Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Hubl

Fludrokortison-Suppressionstest

Fludrokortison-Suppressionstest
Synonym(e)
9α-Fluorocortisol-Test; 9α-Fluorohydrocortison-Test; Florinef-Test
Englischer Begriff
Fludrocortisone; 9α-fluorohydrocortisone
Definition
Der Fludrokortison-Suppressionstest dient zur Bestätigungsdiagnostik eines Hyperaldosteronismus nach klinischen Zeichen sowie einem pathologischen Aldosteron-Renin-Quotienten (Aldosteron-Renin-Quotient).
Durchführung
  • Erste Blutentnahme für die Bestimmung von Aldosteron und Kalium
  • 4-mal täglich orale Gabe von 0,1 mg Fludrokortison (Astonin H, Florinef), d. h. alle 6 Stunden: 4 Uhr, 10 Uhr, 16 Uhr, 22 Uhr über 4 Tage
  • Blutdruckmessungen 4-mal täglich
  • Kaliumbestimmungen im Serum 4-mal täglich
  • Tägliche Kaliumgabe mit einem Zielwert von 4,0 mmol/L im Serum
  • 3-mal tägliche Natriumchloridgabe (jeweils 30 mmol) in Kombination mit einer Natriumchlorid-reichen Kost
  • Am 4. Tag Blutentnahme um 7 Uhr für Kortisol und um 10 Uhr bei sitzendem Patienten für Aldosteron und Kortisol. Die Kortisolbestimmungen dienen zum Ausschluss eines ACTH-Effektes auf die Aldosteronkonzentration.
Nebenwirkungen: arterieller Hypertonus, Hypokaliämie, Hypervolämie mit Ödemneigung, Dekompensation einer Herzinsuffizienz.
Folgende Kontraindikationen für die Verabreichung von Fludrokortison: hypertensive Entgleisungen, Hypokaliämie, Schwangerschaft, Stillzeit, schwere periphere Ödeme, Überempfindlichkeit gegenüber Fludrokortison.
Medikamenteneinflüsse durch vorheriges Absetzen vermeiden: Diuretika und Antihypertensiva möglichst eine Woche vor dem Test absetzen.
Struktur
C21H29FO5.
Molmasse
380,45 g/mol.
Pathophysiologie
Eine mehrtätige Verabreichung von Mineralokortikoiden, wie z. B. Fludrokortison, bewirkt bei Gesunden und Patienten ohne primären Hyperaldosteronismus einen Abfall der Aldosteronkonzentration. Im Gegensatz hierzu wird bei Patienten mit einem primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom) die autonome Aldosteronproduktion nicht gehemmt. Diese Reaktion wird zur Bestätigungsdiagnostik des Conn-Syndroms verwendet.
Untersuchungsmaterial
Aldosteron und Kalium.
Präanalytik
Aldosteron und Kalium.
Analytik
Aldosteron und Kalium.
Probenstabilität
Aldosteron und Kalium.
Konventionelle Einheit
Aldosteron und Kalium.
Internationale Einheit
Aldosteron und Kalium.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
Aldosteron und Kalium.
Referenzbereich – Erwachsene
S. Interpretation.
Indikation
  • Verdacht auf einen primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)
  • Differenzialdiagnostik des primären Hyperaldosteronismus von der essenziellen Hypertonie
Interpretation
Aldosteron am 4. Tag oberhalb von 166 pmol/L (60 ng/L bzw. kein Abfall auf unter 90 % des Ausgangswertes bedeutet: Bestätigung eines primären Hyperaldosteronismus. Als Voraussetzung gilt ein Abfall des 10-Uhr-Kortisolwertes auf unter 90 % des 7-Uhr-Kortisolwertes (Ausschluss einer ACTH-Stimulation).
Diagnostische Wertigkeit
Der Fludrokortison-Suppressionstest dient neben dem Kochsalz-Belastungstest sowie dem Captopril-Test als Bestätigungstest des primären Hyperaldosteronismus.
Der Test gilt als aufwendig und muss deshalb in der Regel stationär durchgeführt werden. Allerdings belegen einige Autoren eine höhere diagnostische Sensitivität im Vergleich zu den anderen alternativen Funktionstests.
Literatur
Funder J, Carey R, Fardella C, Gomez-Sanchez C, Matero F, Stowasser M et al (2008) Case detection, diagnosis, and treatment of patients with primary aldosteronism: an endocrine society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metabol 93:3266–3281CrossRef
Mönig H, Harbeck B, Domm C et al (2014) Dynamische Funktionstests in der Endokrinolgie und Diabetologie. Fludrokortison-Suppressionstest. In: Lehnert H (Hrsg) Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Thieme-Verlag, Stuttgart, S 670–671
Schäffler A, Bollheimer C, Büttner R (2015) Nebennierenrinde. In: Schäffler A (Hrsg) Funktionsdiagnostik in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Indikation, Testvorbereitung und -durchführung, Interpretation. Springer-Verlag/GmbH & Co., Berlin/Heidelberg, S 79–102/S 93–94