, and rheumatoid arthritis with vasculitis. Arthritis Rheum 28:285–293CrossRefPubMed