Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Caffein-Eliminationstest

Caffein-Eliminationstest
Synonym(e)
Koffeinbelastungstest
Englischer Begriff
caffeine elimination test, caffeine clearance test
Definition
Quantitativer Leberfunktionstest, bei dem nach oraler Verabreichung von Caffein (engl. für Coffein) dessen Eliminationsrate aus der Zirkulation, die nahezu ausschließlich von der funktionellen Leberzellmasse bestimmt ist, gemessen wird.
Durchführung
Nach Applikation von 280 mg Caffein oral oder 125 mg Caffein intravenös wird in seriell entnommenen Blutproben die Caffeinkonzentration im Serum zur Berechnung der Caffeinclearance gemessen. Eine Messung von Caffein im Speichel ist möglich (Saliva-Variante). Die Variante des 13C-Caffein-Atemtests misst nach oraler Aufnahme die Menge des exhalierten 13CO2.
Halbwertszeit
2–5 Stunden.
Funktion – Pathophysiologie
Oral aufgenommenes Caffein (1,3,7-Trimethylxanthin) wird vollständig intestinal resorbiert und zu 97 % in der Leber metabolisiert. Die Proteinbindung ist relativ gering (ca. 40 %). Wie bei Aminopyrin erfolgt durch Cytochrom P450-abhängige mikrosomale Oxigenasen (im Wesentlichen durch CYP1A2) eine N-Demethylierung zu renal eliminiertem Methylxanthin und zu exhaliertem CO2. Die Caffeinclearance ist verlängert bei Patienten mit ausgeprägter Leberzellinsuffizienz (bis zu 20 Stunden).
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, Speichel (Saliva).
Präanalytik
Patient sollte 12 Stunden nüchtern sein und 30 Minuten vor Caffeinapplikation liegen.
Analytik
Die Caffeinbestimmung kann mit Enzymimmunoassay, Gaschromatographie oder Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographie (HPLC) erfolgen.
Referenzbereich – Erwachsene
Plasmaclearance: >2 mL/kg KG/min, altersabhängige Abnahme.
Referenzbereich – Kinder
s. Erwachsene.
Indikation
Diagnose, Verlaufskontrolle und Feststellung des Schweregrads einer Leberinsuffizienz im Rahmen fortschreitender chronischer Lebererkrankungen.
Interpretation
Die Clearance ist reduziert bei ausgeprägter Leberzellinsuffizienz, jedoch bei milden und frühen Lebererkrankungen noch normal.
Ob der Funktionstest eine prognostische Zusatzinformation gegenüber klinischen Parametern (z. B. Child-Turcotte-Pugh-Score) bietet, ist kontrovers. Gegenüber dem vergleichbaren Aminopyrinatemtest hat er den Vorteil der Nichtradioaktivität. Die Caffeinclearance ist vermindert bei fortgeschrittenem Alter und Patienten mit Cimetidinmedikation. Beschleunigungen der Clearance finden sich bei Rauchern und bei Komedikation mit Rifampin, Carbamazepin, Kontrazeptiva und hohen Dosen von Omeprazol.
Diagnostische Wertigkeit
Der klinische Einsatz des Caffeineliminationstests ist begrenzt.
Literatur
Park GJH, Katelaris PH, Jones DB et al (2003) Validity of the 13C-caffeine breath test as a noninvasive, quantitative test of liver function. Hepatology 38:1227–1236CrossRefPubMed