Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
C. Vidal und W.-R. Külpmann

Ethylenglykol

Ethylenglykol
Englischer Begriff
ethylene glycol
Definition
HO-CH2-CH2-OH. Lösungsmittel, Frostschutzmittel.
Molmasse
62,07 g.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Nach oraler Zufuhr wird Ethylenglykol rasch resorbiert und schnell im Organismus verteilt. Es wird hepatisch metabolisiert zu Glykolaldehyd, Glykolsäure, Glyoxylsäure und Oxalsäure. 20 % des inkorporierten Ethylenglykol werden unverändert renal eliminiert.
Halbwertszeit
3–5 Stunden (Plasma).
Funktion – Pathophysiologie
Bei Vergiftung mit Ethylenglykol (enthalten in Kfz-Frostschutzmitteln sowie als Lösungsmittel in Haushaltsprodukten) treten Symptome wie bei Ethanol-Intoxikation auf, später Krämpfe, Somnolenz, Koma. Die Ethylenglykol-Metabolite führen zu einer schweren metabolischen Azidose (Anionenlücke im Plasma, osmotische Lücke [Osmolalität]), wobei Oxalsäure nur eine geringe Rolle spielt (2 % Ethylenglykol werden zu Oxalsäure oxidiert). Im zweiten Stadium entwickeln sich kardiorespiratorische Komplikationen, im dritten Nierenschmerzen und Nierenversagen.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Analytik
GC.
Indikation
Verdacht auf Vergiftung.
Interpretation
Komatös-letale Konzentration: 300–4300 mg/L.
Literatur
Degel F, Desel H (2009) Solvents and inhalants: Glycols. In: Külpmann WR (Hrsg) Clinical toxicological analysis. Wiley-VCH, Weinheim, S 531–539