Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Chlamydia psittaci

Chlamydia psittaci
Englischer Begriff
Chlamydia psittaci
Beschreibung des Erregers
Chlamydia psittaci gehört neben Chlamydia trachomatis und Chlamydia pneumoniae zu den humanpathogenen Chlamydienarten. Sie zählen zu den kleinsten intrazellulär lebenden, gramnegativen Bakterien und nutzen für den eigenen Stoffwechsel vor allem das Adenosintriphosphat der Wirtszelle. Für Chlamydia psittaci gilt seit einigen Jahren der Gattungsname Chlamydophila, der sich allerdings noch nicht überall durchgesetzt hat.
Erkrankungen
Chlamydia psittaci ist der Erreger der Psittakose (Papageienkrankheit, auch Ornithose) – eine Zooanthroponose, die in der Regel von infizierten Zier- oder Zuchtvögeln, insbesondere Papageien, über erregerhaltiges Sekret und Exkremente aerogen auf den Menschen übertragen wird, selten auch durch Bisse. In wenigen Fällen erfolgt die Ansteckung von Mensch zu Mensch. Infektionsgefährdet sind neben Haltern von Zier- und Zuchtvögeln daher vor allem Tierhändler und Beschäftigte in der geflügelverarbeitenden Industrie. Als klinisches Bild resultiert eine subakute oder chronische Pneumonie, beobachtet werden milde Verläufe ebenso wie akute, fulminante Infektionen. In Deutschland ist die Erkrankung selten, im Jahre 2002 wurden nur 40 Fälle gemeldet. Bis heute gibt es keine Impfung gegen Chlamydien. Nachgewiesene Infektionen werden mit Antibiotika über 7–14 Tage behandelt.
Analytik
Für den Direktnachweis stehen PCR (Polymerase-Kettenreaktion), die Anzucht in Zellkulturen oder die direkte Immunfluoreszenz unter Verwendung fluoreszeinmarkierter monoklonaler Antikörper gegen äußere Membranproteine von Chlamydia psittaci zur Verfügung. Der direkte Erregernachweis in der Zellkultur kann aufgrund der Kontagiosität des Erregers und der damit verbundenen Risiken nur in Einrichtungen durchgeführt werden, die über ein Sicherheitslabor der Klassifizierung L3 verfügen.
Serologie: Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydia psittaci durch Enzymimmuntechniken (Enzymimmunoassay) oder indirekte Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) (speziesspezifischer Mikroimmunfluoreszenztest: gereinigte Elementarkörperchen als Antigen, Inaktivierung des Lipopolysaccharid-(LPS-)Antigens, um Kreuzreaktivitäten zu minimieren, serologischer Goldstandard).
Untersuchungsmaterial – Probenstabilität
Direktnachweis und Kultur: Für die Anzucht und den Gennachweis werden Sputum, Trachealsekret und bronchoalveoläre Lavageflüssigkeit verwendet (Infektionsgefahr!). Das Material sollte gekühlt transportiert und innerhalb von 4 Stunden analysiert werden.
Serologie: Serum oder Plasma für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Bei der Diagnostik von Chlamydia-psittaci-Infektionen spielen das klinische Bild und die Anamnese (Vogelkontakte) eine große Rolle. Die labordiagnostischen Möglichkeiten zum Nachweis einer Chlamydia-psittaci-Infektion sind limitiert. PCR-Verfahren haben sich zum Nachweis akuter Infektionen als nützlich erwiesen, wurden bisher jedoch nicht anhand größerer Fallzahlen evaluiert. Infektionen mit Chlamydia psittaci werden daher im Allgemeinen serologisch diagnostiziert. Kreuzreaktionen mit den übrigen Chlamydienspezies sind dabei auszuschließen, z. B. durch die parallele Untersuchung der Antikörper gegen Chlamydia pneumoniae und Chlamydia trachomatis, ggf. mit Biochip-Mosaiken.
Literatur
RKI (2001) Infektionen durch Chlamydien (Teil 2): Erkrankungen durch Chlamydia psittaci und Chlamydia pneumoniae. Epid Bull 14:95–100
Schütt S, Essig A (2004) Diagnostik von Chlamydien-Infektionen. J Lab Med 28(2):144–153