Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
C. Vidal und W. -R. Külpmann

Cumarine

Cumarine
Englischer Begriff
coumarins
Definition
Antikoagulanzien.
Molmasse
Cumarin 146,2 g; Phenprocoumon 280,3 g; Warfarin 308,3 g.
Strukturformel Cumarin:
Strukturformel Phenprocoumon:
Strukturformel Warfarin:
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Bei den zur Antikoagulation verwendeten Cumarinen handelt es sich um oral wirksame Pharmaka.
Halbwertszeit
Phenprocoumon: 100–160 Stunden (Plasma); Warfarin: 37–50 Stunden (Plasma).
Pathophysiologie
Die genannten Cumarine sind Vitamin-K-Antagonisten. Vitamin K ist bedeutsam für die Synthese der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X. Die Wirkung der Cumarine tritt deshalb zeitlich verzögert ein.
Untersuchungsmaterial
Analytik
HPLC, GC-MS, LC-MS/MS (Chromatographie, Massenspektrometrie).
Indikation
Therapeutisches Drug Monitoring, Vergiftung:
 
Plasmakonzentration (mg/L)
 
Therapeutisch
Toxisch
Komatös-letal
Phenprocoumon
0,15–3,5
>5
>?
Warfarin
1–7
>10
>100
Interpretation
Der therapeutische Einsatz von Antikoagulanzien wird grundsätzlich mit entsprechenden hämostaseologischen Verfahren überwacht. Bei Verdacht auf mangelnde Compliance oder Münchhausen-Syndrom ist die quantitative Bestimmung der Cumarine selbst indiziert. Dasselbe gilt bei Verdacht auf Intoxikation mit rodentiziden Cumarinderivaten. Dazu zählen neben Warfarin die sog. Superwarfarine (z. B. Brodifacoum, Difenacoum) mit einer 100- bis 200-fach längeren Wirksamkeit im Vergleich zu Phenprocoumon.
Literatur
Von Meyer L, Geldmacher-von Mallinckrodt M (2009) Anticoagulants. In: Külpmann WR (Hrsg) Clinical toxicological analysis. Wiley-VCH, Weinheim, S 301–312