Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Autoantikörper gegen Kollagen

Autoantikörper gegen Kollagen
Synonym(e)
Kollagen-Antikörper
Englischer Begriff
autoantibodies to collagen
Definition
Autoantikörper gegen Kollagen umfassen eine Gruppe von Antikörpern, die gegen verschiedene Kollagentypen gerichtet sein können. Diese sind mit unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen assoziiert.
Funktion – Pathophysiologie
Kollagene sind eine heterogene Proteinklasse, zu der (bis heute) 25 verschiedene Kollagentypen gezählt werden. Ihre Funktion besteht vornehmlich in der Strukturbildung der extrazellulären Matrix.
Untersuchungsmaterial
Serum, Plasma.
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Autoantikörper gegen citrulliniertes Kollagen II werden im Enzyme-linked Immunosorbentassay untersucht, teilweise unter Verwendung rekombinanter Antigene. Antikörper gegen glomeruläre Basalmembran, Kollagen VII und gegen Kollagen XVII bestimmt man durch ELISA, Immunblot und indirekte Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte). Autoantikörper gegen Kollagen VII zeigen mit Gefrierschnitten humaner Spalthaut („1M NaCl-split human skin“) eine Reaktion der Basalmembran am Blasenboden, bei Autoantikörpern gegen Kollagen XVII reagiert die Basalmembran im Bereich des Blasendachs.
Referenzbereich – Erwachsene
Negativ.
Referenzbereich – Kinder
Negativ.
Indikation
Mehrere Kollagentypen standen im Verdacht, Zielantigene verschiedener Autoimmunerkrankungen zu sein. Gesichert ist das heute nur für folgende Strukturen:
  • Kollagen II. Gehört zu den fibrillären Kollagenen. Autoantikörper gegen das intakte native Kollagen II finden sich in geringer Prävalenz bei rheumatoider Arthritis (10–20 %). Die Nachweisrate steigt auf 70 %, wenn man die Argininbausteine des für die Analytik verwendeten Kollagens II durch Citrullin ersetzt (in der Pathogenese der rheumatoiden Arthritis geht diese Umsetzung in entzündetem Gewebe unter Mitwirkung des Enzyms Peptidyl-Arginin-Deiminase vonstatten). Die Citrullinierung findet an den carboxyterminalen Telopeptiden statt. Entsprechende Tests haben sich bisher gegenüber der Bestimmung der Autoantikörper gegen citrullinierte Peptide nicht durchgesetzt (s. dort).
  • Kollagen IV bei Goodpasture-Syndrom. Zielstruktur ist die globuläre NC1-Domäne des Kollagens IV, sie wird üblicherweise als GBM-(glomeruläre Basalmembran-)Antigen bezeichnet. Autoantikörper gegen glomeruläre Basalmembran beweisen das Goodpasture-Syndrom.
  • Kollagen VII bei Epidermolysis bullosa acquisita (EBA). Es ist Hauptbestandteil der Ankerfibrillen, durch die im Bereich der Basalmembran die Epidermis mit der Dermis verbunden wird. Die Autoantikörper haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Pathogenese: Nach Bindung an die Zielstrukturen aktivieren sie den alternativen Komplementweg und rufen die Bildung von Blasen hervor. Die Bestimmung dieser Antikörper dient der Abgrenzung der EBA von der genetisch bedingten dystrophischen Epidermolysis bullosa, die durch ein abnormes oder fehlendes Kollagen VII verursacht wird.
  • Kollagen XVII = BP180, eines der Zielantigene bei bullösem Pemphigoid (Autoantikörper bei bullösen Autoimmundermatosen) und Pemphigoid gestationis (Autoantikörper gegen epidermale Basalmembran).
Diagnostische Wertigkeit
Es ist nicht mehr zeitgemäß, im Labor die Bestimmung der „Antikörper gegen Kollagen“ global anzufordern, insbesondere da die Indikation unterschiedliche Bereiche der Medizin betreffen kann: Rheumatologie, Nephrologie und Dermatologie.