Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H.-D. Haubeck

COMP

COMP
Synonym(e)
Thrombospondin-5
Englischer Begriff
COMP; cartilage oligomeric matrix protein
Definition
Das oligomere Matrixprotein des Knorpels (COMP) ist ein pentameres Glykoprotein (Glykoproteine), das im Knorpel, in Sehnen und Bändern exprimiert wird.
Beschreibung
Das Knorpel-spezifische oligomere Matrixprotein (COMP) wurde ursprünglich aus dem Knorpel isoliert und besteht aus 5 über Disulfidbrücken verknüpften Untereinheiten von ca. 100 kDa. Die Molmasse von COMP beträgt 524 kDa. Im normalen Knorpel wird COMP überwiegend in den Knorpelhöfen um die Chondrozyten (Territorialmatrix) exprimiert und ist für die Fibrillogenese von Kollagen Typ II notwendig. Es bindet dabei hochaffin an 4 spezifische Bindungstellen des Prokollagens und wirkt als Katalysator der Fibrillenbildung.
Mutationen im COMP-Gen führen zur Pseudoachondroplasie und zur multiplen ephiphysealen Dysplasie, 2 Unterformen der Osteochondrodysplasie.
Fragmente von COMP entstehen im Rahmen von Gelenkerkrankungen durch die Wirkung von Matrix-Metalloproteinasen (MMP) und Disintegrin-Metalloproteinasen (ADAM, ADAM-TS). Sie werden aus dem Knorpel freigesetzt und lassen sich bei Patienten mit Gelenktraumata, Osteoarthritis und rheumatoider Arthritis in der Synovialflüssigkeit und im Serum nachweisen. Da COMP außer im Knorpel nur noch in geringer Menge in Sehnen und Bändern exprimiert wird, kann es im Serum als weitgehend knorpelspezifischer Marker angesehen werden, der aber nur die Knorpelschädigung zeigt und keine Krankheitsspezifität besitzt. Allerdings wird COMP bei einer Knorpelschädigung nicht nur durch die Wirkung der MMP und ADAM/ADAM-TS vermehrt aus dem Knorpel freigesetzt, sondern COMP wird, zumindest während früher Stadien der Osteoarthritis im Sinne eines Reparaturversuchs, auch verstärkt synthetisiert. Dies kann sogar zu einer weiteren Schädigung der Extrazellulärmatrix beitragen, weil durch zu hohe COMP-Konzentrationen das COMP/Prokollagen-Verhältnis gestört wird und damit zu einer ungeordneten, mangelhaften Fibrillogenese des Kollagens Typ II führt. Damit ist COMP nicht respektive nicht nur als Parameter der Knorpeldegradation zu bewerten, sondern eher des Knorpelumsatzes. Vor allem entstammt das im Serum gemessene COMP nicht nur dem betroffenen Gelenk, sondern reflektiert den normalen Turnover aller Knorpelgewebe des Körpers. Trotz dieser Einschränkungen korreliert die COMP-Konzentration im Serum bei rheumatoider Arthritis und Osteoarthritis mit der Krankheitsprogression und eignet sich damit für die Therapiekontrolle und als prognostischer Marker.
Für die Messung der COMP-Konzentration im Serum und in der Synovialflüssigkeit steht ein Enzymimmunoassay zur Verfügung.
Literatur
Dickinson SC, Vankemmelbeke MN, Buttle DJ et al (2003) Cleavage of cartilage oligomeric matrix protein (thrombospondin-5) by matrix metalloproteinases and metalloproteinase with thrombospondin motifs. Matrix Biol 22:267–278CrossRefPubMed
Hedbom E, Antonsson P, Hjerpe A et al (1992) Cartilage matrix proteins. J Biol Chem 267:6132–6136PubMed