Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Diaminoxidase

Diaminoxidase
Synonym(e)
Histaminase; DAO
Englischer Begriff
diaminoxidase
Definition
Histaminabbauendes, kupferhaltiges Enzym, das u. a. im Darm des Menschen produziert wird.
Beschreibung
Histamin ist ein Gewebshormon und Neurotransmitter. Neben seinen physiologischen Wirkungen spielt es eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen und ist am Immunsystem beteiligt. Das mit der Nahrung (z. B. Rotwein, Hartkäse) aufgenommene Histamin wird in Darm und Darmschleimhaut durch Diaminoxidase abgebaut, weshalb nur wenig Histamin aus dem Darmlumen in die Blutzirkulation gelangt. Bei Diaminoxidasemangel (z. B. durch unzureichende Synthese, Entzündungen des Darms, Vitamin-B6-Mangel) oder Hemmung des Enzyms ist der Histaminabbau gestört, wodurch zu viel Histamin in die Zirkulation übertritt und allergische Reaktionen ausgelöst werden sollen. Es handelt sich dann nicht um eine Immunglobulin E-vermittelte Allergie, sondern um eine sog. Histaminintoleranz (HIT).
Bei Verdacht auf HIT soll die Bestimmung der Diaminoxidase im Serum hilfreich sein. Die Enzymaktivität wird anhand des Umsatzes eines radioaktiv-markierten Enzymsubstrats gemessen. Dabei werden Aktivitäten <3 U/mL als Hinweis auf eine HIT interpretiert. Bei Aktivitäten >10 U/mL ist HIT wenig wahrscheinlich. Eine abschließende Bewertung der diagnostischen Leistungsfähigkeit dieses Parameters ist derzeit nicht möglich. Die postulierte Nahrungsmittelallergie durch Histamin ist allgemein umstritten und nur teilweise wissenschaftlich belegbar.
Literatur
Jarisch R (Hrsg) (2004) Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, Stuttgart
Maintz L, Novak N (2007) Histamine and histamine intolerance. Am J Clin Nutr 85:1185–1196PubMed