Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Chlamydia pneumoniae

Chlamydia pneumoniae
Englischer Begriff
Chlamydia pneumoniae
Beschreibung des Erregers
Der Erreger Chlamydia pneumoniae gehört neben Chlamydia trachomatis und Chlamydia psittaci zu den humanpathogenen Chlamydienarten. Sie sind gramnegativ und zählen zu den kleinsten obligat intrazellulär lebenden Bakterien. Ihr Stoffwechsel nutzt vor allem das Adenosintriphosphat der Wirtszelle. Ihr einzigartiger Entwicklungszyklus spielt in Diagnostik, Therapie und Pathogenese eine wichtige Rolle. Für Chlamydia pneumoniae gilt seit einigen Jahren der Gattungsname Chlamydophila, der sich allerdings noch nicht überall durchgesetzt hat.
Erkrankungen
Chlamydia pneumoniae ruft Infektionen des oberen Respirationstrakts und Pneumonien hervor. Es wird über eine Rolle in der Pathogenese der koronaren Herzerkrankung diskutiert. Der Erreger wurde im Jahr 1986 entdeckt. Er kommt weltweit vor, ist ausschließlich humanpathogen und wird durch Aerosole übertragen. Die Serokonversion wird meistens im Alter zwischen 5–15 Jahren beobachtet. Über 50 % aller Erwachsenen haben eine Infektion durchgemacht und sind gegenüber dem Erreger seropositiv. Bis heute gibt es keine Impfung gegen Chlamydien. Nachgewiesene Infektionen werden wirksam mit bestimmten Antibiotika, verabreicht über 7–14 Tage, behandelt.
Analytik
Direktnachweise durch Nukleinsäureamplifikationsverfahren (z. B. PCR (Polymerase-Kettenreaktion)) sind für Chlamydia pneumoniae bisher nicht standardisiert. Die Kultur erfordert hohe technische Expertise.
Serologie: Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydia pneumoniae durch Enzymimmuntechniken (Enzymimmunoassay) oder indirekte Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) (speziesspezifischer Mikroimmunfluoreszenztest: gereinigte Elementarkörperchen als Substrat, Inaktivierung des Lipopolysaccharid-(LPS-)Antigens, um Kreuzreaktivitäten zu minimieren, serologischer Goldstandard).
Untersuchungsmaterial – Probenstabilität
Direktnachweis und Kultur: Das Abstrichmaterial (zellhaltiges Sekret aus den tieferen Atemwegen) wird in spezielle Transportmedien eingeimpft. Es sollte gekühlt transportiert und innerhalb von 4 Stunden analysiert werden.
Serologie: Serum oder Plasma für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Da sich Chlamydia-pneumoniae-Infektionen weder klinisch noch röntgenologisch eindeutig nachweisen lassen, fällt der Labordiagnostik eine besondere Rolle zu. Besonders wenn die Ansteckung länger zurückliegt, misslingt der Erregernachweis häufig, dann kommt der Diagnostik spezifischer Chlamydienantikörper eine besondere Bedeutung zu.
Kreuzreaktionen mit den übrigen Chlamydienspezies sind dabei auszuschließen, z. B. durch die parallele Untersuchung der Antikörper gegen Chlamydia psittaci und Chlamydia trachomatis, ggf. mit Biochip-Mosaiken.
Literatur
Burkhardt O, Staube E, Welte T (2003) Klinisches Bild, Diagnostik und Therapie. Pneumologie 57:449–458CrossRefPubMed
Schütt S, Essig A (2004) Diagnostik von Chlamydien-Infektionen. J Lab Med 28(2):144–153