Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
S. Holdenrieder und P. Stieber

Carbohydrate antigen 125

Carbohydrate antigen 125
Synonym(e)
CA 125; Cancer Antigen 125
Englischer Begriff
carbohydrate antigen 125
Definition
Carbohydrate antigen 125 ist ein 200 kDa schweres Glykoprotein und neben Carbohydrate antigen 19-9 der zweite Hybridom-definierte Tumormarker.
Struktur
CA 125 ist vermutlich ein Glykoprotein, bei dem N-Acetylneuraminsäure in a-2-6-Bindung an ein internes N-Acetylglukosamin als Teil des CA-125-Epitops gebunden ist.
Molmasse
200 kDa.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Physiologisch kommt CA 125 im Fetalgewebe von Zölomepithelderivaten sowie in serösen und anderen nicht muzinösen Ovarialkarzinomen vor, ferner in Grenzzellen und Mesothelzellen von Peritoneum, Pleura und Perikard.
Halbwertszeit
4–6 Tage.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Plasma, Serum, Liquor.
Analytik
Enzymimmunoassay (EIA), Radioimmunoassay (RIA), Immunradiometrischer Assay (IRMA), Elektrochemilumineszenz-Immunoassay (ECLIA), insbesondere unter Verwendung monoklonaler Antikörper.
Konventionelle Einheit
kU/L.
Referenzbereich – Erwachsene
Serum: Median 13,9 kU/L; 95 %-Perzentile 31,5 kU/L (methodenabhängig).
Indikation
  • Verdacht auf Ovarialkarzinom
  • Therapiekontrolle und Nachsorge beim Ovarialkarzinom
Interpretation
Die meisten CA-125-Assays sind für die Anwendung im Serum und Plasma ausgetestet.
CA 125 weist weder eine eindeutige Tumor- noch eine Organspezifität auf. Sehr hohe Konzentrationen (>10.000 kU/L) werden zwar meist bei Ovarialkarzinomen beobachtet, doch können Karzinome des Gastrointestinaltrakts, der Lunge oder der Brust z. T. ebenfalls deutlich erhöhte CA-125-Konzentrationen hervorrufen.
Differenzialdiagnostisch relevante benigne Erkrankungen wie gutartige gynäkologische Tumoren und entzündliche Prozesse im Bereich der Adnexe können ebenso Ursache (stark) erhöhter CA-125-Werte sein. Geringfügige CA-125-Erhöhungen finden sich außerdem im ersten Tertial der Gravidität, bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen, Hepatitiden und chronischen Pankreatitiden, Leberzirrhosen, Herz- und Niereninsuffizienz sowie bei weiteren benignen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts und der Lunge, die mit einer Reizung des Peritoneums (z. B. durch Aszites) oder der Pleura (z. B. durch Pleuraerguss) einhergehen.
Neuere Studien zeigen eine additive Sensitivität von CA 125 mit dem Human Epidydimis 4-(HE4-)Marker für das Ovarialkarzinom. HE4 ist seltener bei differenzialdiagnostisch relevanten benignen gynäkologischen Erkrankungen erhöht, was zu einer höheren Spezifität insbesondere bei prämenopausalen Frauen beiträgt. Die Kombination von CA 125 und HE4 ist im Risk of ovarian malignancy algorithm (ROMA) als neuer Parameter zusammengefasst, der für prä- und postmenopausale Frauen mit getrennten Formeln berechnet wird.
Diagnostische Wertigkeit
Ovarialkarzinom: Differenzialdiagnose, Prognose, Therapiemonitoring, Rezidiverkennung.
Literatur
Lamerz R (2012) CA 125. In: Thomas L (Hrsg) Labor und Diagnose, 8. Aufl. TH-Books, Frankfurt am Main, S 1634–1639
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