Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Cholestase-anzeigende Enzyme

Cholestase-anzeigende Enzyme
Synonym(e)
Enzymmarker der Cholestase
Englischer Begriff
enzymatic markers of cholestasis; cholestasis-indicating enzymes
Definition
Es handelt sich um 4 Enzymaktivitäten im Blut, die bei Cholestase (Reduktion des Galleflusses der Leber) unterschiedlicher Ätiologie erhöht sind:
  • Alkalische Phosphatase (Phosphatase, alkalische; Leberisoenzym)
  • γ-Glutamyltransferase
  • Leucinarylamidase(n) (eher historischer Parameter)
  • 5’-Nukleotidase (eher historischer Parameter)
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Bildung und Exkretion von täglich 500–600 mL Gallenflüssigkeit (Cholerese) stellen fundamentale Funktionen der Leber (Hepatozyten und Gallengangsepithelzellen) dar, die im Rahmen akuter und chronischer Lebererkrankung im unterschiedlichen Ausmaß beeinträchtigt sind (Cholestase). Intra- und extrahepatische, mechanische (Obstruktion) oder funktionelle (medikamentös toxische, infektiöse) Ursachen erzeugen charakteristische Enzymprofilveränderungen, die in einer Aktivitätserhöhung der oben genannten Enzyme bestehen.
Halbwertszeit
s. Einzelenzyme.
Pathophysiologie
Die Aktivitätsanstiege sind für die einzelnen Enzyme unterschiedlich und generell auf folgende Mechanismen zurückzuführen:
  • Enzyminduktion in der Leber durch retenierte Gallensäuren
  • Partielle Solubilisierung und Freisetzung membrangebundener Enzyme aus der kanalikulären oder sinusoidalen Hepatozytenplasmamembran durch Detergenzwirkung konzentrierter Gallensäuren
  • Regurgitation von Galle durch Lockerung der „tight junctions“ der Gallekapillaren
  • Verminderte Clearance der Enzyme aus der Zirkulation durch Veränderungen ihres Glykosylierungsmusters
Untersuchungsmaterial
Serum.
Analytik
s. Einzelenzyme.
Referenzbereich
s. Einzelenzyme.
Bewertung
s. Einzelenzyme.
Literatur
Trauner M, Meier PJ, Boyer JL (1998) Molecular pathogenesis of cholestasis. N Engl J Med 339:1217–1227CrossRefPubMed