Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. Kleesiek, C. Götting, J. Diekmann, J. Dreier und M. Schmidt

Blutgruppenbestimmung

Blutgruppenbestimmung
Englischer Begriff
blood typing; blood grouping techniques
Definition
Durch eine Blutgruppenbestimmung erfolgt die serologische Charakterisierung der Blutgruppenantigene mittels spezifischer Antikörper. Die AB0-Blutgruppenmerkmale (AB0-Blutgruppensystem) sollten mit monoklonalen Testreagenzien Anti-A1 und Anti-B bestimmt und das Ergebnis durch den Nachweis der Serumeigenschaften mit Testerythrozyten der Blutgruppe A1, A2, B und 0 bestätigt werden. Die Bestimmung ist nur gesichert, wenn sowohl die Erythrozytenmerkmale als auch die korrespondierenden Serumeigenschaften untersucht worden sind und sich im Ergebnis entsprechen. Folgende Techniken zur Darstellung einer Agglutination/Präzipitation werden benutzt:
Die Qualitätssicherung umfasst regelmäßige interne und externe Qualitätskontrollen gemäß den „Richtlinien der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung in der Immunhämatologie“ in der jeweils gültigen Fassung. Dazu gehört, dass die Wahl der Untersuchungsmethode für eine Blutgruppenbestimmung den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik berücksichtigen muss. Die Eignung der durchgeführten Verfahren wird regelmäßig dokumentiert. Bei manuellen Bestimmungen von blutgruppenserologischen Befunden sind diese im Regelfall durch eine Zweitablesung einer anderen qualifizierten Person zu kontrollieren. Auch bei einer maschinellen Bestimmung sind die Richtlinien der Qualitätskontrolle zu beachten. Bei allen klinisch unklaren Befunden ist der Verantwortliche der Blutgruppenserologie heranzuziehen.
Funktion
Eine Blutgruppenbestimmung ist zur Vorbereitung einer Bluttransfusion bei Probanden erforderlich. Der Untersuchungsumfang ist abhängig von der Fragestellung und umfasst in der immunhämatologischen Diagnostik in der Regel mindestens die Bestimmung der AB0-Blutgruppenmerkmale, die korrespondierenden Serum-/Plasmaeigenschaften und das Rhesus-D-Merkmal. Eine erweiterte Blutgruppenbestimmung schließt den kompletten Rhesus-Phänotyp (Rhesus-Merkmale c, C, D, e, E [Rh-Formel]) sowie weiterer Blutgruppenmerkmale und Antigene (Blutgruppensysteme) ein. Ein Antikörpersuchtest ist Bestandteil der Blutgruppenbestimmung.
Interpretation
Das Ergebnis der Blutgruppenbestimmung wird im immunhämatologischen Befund formuliert. Der Befund enthält das Ergebnis der AB0-Blutgruppenmerkmale, des Rhesus-Faktors (RhD; s. Rhesus-Faktor), die Rhesus-Formel und ggf. andere Blutgruppenmerkmale. Darüber hinaus werden die Ergebnisse des Antikörpersuchtests sowie ggf. nachgewiesene irreguläre erythrozytäre Antikörper mit Angabe des Antikörpertiters und Vorgaben zur resultierenden transfusionsmedizinischen Relevanz mitgeteilt.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Blutgruppenserologische Untersuchungen erfordern eine nur für diesen Zweck bestimmte und geeignete Blutprobe (Vollblut/EDTA-Vollblut). Nach Abschluss der Untersuchungen ist das Probenmaterial (Originalröhrchen) mindestens 10 Tage gekühlt (+4 °C bis +8 °C) aufzubewahren. Für die serologische Diagnostik kann das Untersuchungsmaterial Serum durch EDTA-Plasma ersetzt werden.
Probenstabilität
Proben für Blutgruppenbestimmungen können bei +4 °C bis zu 4 Wochen aufbewahrt werden, wenn die Erythrozyten vom Serum/Plasma getrennt sind (z. B. Trenngel, Trennfilter). Eingefrorene Serum-/Plasmaproben sind bei <−20 °C über Monate und Jahre hinweg haltbar. Antikoagulierte Erythrozyten können für immunhämatologische Untersuchungen bei +4 °C bis zu 4 Wochen aufbewahrt werden.
Literatur
American Association of Blood Banks (2014) Technical manual, 18. Aufl.
Bundesärztekammer (2005) Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie), Aufgestellt gemäß Transfusionsgesetz von der Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut, Zweite Richtlinienanpassung 2010. Deutscher Ärzteverlag, Köln
Eckstein R, Zimmermann R (2015) Immunhämatologie und klinische Transfusionsmedizin. Urban & Fischer/Elsevier Verlag
Gesetz zur Regelung des Transfusionswesens (Transfusionsgesetz) –TFH (1998) Bundesgesetzblatt (Inkrafttreten der letzten Änderung: November 2016)
Kiefel V (Hrsg) (2010) Transfusionsmedizin: Grundlagen – Therapie – Methodik, 4. Aufl. Springer, Berlin/Heidelberg/New York