Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Drogenscreening

Drogenscreening
Synonym(e)
Nachweis Drogenkonsum
Englischer Begriff
drug screen
Definition
Überbegriff für Untersuchungen zum Nachweis eines Drogenkonsums.
Beschreibung
In Abhängigkeit von der Fragestellung, z. B. Drogeneinfluss zur Tatzeit (Blut) oder Nachweis einer Drogenabstinenz zur Wiedererlangung des Führerscheins (Urin), werden Blut- und/oder Urinproben auf die Anwesenheit einer oder mehrerer Drogengruppen untersucht (Amphetamine, Barbiturate, Benzodiazepine, Cannabinoide, Kokain, Opiate, Methadon). Deren Auswahl erfolgt anhand des konkreten Falls oder eines fest vereinbarten Prüfprotokolls, wobei aktuelle Trends des Drogenkonsums berücksichtigt werden sollten. Im ersten Untersuchungsgang werden gewöhnlich immunologische Nachweisverfahren (Teststreifen oder Immunoassay) als Screeningmethoden (Screening-Untersuchung) eingesetzt. Anschließend sollten positive Screeningergebnisse durch eine zweite, von der Screeninganalyse unabhängige, physikochemische Bestätigungsanalyse gewöhnlich mit Massenspektrometrie überprüft werden. Das Ergebnis dieser Bestätigungsuntersuchung ist rechtsverwertbar, d. h. ein positiver Screeningbefund wird durch eine negative Bestätigungsanalyse bedeutungslos.
Zukünftig werden massenspektrometrie-basierte Drogenscreenings ohne immunologische Vortests gr­ßere Bedeutung erlangen, weil sie schneller auf aktuelle Drogentrends angepasst werden k­nnen und eine h­here analytische und diagnostische Spezifitðt aufweisen.
Die betroffenen Personen versuchen mitunter durch Aufnahme großer Flüssigkeitsmengen eine In-vivo- oder durch Beimengung von Wasser zum Urin eine In-vitro-Urinverdünnung herbeizuführen. Dadurch soll die Drogenkonzentration herabgesetzt und der Nachweis eines Drogenkonsums verhindert werden. Geeignete Gegenmaßnahmen sind die Urinabgabe unter Sichtkontrolle zu einem vorher nicht angekündigten Termin sowie die zusätzliche Bestimmung der Kreatininausscheidung im Urin. Kreatininkonzentrationen unter 200 mg/L sprechen für einen niedrigkonzentrierten Urin, nicht zwingend jedoch für eine Urinmanipulation, da schlanke Personen durchaus physiologisch niedrige Kreatininausscheidungen aufweisen können (Arndt 2009). Siehe auch Kreatin und Kreatinin.
Literatur
Arndt T (2009) Urine-creatinine concentration as a marker of urine dilution. Reflections using a cohort of 45000 samples. Forensic Sci Int 186:48–51CrossRefPubMed
Külpmann WR (Hrsg) (2002) Klinisch-toxikologische Analytik. Wiley-VCH, Weinheim
Schütz H (1999) Screening von Drogen und Arzneimitteln mit Immunoassays. Wissenschaftliche Verlagsabteilung Abbott GmbH, Wiesbaden