Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Baum

Erythrozytenvolumen

Erythrozytenvolumen
Synonym(e)
MCV
Englischer Begriff
mean red cell (corpuscular) volume
Definition
Volumen des Einzelerythrozyten.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
EDTA-Blut.
Probenstabilität
Bei Raumtemperatur mindestens 24 Stunden lagerfähig.
Analytik
Rechnerisch aus den Kenngrößen Hämatokrit und Erythrozyten-Zahl:
MCV (fL) = Hämatokrit (L/L) / Erythrozytenzahl (× 1012/L) × 103
oder direkt als Messgröße in Blutzellzählgeräten.
Konventionelle Einheit
fL.
Internationale Einheit
fL.
Referenzbereich – Erwachsene
80–96 fL.
Referenzbereich – Kinder
Altersabhängig, wobei Säuglinge und Kleinkinder deutlich höhere MCV-Werte haben.
Indikation
Differenzialdiagnostik und Klassifikation der Anämien.
Interpretation
Anämien können anhand des MCV eingeteilt werden. Dabei sollte jedoch das MCV immer im Zusammenhang mit dem MCH und MCHC interpretiert werden:
  • Mikrozytär (MCV erniedrigt); vor allem bei Eisenmangelanämien, Thalassämien
  • Normozytär (MCV normal); vor allem bei chronischer Blutungsanämie, akutem Blutverlust, aplastische Knochenmarksyndrome
  • Makrozytär (MCV erhöht); vor allem bei Vitamin B12- oder Folsäuremangel
Ein erhöhtes MCV kann auch präanalytische Ursachen haben; so schwellen die Erythrozyten im Blutröhrchen (z. B. während des Probentransports in ein externes Labor) gewöhnlich an, was zu Fehlinterpretationen bzgl. einer makrozytären Anämie führen kann.
Diagnostische Wertigkeit
Das MCV ist eine Screeningmethode in der Anämiediagnostik. Werte unterhalb oder oberhalb der Referenzbereichsgrenze müssen in der Zusammenschau mit den anderen Parametern des kleinen Blutbildes (Blutbild, kleines) gewertet werden.
Literatur
Stobbe H (1998) Erythrozytenindices. In: Boll I, Heller S (Hrsg) Praktische Blutzelldiagnostik. Springer, Berlin/Heidelberg/New York, S 73–78