Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Galle

Galle
Synonym(e)
Gallenflüssigkeit
Englischer Begriff
bile
Definition
Galle ist eine gelb-orange Flüssigkeit, die spezifisch von der Leber mit einer täglichen Produktionsrate von ca. 600 mL gebildet und über die Gallenwege in das Duodenum ausgeschieden wird, wo sie u. a. für die Fettverdauung von großer Bedeutung ist.
Beschreibung
Es werden 2 Fraktionen unterschieden:
  • Primäre oder kanalikuläre Galle, die durch osmotische Filtration mit einer Gallensäure-abhängigen (ca. 400 mL/Tag) und einer Gallensäure-unabhängigen (225 mL/Tag) Unterfraktion gebildet wird. Die Gallensäure-abhängige Unterfraktion beruht auf der über spezifische kanalikuläre Transporter (z. B. MRP2, AE2) erfolgenden Exkretion von Gallensalzen aus den Hepatozyten in den Canaliculus (Gallekapillaren), der Gallensäure-unabhängige Gallefluss (Cholerese) erfolgt über die Exkretion von Bicarbonat (durch Carboanhydrase gebildet), Glutathion(-konjugaten) u. a. Anionen (Na+, K+). Auch für den kanalikulären Membrantransport dieser Metabolite stehen spezifische Transporter im kanalikulären Membransegment der Hepatozyten zur Verfügung.
  • Duktuläre Galle (ca. 150 mL/Tag) entsteht durch Modifikation der primären Galle in den abführenden Gallenwegen und der Gallenblase durch Reabsorption und Sekretion organischer und anorganischer Ionen, Bicarbonatsekretion unter Einfluss von Sekretin und durch eine bis zu 20-fache Konzentrierung in der Gallenblase.
Die Galle besteht zu 82 % aus Wasser und zu 18 % aus gelösten Teilchen, deren wichtigste Komponenten nachfolgend zusammengestellt sind:
Bestandteil
Anteil (%)
Gallensalze
67
22
Protein
5
4
0,3
Die wichtigsten Funktionen der Galle sind:
  • Verdauung: Gallensalzsekretion führt zur Aktivierung der Lipase und Bildung von Mizellen
  • Enterohepatische Zirkulation der Gallensalze (Gallensäuren)
  • Exkretion von Endobiotika wie Cholesterin, Bilirubin, Proteine
  • Exkretion von Xenobiotika wie Medikamente, Toxine, Schwermetalle
  • Mukosaimmunität durch Abgabe von sekretorischem Immunglobulin A in der Gallenflüssigkeit.
Literatur
Kullack-Ublick GA, Stieger B, Meier PJ (2004) Enterohepatic bile salt transporters in normal physiology and liver disease. Gastroenterology 126:322–342CrossRef