Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Fruktosebelastungstest

Fruktosebelastungstest
Synonym(e)
Fruktoseintoleranztest
Englischer Begriff
fructose tolerance test; fructose load, oral or intravenous
Definition
Belastungstest mit oraler oder intravenöser Gabe von Fruktose.
Durchführung
Fruktosebelastungstests können in der Diagnostik von Resorptions- und Stoffwechselstörungen der Fruktose indiziert sein. Unterschieden werden muss zwischen oraler und intravenöser Fruktosebelastung. Die orale Fruktosebelastung wird i. d. R. in Form eines H2-Atemtests durchgeführt und dient dem Nachweis einer Fruktosemalabsorption, die bei Kindern häufig aufgrund verstärkter intestinaler Gasbildung zu abdominellen Beschwerden führt. Dabei gelangt oral applizierte Fruktose zum großen Teil in den Dickdarm, wo sie bakteriell fermentiert wird. Das dabei entstehende H2 wird über die Lunge ausgeatmet und in der Atemluft quantifiziert. Die intravenöse Fruktosebelastung (200 mg/kg Fruktose i.v.) dient dem Nachweis von Störungen des zellulären Fruktosestoffwechsels wie der hereditären Fruktoseintoleranz (Aldolase-B-Mangel) oder dem Fruktose-1,6-Bisphosphatasemangel.
Zu beachten ist, dass die orale Fruktosebelastung bei Kindern mit hereditärer Fruktoseintoleranz zu schwersten Hypoglykämien führen kann und deshalb relativ kontraindiziert ist. Ursache ist die Akkumulation von Fruktose-1-Phosphat infolge des Aldolase-B-Defekts und nachfolgender Hemmung der Glukoneogenese und Glykogenolyse. Vor einer oralen Fruktosebelastung sollte eine hereditäre Fruktoseintoleranz deshalb anamnestisch ausgeschlossen werden. Auch im Rahmen einer i.v. Fruktosebelastung treten bei Kindern mit hereditärer Fruktoseintoleranz innerhalb 1 Stunde symptomatische Hypoglykämien auf, auf deren Behandlung der Untersucher vorbereitet sein muss. Bei Erwachsenen ist der Glukoseabfall meist weniger dramatisch. Es kommt zum Anstieg von Mg und Harnsäure und zum Abfall von Phosphat. Bei Patienten mit Fruktose-1,6-Bisphosphatasemangel kommt es zu einer qualitativ ähnlichen, aber quantitativ weniger ausgeprägten Antwort auf die i.v. Fruktosebelastung, sodass eine orale Fruktosebelastung toleriert wird.
Literatur
Romangnolo J, Schiller D, Bailey RJ (2002) Using breath tests wisely in a gastroenterology practice: an evidence-based review of indications and pitfalls in interpretation. Am J Gastroenterol 97:1113–1126CrossRef
Steinmann B, Gitzelmann R, Van den Berghe G. Chapter 70: Disorders of fructose metabolism. In Valle D et al (Hrsg) The online metabolic and molecular bases of inherited disease. McGraw-Hill, New York. https://​doi.​org/​10.​1036/​ommbid.​89