Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Brain natriuretic peptide

Brain natriuretic peptide
Synonym(e)
B-Typ-natriuretische Peptide
Englischer Begriff
brain natriuretic peptide
Definition
Brain natriuretic peptide (BNP) gehört zur Gruppe der natriuretischen Peptide (s. Natriuretische Peptide), deren Hauptfunktionen die Reduktion des Plasmavolumens und die Senkung des Blutdrucks sind.
Struktur
Polypeptid bestehend aus 32 Aminosäuren.
Molmasse
3,5 kDa.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Natriuretische Peptide.
Funktion – Pathophysiologie
Natriuretische Peptide.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
EDTA-Blut oder Plasma in Plastikgefäßen. Die Blutentnahme sollte unter Ruhebedingungen stattfinden, da körperliche Belastung zu einem BNP-Anstieg führen kann.
Probenstabilität
4–24 Stunden bei Raumtemperatur abhängig vom verwendeten Testsystem, in EDTA bis zu 30 Tagen bei 20 °C, konzentrationsabhängige Stabilität bei −20 °C und −80 °C: Werte <100 pg/mL stabil für 1 Jahr, bei Werten ≥100 pg/mL durch Degradation 2 % Konzentrationsabfall/Monat.
Analytik
Für die BNP-Bestimmung werden, neben klassischem Radioimmunoassay und manuellen Immunoassays, heute vor allem verschiedene automatisierte Fluoreszenz- und Chemilumineszenz-Immunoassays verwendet. Daneben existieren auch Point-of-Care-Methoden. Die Bestimmung ist nicht standardisiert, sodass Ergebnisse der einzelnen Testsysteme nicht direkt miteinander verglichen werden können.
Konventionelle Einheit
pg/mL.
Internationale Einheit
pmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
pg/mL × 0,286 = pmol/L.
Referenzbereich – Erwachsene
Der Referenzbereich ist abhängig von Alter, Geschlecht, Nierenfunktion und der verwendeten Methode. Trotz fehlender Standardisierung werden von internationalen Fachgesellschaften einheitliche Cut-off-Werte für die Ausschlussdiagnostik bei Herzinsuffizienz angegeben: Ausschluss nicht akute (chronische) Herzinsuffizienz <35 pg/mL, Ausschluss akute Herzinsuffizienz <100 pg/mL.
Indikation
Ausschlussdiagnostik Herzinsuffizienz, Differenzialdiagnose der Dyspnoe, Diagnose der linksventrikulären Dysfunktion, Prognose und Therapiemonitoring der chronischen Herzinsuffizienz, Therapieindikation für Neprilysin, Risikostratifikation beim akuten Koronarsyndrom.
Interpretation
Zur Abgrenzung einer kardial von einer pulmonal verursachten Dyspnoe weist BNP einen hohen negativen prädiktiven Wert von >90–95 % auf.
Diagnostische Wertigkeit
BNP weist eine hohe Sensitivität (Sensitivität, diagnostische) und Spezifität (Spezifität, diagnostische) von jeweils >95 % für die Diagnose der chronischen Herzinsuffizienz auf. Bei akuter Herzinsuffizienz besteht eine hohe Sensitivität von 95 %, bei moderater Spezifität. Anhand des BNP-Werts kann die Prognose bei chronischer Herzinsuffizienz und eine drohende Verschlechterung des funktionellen Status abgeschätzt werden. Erste Studienergebnisse weisen BNP auch als geeigneten Marker zum Therapiemonitoring bei chronischer, systolischer Herzinsuffizienz aus. Als Screening-Untersuchung für Herzinsuffizienz wird BNP dagegen nicht empfohlen.
Literatur
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Yancy CW, Jessup M, Bozkurt B et al (2013) 2013 ACCF/AHA guideline for the management of heart failure. J Am Coll Cardiol 62:e147–e239CrossRefPubMedPubMedCentral