Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Deferoxamin-Test

Deferoxamin-Test
Synonym(e)
Desferal-Test; Desferrioxamin-Test; Eisenmobilisationstest
Englischer Begriff
Definition
Zur Diagnostik von Eisenspeicherkrankheiten eingesetzter Funktionstest, bei dem nach parenteraler Gabe von Deferoxamin die Mobilisation und Ausscheidungsmenge von Eisen im 6- oder 24-Stunden-Sammelurin gemessen wird.
Beschreibung
Nach intramuskulärer Applikation von 500 mg bzw. 15 mg/kg KG Deferoxamin-Mesylat erfolgt eine Mobilisierung des Speichereisens, das renal eliminiert wird. Es wird die über 6 oder 24 Stunden im Urin ausgeschiedene Eisenmenge mittels Atomabsorptionsspektrometrie oder kolorimetrisch gemessen. Die Normalbereiche liegen bei <0,5 mg Eisen pro 6-Stunden-Sammelurin und <2 mg Eisen pro 24-Stunden-Sammelurin. Bei Hämochromatose und anderen Eisenüberladungszuständen kommt es zu signifikant erhöhter Eisenausscheidung (>1,5 mg im 6-Stunden-Sammelurin, >10 mg [179 μmol] im 24-Stunden-Sammelurin) (s. Tabelle).
Primäre und sekundäre Eisenüberladungszustände:
Mäßige Erhöhungen
Starke Erhöhungen
(>1,5 mg Eisen/6 Stunden)
- aktive Leberzirrhose
- Verschlussikterus
- sideroachrestische Anämie
- Hämosiderose
Der Test ist wegen eingeschränkter Empfindlichkeit heute nur noch selten im Gebrauch. Eine weitere Indikation besteht in der Diagnose einer Aluminiumbelastung, die als pathologisch eingestuft wird, wenn nach Injektion von 5 mg Deferoxamin pro kg KG die Aluminiumkonzentration im Serum auf über 150 μg/L ansteigt.
Literatur
Chemnitz G, Winkler A, Schmidt FW (2000) Hereditäre Hämochromatose. In: Schmidt E, Schmidt FW, Manns MP (Hrsg) Lebererkrankungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, S 787–809