Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und J. Fraune

Autoantikörper gegen IgLON5

Autoantikörper gegen IgLON5
Synonym(e)
IgLON5-Autoantikörper; Anti-IgLON5-Antikörper
Englischer Begriff
IgLON5 autoantibodies; anti-IgLON5 antibodies
Definition
Autoantikörper gegen „IgLON family member 5“ (IgLON5), einem Zelladhäsionsprotein.
Pathophysiologie
IgLON5 gehört zur Ig-Superfamilie und ist ein neuronales Zelladhäsionsprotein. Die Funktion des Proteins ist bislang unbekannt. Autoantikörper gegen IgLON5 sind mit einer neuen Form der Parasomnie mit Atemstörungen assoziiert. Neuropathologisch weist die Erkrankung den Verlust von Neuronen und Ansammlungen von hyperphosphoryliertem Tau-Protein auf, insbesondere im Bereich des Tegmentums (Hirnstamm) und des Hypothalamus (Tauopathie). Zellkulturexperimente mit hippocampalen Neuronen haben gezeigt, dass die Antikörper eine irreversible Abnahme der Oberflächendichte des IgLON5 verursachen.
Untersuchungsmaterial
Serum und Liquor.
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Autoantikörper gegen IgLON5 lassen sich mithilfe der indirekten Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) bestimmen: Bei einem positiven Befund reagiert die Molekularschicht auf den Substraten Kleinhirn (s. folgende Abbildung) und Hippocampus. Die Körnerschicht des Kleinhirns zeigt eine fleckige Fluoreszenz.
Autoantikörper gegen IgLON5, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat Kleinhirn (Ratte):
Zum monospezifischen Nachweis der Autoantikörper eigenen sich transfizierte HEK-Zellen, die rekombinantes IgLON5 exprimieren (s. Abbildung).
Autoantikörper gegen IgLON5, indirekte Immunfluoreszenz mit Substrat transfizierte Zellen:
Diagnostische Wertigkeit
Antikörper gegen IgLON5 sind Marker eines eigenständigen neurologischen Syndroms, dass 2014 erstmals beschrieben wurde. Das Anti-IgLON5-Syndrom zeichnet sich durch abnormales Schlafverhalten und obstruktive Schlafapnoe aus. Weitere Symptome können u. a. Gangstörungen, Ataxie, Dysphagie und Dysarthrie sein. Oft endet die Erkrankung tödlich.
Das Syndrom nimmt für gewöhnlich einen langwierigen, verzögerten Verlauf und wurde in den bekannten Fällen meist erst spät diagnostiziert. Die Immuntherapie brachte zu diesem Zeitpunkt keine entscheidende Besserung mehr. Es ist anzunehmen, dass eine schnelle Diagnose und umgehende Behandlung den Verlust des IgLON5 aufhalten könnte. Ob dies auch zu einer Besserung der Tauopathie und einer höheren Überlebenschance führt, ist bisher ungeklärt. Als Screeningmethode für die parallele Untersuchung wichtiger Antikörper gegen neuronale Autoantigene ist die indirekte Immunfluoreszenz von großer Bedeutung.
Literatur
Sabater L, Gaig C, Gelpi E, Bataller L, Lewerenz J, Torres-Vega E, Contreras A, Giometto B, Compta Y, Embid C, Vilaseca I, Iranzo A, Santamaría J, Dalmau J, Graus F (2014) A novel non-rapid-eye movement and rapid-eye-movement parasomnia with sleep breathing disorder associated with antibodies to IgLON5: a case series, characterisation of the antigen, and post-mortem study. Lancet Neurol 13:575–586CrossRefPubMedPubMedCentral
Sabater L, Planagumà J, Dalmau J, Graus F (2016) Cellular investigations with human antibodies associated with the anti-IgLON5 syndrome. J Neuroinflammation 13:226CrossRefPubMedPubMedCentral
Simabukuro MM, Sabater L, Adoni T, Cury RG, Haddad MS, Moreira CH, Oliveira L, Boaventura M, Alves RC, Soster LA, Nitrini R, Gaig C, Santamaría J, Dalmau J, Graus F (2015) Sleep disorder, chorea, and dementia associated with IgLON5 antibodies. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm 2(4):3136CrossRef