Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
S. Holdenrieder und P. Stieber

Gastrointestinales Peptid

Gastrointestinales Peptid
Synonym(e)
GIP; Gastrin-inhibierendes Peptid; Enterogastron; Inkretin
Englischer Begriff
gastric inhibitory polypeptide
Definition
Das gastrointestinale Peptid ist ein Hormon der Glukagon-Sekretin-VIP-Familie des Gastrointestinaltrakts, das glukoseabhängig die Insulinfreisetzung fördert und die Magensaftsekretion vermindert.
Struktur
Das gastrointestinale Peptid besteht aus 43 Aminosäuren und wird aus einer 153 Aminosäuren-zählenden Vorform durch Prozessierung gebildet.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Das gastrointestinale Peptid wird unter der Wirkung des sauren Chymus im Duodenum synthetisiert. Es hemmt die Magensäuresekretion und -motilität und stimuliert glukoseabhängig die Insulinfreisetzung in den B-Zellen der Langerhans-Inseln des Pankreas.
Rezeptoren für das gastrointestinale Peptid wurden im Pankreas, Magen, Duodenum, Dünndarm, Fettgewebe, Gehirn und der Hypophyse beschrieben.
Funktion – Pathophysiologie
Erhöhte Nüchternwerte werden beim juvenilen Diabetes und im Hungerzustand beobachtet.
Eine abnorme oder ektope Expression von GIP-Rezeptoren auf der Nebennierenrinde wurde im Zusammenhang mit unilateralen Adenomen oder bilateralen makronodulären Hyperplasien der Nebennieren gefunden. Folge war eine gesteigerte Kortisolproduktion im Rahmen eines ACTH-unabhängigen Hyperkortisolismus.
Indikation
Charakterisierung von gastrointestinalen neuroendokrinen Tumoren.
Literatur
Fallert-Müller A (2000) Lexikon der Biochemie. Spektrum-Verlag, Heidelberg
Lacroix A (2001) Illicit hormone receptors in adrenal Cushing’s syndrome. Ann Endocrinol 62:185–188