Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. Kleesiek, C. Götting, J. Diekmann, J. Dreier und M. Schmidt

Blutgruppe

Blutgruppe
Englischer Begriff
blood group; blood type
Definition
Eine Blutgruppe wird durch die individuelle Zusammensetzung spezifischer Strukturen auf der Oberfläche der Erythrozyten von höheren Lebewesen definiert, die in ihrer Gesamtheit als erythrozytäre Blutgruppenantigene (s. Blutgruppenantigene, erythrozytäre) bezeichnet werden. Bei diesen Antigenen handelt es sich um Makromoleküle wie Proteine, Kohlenhydrate, Glykoproteine oder Glykolipide.
Beschreibung
Biochemisch handelt es sich bei den Blutgruppenantigenen meist um kohlenhydratreiche Glykoproteine, bestehend aus einem Heterosaccharid aus Fukose und Galaktose und aus Acetylglukosamin und Galaktosamin sowie aus einem über N-Acetylgalaktosamin daran gebundenen Polypeptid. Der Träger der immunologischen Spezifität dieser an die Zelloberfläche gebundenen Substanzen ist die N-terminale Gruppierung der Polysaccharidkette. Das Zusammentreffen mit korrespondierenden, natürlich im Serum von Personen anderer Blutgruppenzugehörigkeit vorhandenen Antikörpern (s. Antikörper) oder mit Blutgruppenantikörpern als Produkt einer Sensibilisierung führt zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion.
Beim Menschen gibt es eine Vielzahl verschiedener Blutgruppensysteme, davon sind 30 bei der Internationalen Gesellschaft für Bluttransfusion (International Society of Blood Transfusion; ISBT) anerkannt und beschrieben. Die wichtigsten Blutgruppensysteme sind das AB0-Blutgruppensystem und das Rhesus-Blutgruppensystem. Diese zwei sind wegen ihrer hohen Immunogenität bzw. starken Agglutinationswirkung von besonderer transfusionsmedizinischer Bedeutung.
Literatur
Mueller-Eckhardt C, Kiefel V (Hrsg) (2004) Transfusionsmedizin: Grundlagen – Therapie – Methodik, 3. Aufl. Springer, Berlin/Heidelberg/New York
The Bristol Institute for Transfusion Sciences and The International Blood Group Reference Laboratory. http://​ibgrl.​blood.​co.​uk/