Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Baum

Brillantkresylblaufärbung

Brillantkresylblaufärbung
Definition
Vitalfärbung der Substantia reticulogranulofilamentosa in Retikulozyten.
Physikalisch-chemisches Prinzip
Der basische Farbstoff Brillantkresylblau färbt in Retikulozyten (jugendlichen Erythrozyten) die präzipitierten Nukleinsäuren (RNA) an. Dazu wird zu gleichen Teilen Blut und Farbstoff gemischt, mindestens 15 Minuten inkubiert und auf einem Objektträger ausgestrichen. Nach Lufttrocknung erfolgt die Auszählung der gefärbten Retikulozyten unter dem Mikroskop mit 1000-facher Vergrößerung.
Einsatzgebiet
Retikulozytenzählung.
Untersuchungsmaterial
EDTA-Blut, Kapillarblut.
Fehlermöglichkeit
Eisenhaltige Granula (Siderosomen) werden ebenfalls angefärbt, sodass bei Vermehrung von Siderozyten falsch hohe Retikulozytenwerte resultieren können. Zudem färben sich Heinz-Körper (Heinz-Innenkörper), Howell-Jolly-Körper und Plasmodien ebenfalls an.
Praktikabilität – Automatisierung – Kosten
Es handelt sich um eine einfach durchzuführende Handmethode. Sie ist nicht automatisierbar, die Kosten für Reagenzien und andere Materialien sind gering.
Bewertung – Methodenhierarchie (allg.)
Die Färbung der Erythrozyten mit der Brillantkresylblaufärbung dient dem Nachweis von Retikulozyten. Aufgrund der hohen Unpräzision dieser Handmethode (intralaboratorieller VK etwa 25 %) und der subjektiven Zuordnung der untersuchten Zellen ist die Methode in ihrer Zuverlässigkeit stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängig.
Literatur
Thomas L (2012) Retikulozytenzahl und -indices. In: Thomas L (Hrsg) Labor und Diagnose, 8. Aufl. TH-Books Verlagsgesellschaft, Frankfurt, S 852–861