Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Baum

Erythrozyten-Indices

Erythrozyten-Indices
Englischer Begriff
red blood cell indices
Definition
Rechnerisch ermittelte Kenngrößen zur Charakterisierung der Erythrozyten und Klassifizierung von Anämien.
Untersuchungsmaterial
EDTA-Blut.
Präanalytik
Abgeleitete Kenngrößen der Erythrozyten.
Referenzbereich
MCH 28–33 pg; MCV 80–96 fL; MCHC 330–360 g/L.
Bewertung
Die Erythrozytenindices können aus den Kenngrößen Erythrozytenzahl, Hämatokrit und Hämoglobinkonzentration ermittelt werden. Unterschieden werden das mittlere Erythrozytenvolumen (MCV: mean corpuscular volume), der mittlere Hämoglobingehalt des Einzelerythrozyten (MCH: mean corpuscular hemoglobin) und die mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration (MCHC: mean corpuscular hemoglobin concentration). Mit ihrer Hilfe können die verschiedenen Anämieformen eingeteilt und klassifiziert werden:
Anämieform
Erkrankung/Zustände
MCH, MCV und MCHC normal
Normochrome normozytäre Anämie
Nicht regenerative Anämien, akuter Blutverlust, chronisch entzündliche Erkrankungen, Maldigestion, Malabsorption, endokrine Störungen
MCV normal, MCH und MCHC erhöht
Hyperchrome normozytäre Anämie
Intravaskuläre Hämolyse, Störungen der Hämoglobinmessung durch Hyperlipidämie
MCV und MCH erniedrigt, MCHC normal
Hypochrome mikrozytäre Anämie
Eisenmangelanämie, Hämoglobinopathien
MCV und MCH erhöht, MCHC normal
Hyperchrome makrozytäre Anämie
Vitamin-B12- und/oder Folsäuremangel
MCV erniedrigt, MCH und MCHC erhöht
 
Schwere hereditäre Sphärozytose (Kugelzellanämie)
MCV, MCH und MCHC erhöht
 
Störung der Messung durch Kälteagglutinine. Es werden die Erythrozyten zu niedrig und das MCV zu hoch bestimmt. Dadurch wird der Hämatokrit zu niedrig und in der Folge das MCH und MCHC zu hoch gemessen
Literatur
Stobbe H (1998) Erythrozytenindizes. In: Boll I, Heller S (Hrsg) Praktische Blutzelldiagnostik. Springer, Berlin/Heidelberg/New York, S 73–78