Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Renz und B. Gierten

Eosinophiles kationisches Protein

Eosinophiles kationisches Protein
Synonym(e)
ECP; RNase 3
Englischer Begriff
eosinophil cationic protein
Definition
RNase, die aus den Granula aktivierter eosinophiler Granulozyten ausgeschüttet wird.
Struktur
Einkettiges, stark negativ geladenes Protein, nachweisbar in drei unterschiedlich stark glykosylsierten Formen.
Molmasse
Isoformen: 18,5 kDa, 20 kDa, 22 kDa.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, andere Körperflüssigkeiten, bronchoalveoläre Lavage.
Präanalytik
Verwendung von Plasma und hämolytischen Proben nicht möglich.
Da die Konzentration an freigesetztem ECP vom Material des Blutentnahmesystems, Gerinnungszeit und Temperatur abhängig ist, sind folgende Bedingungen einzuhalten:
  • Entnahme in Kunststoffröhrchen,
  • nach Entnahme das Röhrchen 5-mal schwenken und 60–120 min bei Zimmertemperatur gerinnen lassen,
  • Zentrifugation bei 1000–1300 g für 10 min,
  • Serum zur Lagerung in Sekundärröhrchen dekantieren.
Analytik
Konventionelle Einheit
μg/L.
Internationale Einheit
μg/L.
Referenzbereich – Erwachsene
<11,3 μg/L.
Referenzbereich – Kinder
<11,3 μg/L.
Indikation
Aktivierung eosinophiler Granulozyten im Rahmen von
Interpretation
ECP wird durch Aktivierung eosinophiler Granulozyten (Granulozyten, eosinophile) freigesetzt und ist somit ein Parameter zur Darstellung dieses Vorgangs. Aussagen über den Zustand des Erfolgsorgans (Lunge, Haut u. a.) sind nur begrenzt möglich, da die zelluläre Aktivierung diesem vorausgehen oder hinterherhinken kann.
Die Konzentration des ECP korreliert nicht mit der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im peripheren Blut.
Diagnostische Wertigkeit
ECP-Konzentrationen sind starken interindividuellen Schwankungen unterworfen und dadurch als Einzelwert kaum zu interpretieren. Intraindividuell schwankt der Wert jedoch gering, sodass er sich gut zur Verlaufsbeobachtung bekannter Erkrankungen eignet. Ermöglicht wird dadurch ein Aktivitäts- und Therapiemonitoring an selektionierten Patienten.
ECP stellt einen Aktivierungsmarker für eosinophile Granulozyten dar, er korreliert nicht natürlicherweise mit der Anzahl der Zellen.
Literatur
Friedman RB, Young DS (1997) Effects of disease in clinical laboratory tests, 2. Aufl. AACC Press, Washington DC
Venge P et al (1993) Serum measurements of eosinophil cationic protein (ECP) in bronchial asthma. Clin Exp Allergy 23(Suppl):3–7CrossRefPubMed