Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Fiedler

Chelate

Chelate
Synonym(e)
Komplexone; Chelatkomplexe
Englischer Begriff
chelates; chelating agents
Definition
Chelate sind Durchdringungskomplexe, bei denen ein zentrales Atom (Metallion) unter Ausbildung mehrerer Bindungen von einem oder mehreren mehrzähnigen Molekülen ringartig, wie von einer Krebsschere (chele), umgeben ist.
Beschreibung
Die an der Komplexbildung beteiligten Gruppen sind funktionell verschieden, wie beispielsweise die Amino- und Carboxylgruppen von Aminosäuren oder Ethylendiamintetraessigsäure. Wichtige mehrzähnige Liganden sind Proteine, Polysaccharide, Nukleinsäuren, Porphyrine, Glutaminsäure und Histidin. Nach Bildung des Durchdringungskomplexes ist der Unterschied zwischen der Bindungsstärke der verschiedenen Gruppen aufgehoben, wodurch die Stabilität des Komplexes durch geringere Entropieabnahme deutlich erhöht wird.
Beispiele und Anwendungen von Chelaten:
  • Hämoglobin, Zytochrome, Vitamin B12 und Calmodulin
  • Photometrische Bestimmung (Komplexometrie) von Schwermetallen als Chelatkomplexe, während titrimetrische Analysen kaum noch angewendet werden
  • EDTA (Antikoagulantien) und ähnliche Komplexbildner für die Plasmagewinnung
  • Natriumcitrat für Gerinnungsanalysen
  • Chelationstherapie wird nur für wenige toxische Metalle empfohlen, wie Ca-EDTA für Blei und Dimercaprol für Quecksilber. Die in der Alternativmedizin empfohlene „Ausleitung“ zur Prävention der Atherosklerose wird wegen zahlreicher Nebenwirkungen (Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Nierenversagen) strikt abgelehnt.