Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und C. Krüger

Autoantikörper gegen p53

Autoantikörper gegen p53
Synonym(e)
p53-Antikörper; Autoantikörper gegen den Tumorsuppressorfaktor p53
Englischer Begriff
antibodies to p53
Definition
p53 ist ein Protein, das als Transkriptionsfaktor im Zellkern an der Übermittlung proliferationshemmender und proapoptotischer Signale beteiligt ist. Es kann Zellen vor maligner Entartung schützen und das Entstehen von Tumoren verhindern. p53 ist das Produkt eines Tumorsuppressorgens. Diese Gene kodieren Proteine, die das Zellwachstum inhibieren und stellen somit ein Gegengewicht zu den proliferationsaktivierenden Protoonkogenen dar.
Das p53-Gen ist das am häufigsten in menschlichen Tumoren mutierte Tumorsuppressorgen. Mutationen des p53-Gens führen zur Akkumulation des Proteins in der Zelle.
Funktion – Pathophysiologie
In seiner mutierten Form kann sich p53 an verschiedene zelluläre Proteine binden (z. B. an Hitzeschockproteine). Es ist dann in einigen Fällen auch im Blut nachweisbar. Dies ist eventuell die Ursache dafür, dass es bei Patienten mit verschiedenen malignen Erkrankungen zur Bildung von Autoantikörpern gegen (mutiertes) p53 kommen kann, wie etliche Studien belegen.
Außer bei Tumoren kommen Anti-p53-Antikörper (seltener) auch bei einigen nicht malignen Erkrankungen vor, etwa bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen: systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Granulomatose mit Polyangiitis (veraltet: Wegener-Granulomatose) oder Morbus Basedow. Beim Nachweis von Anti-p53-Antikörpern muss jedoch immer ein möglicherweise nicht entdeckter Tumor als Ursache in Betracht gezogen werden.
Untersuchungsmaterial
Serum.
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Enzyme-linked Immunosorbent Assay mit p53 als Zielantigen.
Referenzbereich – Erwachsene
Negativ.
Referenzbereich – Kinder
Negativ.
Indikation
Autoantikörper gegen p53 können bei vielen malignen Erkrankungen nachgewiesen werden, sie dienen als Marker für Diagnose, Prognose und Therapieverlauf.
Bei Tumorpatienten mit Mutationen im p53-Gen ist die Prävalenz besonders hoch, sie beträgt 30–50 %.
Diagnostische Wertigkeit
Die Bestimmung der Anti-p53-Autoantikörper ermöglicht in Einzelfällen die Frühdiagnostik von Kolon-, Ovarial- und Leberkarzinomen. Da das Auftreten der Autoantikörper in den meisten Fällen auf eine bösartige Erkrankung hinweist, eignet sich dieser Parameter auch zur Überwachung von Risikopatienten, wie z. B. starken Rauchern, Patienten mit langjährigen kolorektalen Adenomen und Verdacht auf ein Kolonkarzinom, Personen, die mit kanzerogenen Stoffen arbeiten oder die ein genetisch bedingtes Tumorrisiko (z. B. für ein Lungen-, Leber- oder Mammakarzinom) tragen.
Literatur
Crawford LV, Pim DC, Bulbrook RD (1982) Detection of antibodies against the cellular protein p53 in sera from patients with breast cancer. Int J Cancer 30:403–408CrossRefPubMed
Soussi T (2000) p53 Antibodies in the sera of patients with various types of cancer: a review. Cancer Res 60:1777–1788PubMed